Unternehmen, die auf agile Arbeitsformen setzen, können gerade in Zeiten einer Pandemie viel besser auf Veränderungen und Herausforderungen reagieren. Agile Arbeitsweisen unterstützen uns dabei, kurzfristig auf Planänderungen zu reagieren sowie proaktiv Lösungen für betreffende Anforderungen anbieten zu können. Unsere Umfrage zeigt, dass agile Organisationen flexibler auf die rasanten Veränderungen reagieren können und somit robuster sind. Nicht nur in Krisenzeiten, sondern zu jeder Zeit.

Für die Organisationen, die Agilität bereits sehr stark in den Unternehmensalltag integriert haben, ist der Umgang mit Veränderungen und Unsicherheiten bereits Alltag und sie sind dadurch krisenfester. Das ist ein Ergebnis unserer aktuellen Studie „Agile Pulse 2020“, in der die verschiedenen Dimensionen einer Organisation im Hinblick auf ihre agile Ausrichtung beleuchtet werden. Auch in 2020 wurde wieder eine Umfrage bei über 370 Organisationen durchgeführt, um das Thema Agilität möglichst breit zu beleuchten. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Corona-Krise kommt der Befragung eine ganz besondere Bedeutung zu. Denn viele Organisationen müssen auf mehrere Herausforderungen gleichzeitig reagieren und da zeigen sich – so die Studie – Unterschiede zwischen den Organisationen, die bereits über agile Arbeitsformen verfügen und denen, die diese erst einführen.

Grad der Erfahrung nimmt stetig zu

Immer mehr Organisationen setzen auf agile Arbeitsformen. So haben von den befragten Organisationen 62 Prozent in den vergangenen ein bis drei Jahren agile Methoden eingeführt. Weiterhin geben 20 Prozent an, dass agile Methoden bereits seit vier bis sechs Jahren in ihrer Organisation im Einsatz sind. Doch gerade große Organisationen mit mehr als 5000 Mitarbeitenden stehen noch eher am Beginn ihrer agilen Reise. Denn die Auswertung zeigt, dass Agilität hier vor allem in den vergangenen ein bis drei Jahren Einzug fand. In kleineren Organisationen mit weniger als 500 Mitarbeitenden dagegen fing der Einsatz agiler Arbeitsweisen schon teils vor über 10 Jahren an. 

Die Transformation hin zu agilen Organisationen ist ein Prozess, der schrittweise mit variierender Schnelligkeit erfolgt. Aus diesem Grund ist es möglich, dass verschiedene Abteilungen einer Organisation unterschiedlich weit bei der Einführung von agilen Methoden sind und sich auch deren Projektmanagementansätze dadurch unterscheiden. Entsteht eine Mischform von klassischen und agilen Ansätzen innerhalb einer Organisation spricht man von einem „hybriden“ Vorgehensmodell. In der Umfrage geben die Befragten an, dass 69 Prozent der Projekte in ihrer Organisation hybrid sind. Im Gegenzug sind 17 Prozent agil und 14 Prozent der Organisationen klassisch organisiert. Scrum (76 Prozent) und Kanban (66 Prozent) sind dabei die beliebtesten agilen Frameworks. Die Umfrage zeigt ebenfalls, dass agile Praktiken aktuell auf Team-Ebene eingesetzt werden (81 Prozent), gefolgt von der Abteilungsebene (62 Prozent). Weniger werden agile Praktiken derzeit auf der Strategieebene (29 Prozent) und Managementebene (26 Prozent) eingesetzt.

Agile Organisationen sind robuster

Eine große Mehrheit der Befragten (82 Prozent) sieht agile Unternehmen besser gerüstet, wenn schnell auf Veränderungen wie beispielsweise Krisen reagiert werden muss. Zudem geben mehr als zwei Drittel (71 Prozent) an, dass agile Organisationen im Vorteil sind, weil Mitarbeitende selbstorganisiertes Arbeiten gewohnt sind und daher auch remote effizient sein können. 

