Schluss mit dem alten Schwarz-weiß-Denken: IT ist längst keine reine Unterstützungsfunktion mehr, sondern das Herzstück des ganzen Geschäfts.

Eine Vielzahl neuer FinTechs drängt auf den Markt und verschärft den Wettbewerb, die Rechtsvorschriften sind weiterhin komplex und das Vertrauen von Verbraucher:innen und jenes in die Regierungen schwankt: Nie standen Banken so unter Druck wie heute. Max Sembach, Partner, Banking and Capital Markets, erklärt, welche Fragen Banken nun für sich klären sollten, um ihren Erfolg auch künftig zu sichern.

Frage 1: Betrachten wir Technologie schon als Teil des Geschäfts mit den Kund:innen?

Jetzt kommt es darauf an, neue Technologien in Systeme und Prozesse zu integrieren – und zwar durch die gesamte Organisation hindurch. Viele Banken haben sich zuletzt sehr intensiv damit beschäftigt, Prozesse zu migrieren, Abläufe zu verbessern und Systeme umzugestalten: All das ist wichtig, um die Margen zu erhöhen. Oft vergaßen sie dabei allerdings die wichtigsten Stakeholder, von denen die Erträge letztendlich stammen: ihre Kund:innen.

Frage 2: Sind wir bereit, unsere Technologie-Plattformen komplett neu aufzusetzen?

Diese Frage zielt auf die wohl die schwierigste Hürde, die es zu überwinden gilt. In vielen Geschäftsbereichen ist es oft einfacher, auf der vielzitierten grünen Wiese ganz neu anzufangen, als einen bestehenden Betrieb umzurüsten. Das gilt im heutigen Bankensektor noch mehr als in jedem anderen Bereich: Eine wahre Fülle von neuen, technologiegestützten Online- und App-Banken macht den traditionellen Finanzinstituten den Markt streitig – vor allem bei der Generation Z und bei Start-ups –, und die Markt-Eintrittsbarrieren für diese neuen Akteure zerfallen zusehends.

Für Banken liegt die Herausforderung oft darin, mit den Extremen innerhalb ihrer Kundenstruktur umzugehen. Die ältere, weniger technikaffine, aber immer noch profitable Zielgruppe soll ebenso zu ihrem Recht kommen wie die Kund:innen aus der Generation Z oder aufstrebende Start-ups: Für sie sind Schnelligkeit, Effizienz, Benutzungsfreundlichkeit sowie permanente Verfügbarkeit wichtiger als die Möglichkeit, mit ihrer Bank zu sprechen. Es ist nicht leicht, alle diese Kundentypen gleichermaßen zu bedienen – mit bloßer Nachrüstung kommt man da nicht weit genug. Was jetzt gefragt ist, sind neue, smarte Denkweisen.

Frage 3: Lassen wir uns darauf ein, die Kultur unserer Bank zu verändern?

Ein solcher Wandel lässt sich nur vollziehen, wenn IT-Abteilung, operatives Geschäft und die Mitarbeiter:innen mit Kundenkontakt eng zusammenarbeiten. Soft Skills wie emotionale Intelligenz und Vielfalt im Denken sind dabei unverzichtbar – fehlen diese Fähigkeiten, müssen sie trainiert oder neu erworben werden. Mehr als alles andere gilt es, Silos aufzubrechen und zu einer radikalen Veränderung der Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiter:innen aus dem Kern-Bankgeschäft sowie den operativen und den technischen Bereichen zu kommen: Sie alle müssen sich als Teil desselben Teams verstehen. Die Kompetenzen und Beiträge jedes und jeder Einzelnen sind dafür wichtig – Wertschätzung ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger Erfolgsfaktor.

Frage 4: Können wir das allein schaffen?

Auch wenn FinTechs in letzter Zeit viel Anerkennung erhalten haben: Sie verfügen in aller Regel nicht über das regulatorische Wissen, die strengen Prozesse zur Einhaltung der Risikovorschriften, das kritische Denken und die Erfahrung mit einer Vielzahl von Kundentypen – all das braucht man, um eine Banklizenz zu erhalten. Auf der anderen Seite sind traditionelle Banken meist nicht in der Lage, höher entwickelte technologische Plattformen aufzubauen, die (nur online) blitzschnelle Transaktionen ermöglichen – und damit die Wünsche so vieler junger Kund:innen und Start-up-Gründer:innen zu erfüllen. Die COOs müssen ehrlicher mit den Defiziten im eigenen Haus umgehen: Eine Struktur aufzubauen, die im 21. Jahrhundert bestehen kann, ist heute ebenso essenziell wie die Bildung strategischer Partnerschaften mit Fintech-Unternehmen.

Frage 5: Haben wir eine konkrete Strategie für den Wandel?

Aus unserer Sicht sind sinnvoll zusammengestellte Teams entscheidend für den Erfolg: Vor allem geht es darum sicherzustellen, dass die richtigen Personen im Team sind, um die digitale Transformation zu leiten – so sollte etwa der oder die ranghöchste IT-Manager:in im Vorstand sitzen. Das alte Schwarz-weiß-Denken von IT als reiner Backoffice-Funktion gehört der Vergangenheit an: Heute muss IT im Zentrum aller Aktivitäten einer Bank stehen.

Wünschen Sie weitere Informationen?

Wenn Sie mehr über diese Publikation erfahren möchten, wenden Sie sich bitte an unsere Expert:innen, die gerne von Ihnen hören.