• Februar 2026

Die Chemie‑ und die Life‑Sciences‑Branche stellen sich seit jeher in den Dienst der Menschheit. Sie verschieben die Grenzen des Möglichen und liefern Innovationen, die das Leben verbessern. Doch obwohl diese Branchen modernste Technologien einsetzen, um bahnbrechende Produkte zu entwickeln, zögern viele Unternehmen noch immer, ihre Geschäftssysteme vollständig in die Cloud zu verlagern.

Das sollte sich ändern. Ohne Cloud-Technologie verzichten Chemie und LifeSciencesUnternehmen auf zahlreiche strategische Vorteile, insbesondere auf die bahnbrechende Wirkung von EnterpriseKI. Untätigkeit wird für jedes Unternehmen existenzielle Folgen haben. Margen und Marktanteile werden an agilere, effizientere und kostengünstiger aufgestellte Wettbewerber verloren gehen, die KI konsequent einsetzen.

Der Schritt in die Cloud muss heute als Teil der Überlebensstrategie verstanden werden. Das gilt grundsätzlich für alle Unternehmen dieser Branchen – ganz besonders aber für europäische Organisationen mit hohen Produktions‑ und Arbeitskosten.

Was steht dem Wechsel in die Cloud im Weg?

Heute nutzen bis zu 94 Prozent1 aller Unternehmen irgendeine Form von CloudServices. Untersuchungen von BearingPoint zeigen: Es sind vor allem Chemie und LifeSciencesUnternehmen, die sich schwertun, die Cloud-Technologie umfassend zu nutzen.

Die CloudAdoption‑ erfolgt häufig schrittweise und fragmentiert: Einzelne Systeme werden isoliert in die Cloud verlagert, statt sie in eine durchgängige End‑to‑EndStrategie‑ einzubetten. Selbst diese kleineren Migrationen sind oft stark an Anbieter gebunden, entweder weil Softwarehersteller den Wechsel verbindlich vorgeben oder ihn wirtschaftlich besonders attraktiv gestalten.

Diese Branchen sind keineswegs grundsätzlich veränderungsresistent – Innovation steht im Zentrum ihres Selbstverständnisses. Warum also die Zurückhaltung gegenüber einer etablierten und grundsätzlich bewährten Technologie wie Cloud Computing?

Die Gründe dafür sind vielfältig und historisch gewachsen. Zu den zentralen Treibern dieser Zurückhaltung zählen unter anderem:

  • Sicherheit und Schutz geistigen Eigentums: Bedenken hinsichtlich der Speicherung und Verarbeitung proprietärer oder kommerziell sensibler Informationen außerhalb der eigenen Unternehmensinfrastruktur.
  • Komplexe regulatorische Rahmenbedingungen: Die Einhaltung eines vielschichtigen, global vernetzten Geflechts aus Gesetzen und Richtlinien stellt Chemie und LifeSciencesUnternehmen vor besondere Herausforderungen – sowohl bei der Migration in die Cloud als auch im laufenden Betrieb. Zur Einordnung: Allein für die Chemieindustrie existieren mehr als ein Dutzend zentraler globaler Regulierungsinstrumente, aus denen jeweils Tausende nationaler und regionaler Vorschriften abgeleitet sind.
  • Finanzielle Überlegungen: Der Wechsel in die Cloud verlagert Kosten von einmaligen Lizenzinvestitionen hin zu laufenden Abonnementmodellen. Dies kann Auswirkungen auf Bilanzstrukturen haben, insbesondere dort, wo bestehende Lizenzen weiterhin als aktive Vermögenswerte geführt werden.
  • Komplexität der Umstellung und operative Auswirkungen: Der Übergang von On‑PremiseArchitekturen zu ‑CloudModellen erfordert die Steuerung von ‑ETLProzessen‑ (Extract, Transform, Load), die Integration von Altsystemen sowie den Umgang mit potenziellen Betriebsunterbrechungen.
  • Bedenken hinsichtlich Geschwindigkeit und Verfügbarkeit: Netzwerkausfälle oder unzureichende Bandbreite können den Zugriff auf geschäftskritische Systeme unmittelbar beeinträchtigen.
  • Kontrollverlust und Anbieterabhängigkeit (Vendor Lockin): Die Nutzung von CloudInfrastrukturen geht zwangsläufig mit der Abgabe eines gewissen Maßes an Kontrolle an externe Anbieter einher.

 

Manchmal ist die Zurückhaltung aber auch weniger darin begründet, dass man der Technologie selbst misstraut, als schlicht in abweichenden Prioritäten: Für manche Unternehmen erscheinen F&E‑Aktivitäten und spezialisierte IT‑Systeme wichtiger als die Digitalisierung zentraler Geschäftsprozesse.