Andreas Mitter

Agilität ist kein neuer Begriff mehr, die meisten Organisationen haben verstanden, dass die bloße Einführung neuer Methoden und Frameworks nicht ausreicht, um ganzheitlich von Agilität zu profitieren. Insbesondere hat uns das Jahr 2020 gezeigt, dass für wirklich erfolgreiches agiles Arbeiten mehr als nur die Verwendung von agilen IT Teams benötigt wird und gerade die Unternehmen, die hier schon einen Schritt weiter sind, sind bis jetzt besser durch die Krise gekommen.

Andreas Mitter (Partner)

Die Top 5-Gründe für die Einführung agiler Methoden

  • Erhöhung der Flexibilität (57 Prozent)
  • Erhöhung der Geschwindigkeit, z.B. Time-to-Market (49 Prozent)
  • Stärkere Kundenzentrierung (38 Prozent)
  • Einfachere und schlankere Prozesse ( 31 Prozent)
  • Verbesserung der Eigenverantwortung der Mitarbeitenden (17 Prozent)

Der Top-Grund „Erhöhung der Flexibilität“ wurde laut den Befragten im Vergleich mit anderen Zielen insgesamt am besten erreicht (41 Prozent). Wie die Umfrage zeigt, bewerten Führungskräfte und Nichtführungskräfte die Flexibilität ihres Unternehmens unterschiedlich. Während 39 Prozent der Führungskräfte angeben, ihr Unternehmen sei flexibel und könne sich schnell anpassen, sind es bei den Nicht-Führungskräften gerade einmal 20 Prozent, die diese Einschätzung teilen. Diese unterschiedlichen Bewertungen von Führungskräften und Mitarbeitenden ist ein Spannungsfeld, das durch mehr Transparenz entschärft werden könne.

Was waren oder sind die größten Herausforderungen bei der agilen Transformation?

Wie schon im Agile Pulse 2019 sehen auch 2020 die Hälfte der Befragten die Kultur als größte Herausforderung bei der agilen Transformation ihres Unternehmens. Gefolgt vom Zusammenspiel zwischen agilem und traditionellem Vorgehen mit 38 Prozent und der Bereitschaft der Mitarbeitenden zur Veränderung mit 31 Prozent. 

Welche Maßnahmen halfen den Befragten am meisten bei der agilen Transformation?

  • vor allem die Unterstützung durch das Top-Management (48 Prozent)
  • sowie die Stärkung der Verantwortung der einzelnen Mitarbeiter (45 Prozent)
  • gefolgt vom Einsatz dedizierter agile Coaches (37 Prozent)

Auch die Motivationen der Menschen bestimmt die Organisationskultur mit und es gibt verschiedene Möglichkeiten diese zu beeinflussen. Es zeigte sich jedoch unter den Befragten ein großer Unterschied dazu, wie sie motiviert werden und wie sie gerne motiviert werden wollen. Selbstbestimmtes Arbeiten, etwas das durch agile Frameworks besonders unterstützt wird, ist mit 72 % für die Mitarbeitenden der wichtigste Motivationsfaktor.

Die komplexe agile Transformation

Agilität wird nicht um ihrer selbst Willen angestrebt. Organisationen müssen sich gegen die Konkurrenz behaupten und möchten flexibel, effektiv sowie effizient Leistung erbringen. Mit agilen Arbeits- und Denkweisen und agilen Organisationsformen haben sie dabei einen Vorteil. Doch die Einführung betrifft viele Aspekte, bei denen die Wirkung von Maßnahmen kaum vorhersagbar ist und auch das Zielbild der neuen Organisation erst mit der Zeit deutlich wird. Daher ist ein schrittweises Evidenz-basiertes Vorgehen notwendig, mit dem Bereiche der Organisation in verschiedenen Dimensionen inspiziert und angepasst werden.

Mit agilen Coaches sowie einer langjährigen Praxiserfahrung helfen wir so unseren Kunden, die Vorteile von Agilität zu nutzen, um so deren Ziele zu verwirklichen.

Weitere Informationen sowie konkrete Empfehlungen finden Sie in der Studie "Agile Pulse 2020". Diese steht Ihnen im Downloadbereich zur Verfügung.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und stehen für den Erfahrungsaustausch sehr gerne zur Verfügung.

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