Neue BearingPoint-Studie: Hohe Erwartungen an die digitale Transformation treffen auf geringe digitale Reife, fragmentierte Daten und begrenzte Umsetzungskapazitäten. Auch für Österreich wird die Fähigkeit, digitale Technologien sicher und wirksam in bestehende Strukturen zu integrieren, zunehmend zum strategischen Erfolgsfaktor. 


Wien, 12. August 2026 – Der europäische Verteidigungssektor tritt in eine neue Phase tiefgreifender Transformation ein. Steigende geopolitische Spannungen, neue Sicherheitsanforderungen und der Druck zur schnellen Skalierung industrieller Kapazitäten führen dazu, dass Verteidigungsorganisationen ihre Ansätze in Entwicklung, Produktion, Instandhaltung und Betrieb grundlegend überdenken. Auf der MSC 2026 wurde deutlich, dass eine neue Ära beschleunigter Beschaffungsprozesse, KI-gestützter Fähigkeiten und einer engeren Zusammenarbeit zwischen Industrie und Regierungen begonnen hat. Die neue BearingPoint-Studie „Digitale Exzellenz für Europas Verteidigung“ zeigt, dass digitale Technologien dabei zu einem zentralen Enabler für Resilienz, Einsatzbereitschaft und technologische Souveränität werden. Gleichzeitig offenbart die Studie jedoch eine erhebliche Umsetzungslücke zwischen Anspruch und Realität.

Auch für Österreich gewinnt diese Entwicklung an Bedeutung. Die Österreichische Sicherheitsstrategie sieht vor, die Resilienz sowie die technologische und digitale Souveränität Österreichs national und im europäischen Rahmen zu stärken. Im Rahmen des langfristigen Aufbau- und Modernisierungsplans „Österreichisches Bundesheer 2032+“ sollen deshalb insbesondere digitale Führungs-, Kommunikations- und Cyberfähigkeiten weiterentwickelt und besser vernetzt werden.

Während 60 bis 70 Prozent der europäischen Führungskräfte aus der Luft- und Raumfahrt sowie der Verteidigungsindustrie bis 2028 einen hohen oder sehr hohen Einfluss der digitalen Transformation erwarten, geben lediglich 20 bis 30 Prozent an, bereits einen fortgeschrittenen digitalen Reifegrad erreicht zu haben. Auch im öffentlichen Verteidigungssektor sind die Ambitionen hoch: Die größten Digitalisierungspotenziale werden in den Bereichen Training & Simulation mit 34 Prozent sowie Einsatzbereitschaft mit 32 Prozent gesehen. Gleichzeitig bleiben digitale Reifegrade in Bereichen wie Beschaffung und Transparenz im Lieferantenökosystem weiterhin begrenzt.

Manuel Schuler

Um Resilienz zu stärken und technologische Souveränität zu sichern, müssen Verteidigungsorganisationen die digitale Transformation entlang der gesamten Wertschöpfungskette beschleunigen – von Entwicklung und Fertigung bis hin zu Instandhaltung und Logistik. Dabei müssen sie über isolierte Digitalinitiativen hinausgehen und einen integrierten Transformationsansatz verfolgen. Durch vernetzte Daten und digital eingebettete Kernprozesse können sie Effizienz, Resilienz und Entscheidungsqualität erheblich steigern.

Manuel Schuler, Globaler Leiter Automotive, Manufacturing & Defense bei BearingPoint

Verteidigungsindustrie sieht großes Potenzial, kämpft aber mit den Grundlagen der Digitalisierung

Besonders deutlich zeigt sich die Umsetzungslücke beim technologischen Fundament. In der europäischen Luft- und Raumfahrt- sowie Verteidigungsindustrie verfügen lediglich rund acht Prozent der befragten Organisationen über eine vollständig integrierte intelligente Datenarchitektur. Auch bei datengetriebenen Innovationen weisen nur rund acht bis elf Prozent einen fortgeschrittenen Reifegrad auf. Damit bleiben wesentliche Voraussetzungen für den flächendeckenden Einsatz digitaler Technologien vielerorts noch im Aufbau.

Die größten Hindernisse liegen dabei weniger in der Verfügbarkeit der Technologien als in der Umsetzungskapazität der Organisationen. Jeweils 26 Prozent der europäischen Unternehmen nennen Fachkräftemangel und Budgetrestriktionen als wesentliche Transformationshemmnisse. Hinzu kommen eine hohe Belastung interner Ressourcen und eine begrenzte Zusammenarbeit mit Lieferanten und Partnern.

Die Investitionsprioritäten der kommenden Jahre spiegeln diese Ausgangslage wider. Der Fokus verschiebt sich zunehmend in Richtung prädiktiver Analytik, durch Künstliche Intelligenz unterstützter Entscheidungsfindung und digitaler Zwillinge. Rund 21 Prozent der Unternehmen nennen intelligente, datenbasierte Entscheidungsunterstützung als eine ihrer wichtigsten Prioritäten für die weitere Skalierung. Gleichzeitig erschweren fragmentierte Standards und bislang begrenzte Investitionen in gemeinsame Datenplattformen den unternehmensweiten Einsatz dieser Technologien.

