September 2022

Der europäische Bankenmarkt befindet sich im Aufschwung und die Transformationsprogramme für mehr Effizienz zeigen Wirkung. Zusätzlich werden Erfolge bei der Anpassung des Geschäftsmodells zur Reduktion der Abhängigkeit vom Zinsgeschäft zunehmend sichtbar.

Die CIR befindet sich auf niedrigstem Stand seit 2013, der RoE verzeichnet einen deutlichen Anstieg auf Vorkrisen-Niveau nach einem Tiefpunkt im Corona-Jahr und darüber hinaus hat sich auch das EBT mehr als verdoppelt.

Abbildung: Prozentuale Veränderung des EBT der europäischen Banken von 2020 auf 2021

Treiber der Entwicklung mit Hinblick auf die Kosten sind ein starker Rückgang der Risikovorsorge, da die befürchte Insolvenzwelle ausblieb, gleichzeitig zeigen Digitalisierungs- & Transformationsprogramme Erfolge, auch wenn Verwaltungskosten durch die Rückkehr von beispielsweise Veranstaltungen und Reisen wieder marginal ansteigen. Bei den Erträgen zeigt sich eine substanzielle Steigerung des Provisionsertrags und der Handelserträge durch die Durchsetzung von höheren Gebühren wie zum Beispiel im Zahlungsverkehr, bei der Kontoführung oder im Wertpapierhandel.

Beim Vergleich von Performern und Laggards (Performer mit einer CIR <55%) zeichnet sich ab, dass der Geschäftsbereich nicht massgeblicher Erfolgsfaktor einer Bank ist, sondern vielmehr eine effiziente Wertschöpfungskette bei klarer Fokussierung. Dies ist insbesondere daran erkennbar, dass Performer nach wie vor substanziell mehr in ihre IT investieren.

Die Erfolge der laufenden Transformationen kommen auch darin zum Ausdruck, dass der Aufwand den Banken noch betreiben müssen, um zum Performer (CIR <55%) zu werden sukzessive über die Jahre sinkt. Waren in 2020 lediglich 1/4 der Banken Performer, so sind es in 2021 bereits 1/3 aller Banken.

Bei der Detailbetrachtung des Geschäftsmodells zeigt sich, dass Spezialbanken durchschnittlich effizienter agieren - ein Vorsprung der sich über die Jahre durch Verschlankung der Strukturen und passgenaue Implementierungen von Lösungen für Verwaltung und IT weiter ausbaut. Gleichzeitig sind sie jedoch krisenanfälliger und verzeichnen so 2020 einen stärkeren Einbruch ihres RoE. Die Mehrheit der Spezialbanken besitzt eine Bilanzsumme von unter 150 Mrd. €. Insbesondere im Retailbanking spielt die Grösse der Banken und ihre Skalierung eine tragende Rolle (Size matters im Retailbanking). Die Top 5 Banken in diesem Geschäftsbereich haben eine deutlich niedrigere CIR als Vergleichsbanken in der gleichen Grössenklasse (hier: Bilanzsumme > 500 Mrd. €).

Auch der Trend zu mehr Nachhaltigkeit setzt sich im Jahr 2021 ununterbrochen fort. Treiber hiervon sind im Wesentlichen die Berücksichtigung physischer und transitorischer Risiken, zunehmende regulatorische Anforderungen und veränderte Kundenbedürfnisse. Vor diesem Hintergrund ist im Jahr 2020 eine Neuklassifizierung der Banken zu beobachten: Während die Mehrzahl der Banken hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsrisiken im mittleren Bereich bewertet wurden, teilen sich diese Banken im Jahr 2021 auf Banken mit niedrigen und hohen Risiken auf.

Abbildung: Korrelation zwischen CIR und Sustainalytics Rating

Hierbei ist eine Korrelation zwischen CIR und ESG-Score zu beobachten. Banken mit niedrigem ESG-Score weisen tendenziell auch eine niedrigere CIR auf. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Banken, die ihre Transformation bereits abgeschlossen haben, sich sowohl einen Handlungsspielraum geschaffen haben, in dem sie sich auf das Thema Nachhaltigkeit fokussieren können, als auch durch ihre effizienten Architekturen befähigt sind, nachhaltige Produkte schneller an den Markt zu bringen. Die Herausforderungen im ESG Kontext sind dabei nach wie vor die Umsetzung regulatorischer Anforderungen bei gleichzeitig hohem Reputationsrisiko und der Aufbau eines effizienten Wirkungsmanagements einschliesslich ESG-Daten und Prozesse. Auch in der Schweiz nehmen Banken mit Nachhaltigkeitsfokus einen immer grösseren Stellenwert ein (Zuwachs Kundeneinlagen +6.0% p.a. seit 2016).

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Die Entwicklungen im Jahr 2021 zeigen, dass den europäischen Banken ein Wachstum ihrer Rentabilität gelungen ist. Neben der Steigerung des Provisionsertrags spielt auch eine Produktportfoliooptimierung unter Rentabilitäts- und Effizienzgesichtspunkten eine tragende Rolle.
  • Erfolgreiche Banken reduzieren die Produktvariantenvielfalt und fokussieren ergebnisstarke Komponenten. Darüber hinaus zeigt sich die Bankenbranche auch mit Blick auf die eigene Rolle innerhalb der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfungskette als innovativ und fortschrittlich und setzt zunehmend auf Initiativen, die ganzheitliche Effekte erzielen und nicht nur vereinzelte Abläufe oder Beziehungen optimieren. 
  • Denn: Um dem fundamentalen Strukturwandel der Branche zu begegnen, sind zunehmend auch Geschäftsmodellinnovationen notwendig. Mit diesen kann es gelingen, das Wachstumspotenzial von Zukunftsthemen wie Embedded Finance, Digital Assets aber auch ESG frühzeitig auszuschöpfen. Hieraus folgt, dass es für Banken unabhängig von ihrem Geschäftsmodell oder ihrer jeweiligen Fokussierung gemeinsame Stellschrauben gibt, um Nachhaltigkeit, Effizienz und Wachstum weiter zu verbessern. 

Aus unserer Sicht raten wir den Banken daher, diesen NEW-Ansatz zu verfolgen, damit der Transformationsprozess zu einer nachhaltig profitablen Bank gelingt.

Abbildung: Stellschrauben des BearingPoint NEW Banking Ansatzes

Über die Studie

Die diesjährige Bankenstudie basiert auf der Analyse der Jahresabschlüsse von 122 europäischen Banken, die für den Zeitraum von 2013 bis 2021 erfasst wurden und unter Aufsicht der EZB oder den nationalen Aufsichtsbehörden stehen. Das Datenset umfasst über 70,0 Prozent der aggregierten Bilanzsumme aller monetären Finanzinstitute in der Europäischen Union. Neben den Jahresabschlüssen wurden die Segmentberichte von 64 Banken analysiert.

Die Studienergebnisse sowie unsere Handlungsempfehlungen können Sie im Studiendokument nachlesen, welches Ihnen im Download zur Verfügung steht.

Wir wünschen Ihnen viel Freude bei der Lektüre!

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