• Juli 2025

Juli 2025 - Matthias Roeser, Stéphane Bonjour

Der Energiemarkt befindet sich im Umbruch. Auch in der Schweiz stehen Energieversorgungsunternehmen (EVU) vor historischen Veränderungen – um resilient und wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen sie jetzt Veränderungen anstossen. Mit Blick auf Energiewende, steigende Anforderungen und digitale Disruption spielen Daten eine Schlüsselrolle: Wer sie richtig nutzt, kann seine Effizienz steigern, fundierte Entscheidungen treffen und innovative Services anbieten.

Trends auf dem Energiemarkt

Die Energiewende und neue Technologien verändern die Spielregeln der Branche grundlegend. Drei zentrale Trends prägen die aktuelle Lage und eröffnen zugleich Chancen durch datengestützte Strategien:

  • Elektrifizierung und KI-Boom: Expert:innen zufolge wird der Stromverbrauch der Schweiz von derzeit 62 TWh bis zum Jahr 2050 auf bis zu 90 TWh pro Jahr steigen. Haupttreiber dieses Booms sind die Elektromobilität, Rechenzentren und Wärmepumpen. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, müssen Netzinfrastruktur und Erzeugungskapazitäten nun dringend ausgebaut werden.
  • Volatile Einspeisung und Speicher: Der Ausbau von Solar- und Windenergie führt dazu, dass die erzeugten Energiemengen schwanken. Um ein stabiles Energiesystem zu gewährleisten und Angebot und Nachfrage auszugleichen, kommt es nun darauf an, neue Speichertechnologien (Batterien, Wasserstoff) zu nutzen und die Energiequellen intelligent zu steuern.
  • Regulatorische Reformen: Politische Weichenstellungen wie der Mantelerlass und das Stromabkommen CH–EU forcieren die Modernisierung der Netze und die Dekarbonisierung der Stromerzeugung. Energieversorger müssen investieren und ihre Prozesse an neue Vorgaben anpassen.

Herausforderungen auf dem Weg zum zeitgemässen Datenmanagement

Smart-Meter-, Sensor-, Wetter- und Marktdaten: Viele Energieversorgungsunternehmen verfügen bereits heute über riesige Datenmengen – sind jedoch noch weit davon entfernt, diese Schätze auch zu nutzen. Typische Herausforderungen auf der „Data Journey“ von Datenerfassung über Analyse bis zur Wertschöpfung sind:

  • Datenflut und Silos: Energiefirmen generieren täglich gigantische Datenmengen, die dann allerdings verteilt in verschiedenen Systemen und Silos lagern. So ist es schwierig, sie sinnvoll zu nutzen.
  • Manuelle Prozesse: Viele Entscheide stützen sich auf manuelle Aufbereitung (Excel, PowerPoint). Medienbrüche bremsen dann Prozesse aus und machen sie fehleranfällig – automatisierte Echtzeit-Analysen sind so nicht möglich.
  • Sicherheitsrisiken: Veraltete IT und Sicherheitslücken erhöhen das Risiko für Cyber-Angriffe und Compliance-Verstösse. Eine Bundesstudie stuft die Cyber-Sicherheit bei Schweizer EVU als «ernüchternd» ein.
  • Mangel an Datenkompetenz: Mitarbeiter:innen sind oft nicht mit modernen Analyse-Tools vertraut. Weil es keine Datenkultur gibt und keine Schulungen stattfinden, bleiben Potenziale ungenutzt.
  • Geringe KI-Nutzung: Ohne integrierte, gut angebundene Datenplattformen lassen sich KI-Lösungen nur begrenzt einsetzen. Advanced Analytics und ML/KI werden aber bislang kaum in grösserem Umfang genutzt.
  • Schwache Datenverwaltung: Unklare Zuständigkeiten, ein Mangel an Standards und nicht klare definierte Prozesse in der Datenverwaltung untergraben das Vertrauen in Daten und verhindern, dass sie konsequent genutzt werden.

Praxisnahe Use Cases: Wie Daten Mehrwert schaffen

Datenstrategien sollten stets an konkreten Anwendungsfällen ausgerichtet sein. Einige Beispiele zeigen, wie Energieversorger mit datenbasierten Lösungen echten Mehrwert erzielen können:

Energieerzeugung

Echtzeitüberwachung: Mit modernen SCADA-Systemen (SCADA: Supervisory Control and Data Acquisition) und zentralen Datenmodellen lassen sich Kraftwerke durchgängig in Echtzeit überwachen. Abweichungen fallen frühzeitig auf, Wartung lässt sich vorausschauend planen, und KI-gestützte Analysen erhöhen die Verfügbarkeit der Anlagen.

Algorithmischer Energiehandel

Integrierte ETRM- und EDM-Systeme verknüpfen Markt- und Betriebsdaten und ebnen den Weg zu automatisiertem Energiehandel, besseren Risikoanalysen und What-if-Simulationen. Analyst:innen erhalten flexible, datengetriebene Tools, die ihnen helfen, fundierte Handelsentscheidungen zu treffen.