Warum der Wechsel in die Cloud notwendig ist

Private oder hybride CloudInfrastrukturen gehen gezielt auf die Organisations- und Sicherheitsanforderungen in stark regulierten Branchen wie Chemie und Life Sciences ein.

Dedizierte Private Clouds ermöglichen die höchste Kontrolle über Daten und unterstützen regulatorische Anforderungen in besonderem Maße, unter anderem durch entsprechende Zertifizierungen, Kontrollmechanismen und speziell zugeschnittene Tools. Hybride Ansätze verbinden diese Vorteile mit Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Public Cloud: Sensible Anwendungen und Datenverarbeitungen bleiben isoliert, während das Unternehmen gleichzeitig von höherer Flexibilität und Skalierbarkeit profitiert.

Unabhängig vom Modell argumentieren führende CloudAnbieter‑ überzeugend, dass ihre Plattformen sicherer sind als klassische On‑Premise‑Lösungen: mit spezialisierten Teams, umfassend getesteten Infrastrukturen, kontinuierlichem Monitoring und standardmäßiger Verschlüsselung, die einzelne Organisationen kaum im gleichen Umfang leisten können.

Auch wirtschaftlich überzeugen Cloud-Infrastrukturen

Der Wechsel von Investitionen in unternehmenseigene Lösungen zu Abo-Modellen reduziert nicht nur anfängliche Kapitalausgaben, sondern senkt auch die Kosten für den Betrieb und die laufende Modernisierung der ITInfrastruktur. CloudModelle ermöglichen es Unternehmen zudem, ihre ITRessourcen und damit auch die Kosten flexibel und bedarfsgerecht zu skalieren.

SoftwareInnovation richtet sich zunehmend auf CloudTechnologien aus. SaaS und native Cloud-Anwendungen und -Plattformen machen einen großen und weiterwachsenden Teil der neuen Entwicklungen und Investitionen aus. Wer eine Cloud nutzt, profitiert dabei in der Regel vom Zugriff auf die jeweils aktuellsten und leistungsfähigsten Versionen.

Nutzer, Partner und Kunden können sicher und ortsunabhängig auf Systeme zugreifen, was eine globale Zusammenarbeit erleichtert. Gleichzeitig verbessert die Cloud die SoftwarePerformance, indem Anwendungen näher an den Endanwendern bereitgestellt werden und sich Latenzzeiten reduzieren.

Der entscheidendste Punkt von allen aber ist: Die Zukunft der KI liegt in der Cloud.

KI braucht eine CloudBasis

CloudInfrastruktur‑ macht KI nicht einfach nur möglich – sie ist als Fundament für die KI‑Transformation eines Unternehmens unverzichtbar. Ohne dieses Fundament lässt sich EnterpriseKI‑ nicht realisieren. Denn: KI erfordert Zugriff auf große, harmonisierte und konsolidierte Datenbestände. Diesen Umfang mit On‑Premise‑Systemen bereitstellen zu wollen, gleicht dem Versuch, einen Formel‑1‑Rennwagen mit einer Dampfmaschine anzutreiben.

CloudUmgebungen eignen sich ideal, um Geschäftsdaten aus bestehenden Technologiestacks zu konsolidieren, zu harmonisieren und zu bereinigen. Darüber hinaus können Unternehmen so Best Practices und einen soliden Steuerungsrahmen in ihre KI-Modelle einpflegen. Auf diesem Weg wird der KI-Einsatz sicher, skalierbar und erfolgreich – auch in stark regulierten Branchen wie Chemie und Life Sciences.

Unternehmen, die sich der CloudMigration weiterhin verweigern, werden schon bald feststellen, dass sie KIFähigkeiten nicht effektiv nutzen – geschweige denn skalieren – können. Damit versperren sie sich selbst den Zugang zu künftigen Wettbewerbsvorteilen. Eine Studie von BearingPoint aus dem Jahr 20252, für die wir mehr als 1.000 Manager:innen der obersten Führungsebene rund um den Globus befragt haben, zeigt deutlich, dass dies vor allem auf Chemie und LifeSciencesUnternehmen zutrifft.

