Europas Banken sind so stabil wie lange nicht – der nächste Wettbewerb entscheidet sich bei Effizienz, Daten und KI. Österreichische Institute erreichen 2025 eine Cost-Income-Ratio von 55,5 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von 7,3 Prozent.


Wien, 03. September 2026 – Europas Banken haben ihre Stabilität in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Für die nächste Phase wird jedoch entscheidend, wie gut Institute ihre solide Ausgangslage in dauerhaft höhere Produktivität und Profitabilität übersetzen können. Das zeigt die neue BearingPoint Bankenstudie 2026, die die Entwicklung europäischer Banken von 2013 bis 2025 untersucht und mögliche Entwicklungspfade bis 2030 analysiert. Einen entscheidenden Hebel sieht die Studie künftig im gezielten Einsatz von Künstlicher Intelligenz in den Kernprozessen der Banken.

Für Österreich zeigt sich dabei ein gemischtes Bild. Die österreichischen Institute kommen 2025 auf eine Cost-Income-Ratio (CIR) von 55,5 Prozent und eine Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) von 7,3 Prozent. Damit liegen sie hinter den deutschen Banken, die im selben Jahr eine CIR von 54,8 Prozent und einen RoE von 8,6 Prozent erreichen.

Auch gegenüber dem europäischen Gesamtbild bleibt bei der Profitabilität Abstand. Die durchschnittliche Eigenkapitalrendite europäischer Banken liegt 2025 bei 10,4 Prozent, die durchschnittliche Cost-Income-Ratio bei 52,7 Prozent. Seit 2014 hat sich die europäische CIR damit von rund 66,8 Prozent um etwa 14 Prozentpunkte verbessert. Ein erheblicher Teil dieses Rückgangs geht allerdings auf die höheren Erträge infolge der Zinswende zurück.

DACH-Banken holen auf – struktureller Effizienznachteil bleibt

Auf DACH-Ebene zeigt die Studie eine ähnliche Entwicklung. Deutschland, Österreich und die Schweiz verfügen über solide kapitalisierte Bankenmärkte, sind zugleich jedoch von starker Fragmentierung, intensivem Wettbewerb und einer vergleichsweise geringeren Digitalisierungs- und Skalierungswirkung geprägt. Über den gesamten Betrachtungszeitraum liegt die durchschnittliche Cost-Income-Ratio der DACH-Banken bei rund 63,5 Prozent, gegenüber 61,1 Prozent im europäischen Durchschnitt. Bis 2025 verringert sich der Abstand deutlich: Die DACH-CIR sinkt auf 56,5 Prozent, der RoE steigt auf 8,7 Prozent.

Der Vergleich mit anderen europäischen Märkten zeigt, dass eine solide Kapitalausstattung künftig immer weniger zur Differenzierung beiträgt. Besonders die nordischen Banken verbinden hohe Effizienz mit überdurchschnittlicher Profitabilität und niedriger Risikobelastung. Ihre durchschnittliche CIR liegt über den Betrachtungszeitraum bei rund 47,7 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei rund 11,7 Prozent. Die Studie führt diese Entwicklung unter anderem auf konsolidierte Marktstrukturen, eine schlankere Kostenarchitektur und den hohen Digitalisierungsgrad zurück.

Europas Banken stabiler – Gewinne bleiben stark vom Zinsumfeld abhängig

Insgesamt hat sich die Widerstandsfähigkeit des europäischen Bankensektors seit 2013 deutlich erhöht. Die harte Kernkapitalquote CET1 stieg im Durchschnitt von 15,7 Prozent im Jahr 2013 auf rund 20 Prozent 2025. Gleichzeitig liegt die Liquidity Coverage Ratio zuletzt bei rund 246 Prozent und damit deutlich über der regulatorischen Mindestanforderung von 100 Prozent. Die durchschnittliche Quote notleidender Kredite sank bis 2025 auf rund 1 Prozent.

Die höhere Profitabilität der vergangenen Jahre ist laut Studie weiterhin stark vom Zinszyklus geprägt. Der durchschnittliche RoE europäischer Banken fiel 2020 auf 4,1 Prozent und stieg mit der Zinswende wieder auf 10,4 Prozent im Jahr 2025. Parallel erhöhte sich der Anteil des Zinsergebnisses am Gesamtertrag von 40,7 Prozent im Jahr 2019 auf 55 Prozent 2025. Eine deutliche Diversifikation der Ertragsquellen ist damit bislang ausgeblieben.

