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Regulatorische Rahmenbedingungen und Werte haben seit der Finanzkrise zunehmend an Bedeutung gewonnen. Es wurde massiv in die Regulierung der Finanzmärkte investiert, in der Regel jedoch ohne sichtbaren Mehrwert. Sollten Finanzmärkte also nicht reguliert werden? Meiner Meinung nach doch. Maßnahmen, die das Risiko erneuter Schwierigkeiten in den globalen Finanzmärkten reduzieren, haben fundamentale soziale Vorteile und angemessene Regulierungsvorschriften sind unverzichtbar, insbesondere aus wirtschaftlicher Sicht.

Die größte Herausforderung besteht darin, den richtigen Regulierungsgrad sowie den effektivsten Weg für Unternehmen für die Implementierungen der Regulierungen zu finden. Die erhöhte Komplexität von regulatorischen Auflagen, die Vielfalt von Werkzeugen und Produkten, neuen Geschäftsmodellen und Akteuren sowie die zunehmende Digitalisierung komplizieren die Situation weiter. Aus meiner Sicht sind nicht nur einheitliche Regulierungen notwendig. Vor allem müssen vereinfachte Regeln beschlossen werden, die klare Richtlinien festlegen und schnell umzusetzen sind. Während die einen bereits Diskussionen zum Thema „Überregulierung” führen, sind andere vermutlich schon dabei Schlupflöcher zu suchen.

Mit dem Fortschritt mithalten

Ein wesentlicher Schritt, um mit dem Wandel Schritt zu halten und zu verhindern, dass Innovationen und Weiterentwicklungen ausgebremst werden, wäre die Verbesserung der regulatorischen Normungsprozesse. Hierfür müssen Aufsichtsbehörden den Finanzsektor und entsprechende Technologien verstehen, den Dialog mit verschiedenen Interessenvertretern suchen und die Auswirkungen von neuen Regulierungen rechtzeitig untersuchen und entsprechend anpassen. Ansonsten werden Gesetze beschlossen, die schon lange nicht mehr aktuell sind, wenn sie in Kraft treten. Potentielle Maßnahmen beinhalten die Vereinfachung und Kürzung des Legislaturprozesses im digitalen Bereich. Die rasche Entwicklung von Technologien wie Blockchain, welche neue Geschäftsmodelle mit sich bringen, stellen den Gesetzgeber vor neue Anforderungen. Es ist zwingend notwendig, ein allgemeines Verständnis dafür zu entwickeln, Wachstumsmärkte zu regulieren ohne die Anwendung neuer Technologien zu bremsen.

Neue Regulierungen und Geschäftsmodelle

Ein universeller Ansatz treibt viele Einrichtungen an ihre Grenzen und somit erklären sich die aufkeimenden Diskussionen, vor allem in Deutschland und England, zum Thema Entlastung kleinerer Banken. Insbesondere betreffend Kapitalbedarf müssen Regulierungsbehörden und Banken gleichermaßen alternative Modelle in Betracht ziehen. Dies ist besonders gut im Post-Trading-Sektor zu beobachten, wo Kosten für Regulierung und Technologiebeschaffung erheblich durch kollektive Dienstleistungserbringung reduziert werden können. Letztendlich gibt es positive Regulierungsbeispiele wie zum Beispiel die aufsichtsrechtlichen Meldestandards in Österreich: hier betreibt ein Dienstleistungsunternehmen eine gemeinsame Plattform für die Mehrheit der Banken, auf der die Berichterstattung abgewickelt wird. Die Banken haben die Sicherheit, dass auch zukünftige Anforderungen der Österreichischen Staatsbank erfüllt werden und dies zu einem bedeutend geringeren Preis, als sie es intern umsetzen könnten. Ich bin überzeugt, dass dieser Ansatz auch eine attraktive und sinnvolle Lösung für andere Märkte darstellt. Die Festlegung von sinnvollen Rahmenbedingungen, die den Zielen aller Betroffenen zu Gute kommen, bildet die Voraussetzung für diese Erfolgsgeschichte.

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