Zwar haben viele Unternehmen KIPilotprojekte in Forschung und Entwicklung, Produktion, Supply Chain, Vertrieb und Qualitätskontrolle gestartet. Ohne die notwendige CloudBasis ist es jedoch kaum gelungen, diese in den operativen Regelbetrieb zu überführen. Tatsächlich haben bislang nur 4 % der Unternehmen in diesen Branchen ihre KIInitiativen vollständig skaliert. Die überwältigende Mehrheit verbleibt auf einem teilweisen oder stark begrenzten Skalierungsniveau. Die Hauptursache: unzureichende Datenqualität und mangelnde Datenverfügbarkeit. Eine separate BearingPointStudie zeigt, dass nahezu zwei Drittel der befragten Unternehmen dies als größtes Hindernis für eine erfolgreiche KITransformation nennen – 63%3 der Chemieunternehmen und 65 % der LifeSciencesUnternehmen bewerten diesen Faktor als den zentralen Blocker.

Künstliche Intelligenz benötigt umfassende, konsolidierte und qualitativ hochwertige Daten, um die Prognosemodelle und Erkenntnisse zu liefern, die echten transformativen Geschäftswert schaffen. Die CloudInfrastruktur bildet dafür die notwendige Grundlage. Wenn Unternehmen in die „KIRakete“ investieren wollen, müssen sie auch sicherstellen, dass sie sie mit dem richtigen Treibstoff versorgen können.

Ohne Cloud keine KI. Ohne KI keine zukunftsfähige Organisation.

Wenn Chemie und LifeSciencesUnternehmen in hochkompetitiven globalen Märkten überleben – und vor allem wachsen – wollen, müssen sie ihre Arbeitsweise grundlegend verändern. Insbesondere europäische Unternehmen kommen nicht umhin, ihr operatives Modell neu auszutarieren – anders werden sie es nicht schaffen, die hohen Energie, Arbeits und Produktionskosten auszugleichen, die gegenüber Wettbewerbern aus anderen Regionen für erhebliche Nachteile sorgen.

Künstliche Intelligenz kann hier entscheidende Einblicke und Produktivitätsgewinne liefern.

Einige Beispiele:

  • In allen Kernfunktionen lassen sich geringwertige, fehleranfällige oder manuelle Prozesse identifizieren und automatisieren – vom Kund:innen-Service über Auftragsabwicklung und Bestandsmanagement bis zum Finanzwesen. So kann KI etwa Bestellanforderungen und Aufträge erstellen, korrigieren und validieren, sodass Teams mehr Kapazitäten für höherwertige Tätigkeiten haben.
  • KI kann helfen, große Betriebsdatensätze zu analysieren, um Prozessengpässe zu erkennen und zu beheben – etwa fehlerhafte Auftragssperren, Überbestände oder schwache Lieferantenperformance.
  • Eine geeignete CloudPlattform versetzt KIAnalysen in die Lage, historische und EchtzeitBetriebsdaten gemeinsam mit sich verändernden Marktdynamiken zu verarbeiten. Dadurch können Unternehmen adaptive Strategien entwickeln, die proaktiv auf neue kommerzielle Rahmenbedingungen reagieren.
  • Moderne KI kann zudem jahrzehntealte Forschung neu beleben, die zum Zeitpunkt ihrer Entstehung nicht über das notwendige Wissen oder die technologischen Möglichkeiten verfügte. Durch die Digitalisierung archivierter Formeln und den Einsatz heutiger Analysemethoden lassen sich zuvor aufgegebene Experimente potenziell in tragfähige neue Produkte und Lösungen überführen.

Um diese Vorteile aus der KITransformation realisieren zu können, ist der Aufbau einer soliden CloudInfrastruktur unerlässlich. Ohne sie gelingt es den meisten KIInitiativen nicht, über die Pilotphase hinauszukommen. Statt nachhaltigen Mehrwert zu schaffen, binden sie Kapital, ohne produktiv wirksam zu werden.

Die Gleichung ist sehr klar: Unternehmen, die wettbewerbsfähig bleiben wollen, brauchen KI. Und damit KI skalierbare Ergebnisse liefern kann, braucht sie Cloud-basierte Datenökosysteme. Vor diesem Hintergrund ist eine solide CloudInfrastruktur kein Nice-to-have – sondern der entscheidende Schlüssel zu einer erfolgreichen Zukunft.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den ersten Schritt in Richtung einer KIgestützten‑ Zukunft zu gehen. Dafür braucht es eine kohärente End‑to‑End‑CloudTransformationsstrategie‑ für alle zentralen Systeme und Prozesse. Ein Festhalten am technologischen Status quo ist keine tragfähige Option mehr.

References

  1. Cloud Adoption Statistics 2026: Growth, Migration Drivers, ROI, SQ Magazine
  2. BearingPoint research from Chemicals and life sciences sectors in Europe, USA and China, conducted through online interviews in august 2025.
  3. BearingPoint research across 150 C-suite executives Chemicals and life sciences, across Europe, USA and China, conducted through online interviews in august 2025.

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