KI wird zum nächsten Performancehebel

Für die kommenden Jahre sieht BearingPoint einen Übergang von einer vor allem zinsgetriebenen Ergebnisverbesserung hin zu einer stärker strukturellen Wettbewerbsphase. Im Basisszenario, dem die Studie eine Wahrscheinlichkeit von 55 Prozent gibt, normalisiert sich der europäische Bankenmarkt bei moderatem Wachstum und einem stabilisierten Zinsniveau. Erwartet wird ein RoE-Korridor von 8 bis 10,5 Prozent. Das positive Szenario mit einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 25 Prozent unterstellt eine beschleunigte technologische Transformation und eine breite Skalierung von KI und Prozessautomatisierung.

Christian Knedelstorfer, Parnter bei BearingPoint Österreich

Österreichische Banken verfügen über eine solide Ausgangsbasis, liegen bei Profitabilität und Effizienz jedoch weiterhin hinter den europäischen Spitzenreitern. Die nächste Leistungssteigerung wird nicht durch weitere Kostensenkungsprogramme erreicht, sondern durch die erfolgreiche Skalierung von KI. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist dabei nicht die Technologie allein, sondern die Fähigkeit, KI in der gesamten Organisation und bei den Mitarbeitern zu verankern. Wer Prozesse, Daten und KI gezielt zusammendenkt, kann Kosten reduzieren, Risiken besser steuern und gleichzeitig das Kundenerlebnis verbessern

Christian Knedelstorfer, Parnter bei BearingPoint Österreich

Die Studie legt dabei einen klaren Fokus auf zentrale Wertschöpfungsketten. Dazu zählen unter anderem Onboarding, KYC, Kreditprozesse, Zahlungsverkehr, Fraud Management, Compliance, Risikosteuerung und Kundenservice. Maßstab für den Erfolg von KI ist ihr Beitrag zu Durchlaufzeit, Qualität, Standardisierung, Risikoreduktion und Produktivität.

Voraussetzung dafür sind belastbare Datengrundlagen. Datenqualität, eindeutige Verantwortlichkeiten, nachvollziehbare Datenherkunft, Zugriffskontrolle und fachlicher Kontext werden laut BearingPoint zu einem wesentlichen Bestandteil der Steuerungsinfrastruktur. Fragmentierte Datenhaushalte und uneinheitliche Prozesslogiken begrenzen dagegen den Nutzen selbst leistungsfähiger Modelle.

Gerade in regulierten Prozessen bleibt zudem der Mensch ein zentraler Bestandteil. Am Beispiel von KYC zeigt die Studie, wie KI Kundendaten vorprüfen, fehlende Unterlagen erkennen, Screening-Ergebnisse zusammenführen oder Entscheidungsvorlagen vorbereiten kann. Kritische Bewertungen, Hochrisikofälle und finale Freigaben bleiben beim Menschen.

Drei Szenarien bis 2030

Für den europäischen Bankenmarkt entwickelt BearingPoint drei Szenarien bis 2030: Mit 55 Prozent Wahrscheinlichkeit geht die Studie von einer stabilen Normalisierung aus, ein struktureller Performance-Schub erhält 25 Prozent, ein Rezessions- und Stressszenario 20 Prozent. Über alle drei Szenarien hinweg bleibt die zentrale Frage dieselbe: ob es den Banken gelingt, ihre heute deutlich höhere Stabilität in eine weniger zyklische und dauerhaft tragfähige Performance zu überführen.

Die Studie kommt damit zu einem klaren Schluss: Europas Banken haben Stabilität zurückgewonnen. Künftig entscheidet stärker, wie produktiv sie arbeiten, wie verlässlich ihre Datenbasis ist und wie konsequent sie KI in ihre Geschäfts- und Betriebsmodelle integrieren. Führende Institute werden sich zunehmend über ihre Fähigkeit differenzieren, KI sicher und skalierbar in messbare Geschäftsergebnisse zu übersetzen.

Über die Studie

Die BearingPoint Bankenstudie 2026 basiert auf veröffentlichten Geschäftsberichten und Pillar-3-Offenlegungsberichten europäischer Banken im Zeitraum 2013 bis 2025. Für das Berichtsjahr 2025 umfasst die aktuelle Stichprobe 168 Institute, über den gesamten Betrachtungszeitraum fließen 216 Banken in die Analyse ein. Davon sind 105 Institute der DACH-Region Deutschland, Österreich und Schweiz zugeordnet. Untersucht werden unter anderem Kapitalisierung, Liquidität, Risiko, Effizienz und Profitabilität. 

Über BearingPoint 

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Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit führenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt Kunden in über 70 Ländern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen für einen messbaren und langfristigen Geschäftserfolg.

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