Infrastruktur

BIM und digitale Zwillinge: Mit digitalen Anlagenmodellen (BIM) lassen sich Netzinfrastruktur und Anlagen virtuell abbilden. Damit lässt sich Planung präzisieren, vorausschauende Wartung wird einfacher, und man kann Änderungen zuerst risikofrei am digitalen Zwilling testen. So sparen Versorger bei Bau- und Modernisierungsprojekten Zeit und Geld.

IT und Datenplattform

Cloud-Architektur: Cloud-basierte Datenplattformen bilden das Rückgrat für KI, Automatisierung und Self-Service-Analytics. Sie integrieren interne und externe Datenquellen sicher und skalierbar. So entsteht eine flexible Datenarchitektur, die neue Anwendungsfälle schnell einbinden kann – vom Energiemanagement bis hin zum Echtzeit-Reporting für Entscheider:innen.

Verteilnetz

Meter-to-Cash und Prognosen: Smart-Meter-Daten fliessen automatisiert in Abrechnungssysteme und Kundenportale. KI-Modelle kombinieren Verbrauchs- und Wetterdaten, um Lastprognosen zu verbessern und Netzengpässe frühzeitig zu erkennen. Dies verbessert die Anwendungserfahrung der Kund:innen und steigert die Effizienz im Netzbetrieb.

Vertrieb

360°-Kundensicht: Ein modernes CRM konsolidiert alle Kundendaten und Interaktionen. Vertriebsteams erkennen Muster und Bedürfnisse von Geschäftskunden frühzeitig und können personalisierte Angebote und datenbasierte Kampagnen entwickeln. Das steigert die Kundenbindung und ermöglicht gezielteres Cross-/Up-Selling.

Arbeitssicherheit

Immersive Trainings: Dank XR-Technologien (erweiterte/virtuelle Realität) lassen sich gefährliche Situationen realitätsnah simulieren. Um die Sicherheit zu erhöhen, können Mitarbeiter:innen in der sicheren VR-Umgebung Abläufe üben – z. B. für Arbeiten am Hochspannungsnetz oder in Umspannwerken –, um im Ernstfall schnell reaktionsfähig zu sein.

 

 

 

 

Nutzen für Führungskräfte: Warum jetzt aktiv werden?

Mit Blick auf Marktumbruch und technologischen Fortschritt bietet eine durchdachte Datenstrategie entscheidende Vorteile für Energieunternehmen. Das gilt insbesondere in der Unternehmensführung:

  • Mitarbeiter:innen-Entwicklung: Weiterbildungen in Datenkompetenz sowie die Einführung moderner Tools entlasten Mitarbeiter:innen, die sich dann stärker auf wertschöpfende Aufgaben konzentrieren können. Datenaffine Unternehmen sind zudem attraktive Arbeitgeber für Talente, die sich ein modernes Arbeitsumfeld wünschen.
  • Fundierte Entscheidungen: Wenn Datenqualität und -zugänglichkeit gewährleistet sind, können Führungskräfte Entscheidungen auf Fakten stützen. Echtzeit-Dashboards und Analytics liefern einen 360°-Blick auf Betrieb und Markt und können so die strategische Planung erheblich verbessern.
  • Effizienz und Kostensenkung: Automatisierte Prozesse und prädiktive Analysen steigern die betrieblichen Effizienzen. Ressourcen lassen sich gezielter einsetzen, in der Folge sinken Betriebskosten, und die Profitabilität steigt.
  • Resilienz und Sicherheit: Eine belastbare Daten- und IT-Architektur erhöht die Resilienz gegenüber Störungen. Compliance-Risiken nehmen ab, weil Daten lückenlos nachverfolgbar und geschützt sind.
  • Innovation und Wachstum: Daten helfen auch, neue Geschäftsmodelle zu erschliessen – etwa Energiedienstleistungen auf Basis von Verbrauchsanalysen oder flexible Tarife. Datenbasierte Unternehmen können schneller auf Marktchancen reagieren und innovative Produkte anbieten.
  • Für Führungskräfte bedeutet das: Eine klare Datenstrategie ist kein IT-Thema am Rande, sondern zentraler Bestandteil der Geschäftsstrategie. Sie hilft, das Unternehmen agiler und kundenorientierter zu machen – und damit zukunftssicher. Gerade in der Energiebranche, die vor einem langfristigen Wandel steht, wird die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend davon abhängen, Daten sinnvoll zu nutzen.

Machen Sie Ihre Daten zum Wettbewerbsvorteil!

BearingPoint unterstützt Energieversorger dabei, Daten in echte Mehrwerte zu verwandeln: von der strategischen Planung über Use-Case-getriebene Umsetzung bis zur skalierbaren technischen Architektur. Wir kombinieren umfassendes Branchen-Know-how in der Energiewirtschaft mit Kompetenz und Erfahrung in Data Governance und KI-gestützter Analytik, um Ihr Unternehmen resilient, effizient und zukunftssicher aufzustellen.

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