Die Änderungen des regulatorischen Rahmenwerks für Finanzinstitute, oft subsummiert unter dem Begriff „Basel IV“ haben das Potenzial die Finanzmarktüberwachung grundlegend zu ändern. Eine Untersuchung der Auswirkungen sollte eine Priorität für jede Bank darstellen.

Die letzten 15 Jahre haben gezeigt, dass die Regulierungsbehörden kontinuierlich auf der Suche nach einer neuen Form der Überwachung des Finanzsystems sind. Es stellt sich die Frage nach dem Ziel, das die Aufsicht verfolgt – was sind die Beweggründe immer wieder neue Regularien zu entwickeln?

Einen interessanten Aspekt diesbezüglich stellt die Entwicklung der internen Modelle dar, die die Frage aufwirft, ob diese überhaupt noch von der Aufsicht gewollt werden. Die Reformen von Basel II gaben den Instituten die Möglichkeit in verschiedenen Risikobereichen interne Modelle einzuführen, die dann sowohl in der internen als auch in der aufsichtsrechtlichen Risikomessung angewendet werden konnten.  Ausgestattet mit diesen Instrumenten, konnten die Banken ein hohes Niveau von Risikosensitivität abbilden. Banken, welche die Kosten der Implementierung neuer Regelungen möglichst begrenzen wollten, standen Standardansätze zur Verfügung, die zwar weniger risikosensitiv waren, aber dafür relativ einfach in der Umsetzung. Für kleinere Institute waren diese generell besser geeignet. 

Die Finanzmarktkrise zeigte den Regulierungsbehörden, dass nicht alle Risiken mit dem bestehenden Paket an Auflagen korrekt gemessen werden können, was letztlich zu der Einführung von Basel III geführt hat. Wenige Änderungen betrafen die bereits bekannten Methoden zur Messung von Kredit-, Kontrahenten- oder operationellen Risiken. 

2012 und 2013 wurden dann die ersten Entwürfe für neue Regelungen, wie das FRTB-Rahmenwerk oder ein Konsultationspapier zu der neuen Kontrahentenrisikomethode (SA-CCR) vorgelegt. In beiden Fällen wurden neue Standardansätze vorgestellt. Die darauffolgenden Veröffentlichungen des Baseler Komitees sowie ein Entwurf der neuen Kapitaladäquanzrichtlinie und -regulierung (CRD V / CRR II) bestätigen einen neuen Trend zu Standardansätzen. Weiterhin wird einerseits das interne Modell für operationelle Risiken abgeschafft (AMA), andererseits werden vorhandene Standardansätze überarbeitet (KSA) und eine Einführung eines allgemeinen Output Floors angekündigt. Dieser Floor wird zukünftig die Auswirkungen der Risikomessung basierend auf internen Modellen einschränken, um die Ergebnisse dieser Modelle auf mindestens 75% der entsprechenden Standardansätze herauf zu stufen. Ein risikosensitiveres internes Modell wird dadurch bewusst durch die Aufsicht selbst beschränkt. Das heißt: Zum einen wird jede Bank die neuen Standardansätze einführen müssen, auch wenn sie bereits vorhandene interne Modelle verwendet und zum anderen werden die eventuellen Vorteile für die Berechnung des aufsichtsrechtlichen Kapitals durch den Floor beschränkt. 

Inwiefern die Vorteile der internen Modelle im individuellen Fall die hohen Implementierungskosten rechtfertigen, kann durch eine Gesamtanalyse gezeigt werden. Auf der anderen Seite muss geprüft werden, ob ein Institut überhaupt ihr internes Modell abschaffen kann oder weiterhin von der Aufsicht verpflichtet wird, interne Modelle zu betreiben.
Die genannten Aspekte zeigen aber einen interessanten Paradigmenwechsel unter den Regulatoren. Wohin wird dieser führen? 

  • Werden weitere interne Modelle abgeschafft (wie AMA bei OpRisk)? 
  • Ist der nächste Schritt, nach der flächendeckenden Einführung von standardisierten Ansätzen für die meisten Risikoarten, eine Einführung der granularen Datenlieferung an die Aufsicht?

Für Banken wird es in der Zukunft viele Fragen zu beantworten geben. Es lässt sich daher nicht so einfach sagen, ob Basel IV ein Game Changer für einzelne Banken ist oder wir sogar eine völlig neue Form der Regulierung sehen werden. Viele Elemente der entworfenen neuen Regularien widersprechen sich im Geist und Wirkung, trotzdem müssen sie einzeln bewertet werden, um die Auswirkungen einschätzen und entsprechende Maßnahmen einleiten zu können. Ohne Zweifel stellt sich damit für Banken die Herausforderung, wie und mit wem sie Basel IV in Angriff nehmen.

BearingPoint hat mit seinem Toolset bereits mehrere Banken bei den Auswirkungsanalysen von Basel IV-Änderungen unterstützt. Wir bieten Ihnen flexible Rechenkerne zur Berechnung vom neuen Standardansatz für das Kreditrisiko (SA-CR), dem neuen Standardansatz für das Kontrahentenrisiko (SA-CCR). Eine Antwort auf die Frage, wie steuere ich die Bank der Zukunft und wie positioniere ich dabei meine Meldeweseneinheit, adressiert unser innovatives Regulatory KPI-Steuerungstool. Es basiert auf einem umfassenden Kennzahlenmodell, welches die regulatorischen und ökonomischen Kennzahlen anhand der Einflussfaktoren miteinander verbindet. Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen Simulationen und Analysen geschäftspolitischer Entscheidungen durchzuführen und den Einfluss auf sämtliche für die Bank relevanten Kennzahlen zu untersuchen. 

BearingPoint´s Risk & Regulatory Reporting Team baut auf einer langjährigen Kompetenz seiner Mitglieder auf. Unsere Experten haben rund 200 Banken bei verschiedenen Fragestellungen rund um das Thema Regulatorik in den letzten 20 Jahren betreut. Gemeinsam mit unseren Kunden haben wir neue Regulierungen umgesetzt und die Banken zukunftsfähig gemacht. Lassen Sie uns gemeinsam über die für Ihr Institut geeignete Antwort diskutieren. 

Wenn Sie mehr Informationen zu diesem Thema wünschen, wenden Sie sich bitte an unsere Experten, die gern von Ihnen hören.

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