Für Österreich treffen diese Ergebnisse auf eine Phase verstärkter Investitionen in die eigenen Verteidigungsfähigkeiten. Das österreichische Verteidigungsbudget steigt 2026 auf rund 4,76 Milliarden Euro. Im Rahmen der langfristigen Modernisierung des Österreichischen Bundesheeres sind neben der Erneuerung von Ausrüstung und Infrastruktur ausdrücklich auch Investitionen in die Digitalisierung vorgesehen.

Steinbauer

Die entscheidende Frage ist heute nicht mehr, ob digitale Technologien und Künstliche Intelligenz für moderne Verteidigungsfähigkeit relevant sind, sondern ob die organisatorischen und technologischen Voraussetzungen für ihren wirksamen Einsatz vorhanden sind. Gerade für Österreich kommt es darauf an, Investitionen in neue Fähigkeiten mit einer belastbaren Datenbasis, vernetzten Prozessen und resilienten digitalen Infrastrukturen zu verbinden.

Jörg Steinbauer, Partner bei BearingPoint

Datensilos und Cyberresilienz prägen die Herausforderungen im öffentlichen Verteidigungssektor

Auch im öffentlichen Verteidigungssektor zeigt sich auf europäischer Ebene, dass digitale Transformation vor allem an grundlegenden strukturellen Voraussetzungen gebremst wird. Starre Budgets werden von 34 Prozent der befragten Organisationen als größte Hürde genannt, gefolgt von fragmentierten Datensilos mit 32 Prozent und unklaren Digitalstrategien mit 28 Prozent. Gleichzeitig nennen lediglich rund zwei Prozent bereichsübergreifende Datenplattformen als prioritäres Investitionsfeld. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Vernetzung bestehender Datenbestände vielfach noch hinter ihrer strategischen Bedeutung zurückbleibt.

Parallel dazu entwickelt sich Cyberresilienz zunehmend zur Voraussetzung digitaler Souveränität. Der operative Einsatz Künstlicher Intelligenz im öffentlichen Verteidigungssektor befindet sich bislang noch in einem frühen Stadium: Weniger als zehn Prozent der befragten Organisationen verfügen über durch Künstliche Intelligenz unterstützte Entscheidungsfähigkeiten, bei lediglich rund vier Prozent ist Künstliche Intelligenz bereits in operative Funktionen eingebettet. Mit zunehmender Abhängigkeit von Cloud-Technologien, datengetriebenen Anwendungen und digital vernetzten Systemen gewinnen deshalb der Schutz sensibler Daten, sichere digitale Infrastrukturen und Cyberresilienz weiter an Bedeutung.

Reinhard Geigenfeind

In einem zunehmend unsicheren geopolitischen Umfeld wird die digitale Transformation zu einer tragenden Säule der europäischen Verteidigungsresilienz. Die Schließung der Umsetzungslücke erfordert eine koordinierte Transformation im gesamten Ökosystem – Industrie und Regierung gemeinsam.

Reinhard Geigenfeind, Globaler Leiter Public & Health Services bei BearingPoint

Über die Studie 

Die Studie „Digitale Exzellenz für Europas Verteidigung“ untersucht, wie digitale Technologien das europäische Verteidigungsökosystem verändern und welche Chancen sowie Herausforderungen sich bei der Beschleunigung der digitalen Transformation ergeben.

Grundlage der Analyse ist eine Befragung von insgesamt 151 Führungskräften, davon 101 aus der Luft‑ und Raumfahrt sowie der Verteidigungsindustrie und 50 aus öffentlichen Verteidigungsorganisationen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer stammen aus Deutschland, Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Italien, Schweden und Finnland und verantworten in ihren Organisationen Bereiche wie digitale Transformation, Technologie, Betrieb und Strategie. Ergänzt wurde die Datenerhebung durch Experteneinschätzungen sowie durch die Projekterfahrung von BearingPoint in europäischen Verteidigungs- und Industrieumfeldern.

Über BearingPoint 

BearingPoint ist eine unabhängige Management- und Technologieberatung mit europäischen Wurzeln und globaler Reichweite, die Unternehmen mithilfe moderner Technologien transformiert. Wir unterstützen Unternehmen bei der Transformation, indem wir fundiertes Branchenwissen mit starken Kompetenzen in Strategie, Geschäftsprozessen, Technologie und KI kombinieren. Unsere Beraterteams arbeiten dabei in unterschiedlichsten Industrien – immer nah am Kunden. Spezialisierte SAP- und Microsoft-Einheiten, ein starker Fokus auf KI sowie ergebnisorientierte Softwarelösungen ermöglichen maßgeschneiderte, innovative Lösungen für die Herausforderungen unserer Kunden.

Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit führenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt Kunden in über 70 Ländern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen für einen messbaren und langfristigen Geschäftserfolg.

BearingPoint gehört zu den TIME World’s Best Companies und den Forbes World’s Best Employers. Das Unternehmen ist zudem eine zertifizierte B Corporation, die hohe soziale und ökologische Standards erfüllt.

Weitere Informationen: 

Pressekontakt

Victoria Weig
Marketing & PR
Telephone: +43 1 380 1209

victoria.weig@bearingpoint.com

  • Victoria Weig
Industrial Manufacturing

Eine neue digitale Ära für die Fertigungsindustrie

Unsere Berater:innen im Bereich Industrial Manufacturing unterstützen Unternehmen bei ihrer Geschäftstransformation und Weiterentwicklung. Erfahren Sie mehr in unseren Insights oder treten Sie mit unseren Expert:innen in Kontakt.