Für die großen Öl- und Gaskonzerne läuft der Countdown: Sie müssen jetzt ihre Geschäftsmodelle umgestalten, um im Geschäft zu bleiben. Worauf kommt es an, um sicher durch den derzeitigen Wandel zu kommen?
Wohin man auch blickt: Online-Nachrichtenseiten und Zeitungen sind heute voller Artikel über Nachhaltigkeit und den Wettlauf um CO2-Neutralität. Obwohl die Energienachfrage steigt, drängen Regierungen und Verbraucher:innen weltweit immer stärker auf erneuerbare Energien.
Für alle großen Öl- und Gaskonzerne bedeutet das: Ihre Geschäftsmodelle stehen auf dem Prüfstand. Wer sich nicht ehrgeizig genug darum bemüht, die CO2-Emissionen zu verringern, muss mit Geldstrafen rechnen. Die traditionellen Energieriesen wissen, dass sie diversifizieren und auf nachhaltige Alternativen wie Wind, Sonne, Wasserstoff und Biokraftstoffe umstellen müssen. Inzwischen bleibt kaum noch Zeit, um Optionen abzuwägen. Wer jetzt nicht umstellt, investiert und Strategien umsetzt, der riskiert, innerhalb der nächsten zehn Jahre überflüssig zu werden. Einen Einbruch in der Energieversorgung aber können wir uns nicht leisten – um die weitere Funktionsfähigkeit von Gesellschaften und Volkswirtschaften sicherzustellen, brauchen wir eine sichere, CO2-neutrale Energieversorgung.
Die Zeit, neue Geschäftsmodelle abzuwägen, ist abgelaufen: Inzwischen bleiben nur noch 10 bis 15 Jahre, um die wichtigsten Ziele zur CO2-Reduktion zu erreichen. Die großen Öl- und Gasunternehmen müssen jetzt ihre Transformationsstrategien umsetzen.
Dazu gehört auch, ein Angebot für neue Kunden wie Versorgungsunternehmen und andere Energieunternehmen zu schaffen.
Jeder Großkonzern im Bereich Öl und Gas ist anders. Einige agieren auf globaler Ebene, andere sind stärker auf lokale Märkte ausgerichtet. Das heißt: Es gibt keine Universalstrategie. Jedes Unternehmen muss mit Blick auf die eigenen geografischen und betrieblichen Stärken einen erfolgreichen Weg in die Zukunft finden.
Die Nachfrage nach Öl und Gas wird noch eine Weile anhalten, aber der Diversifizierungsprozess hin zu einem agnostischen Energieversorger muss jetzt beginnen. Die Öl- und Gaskonzerne müssen zeigen, dass sie in der Lage sind, mit einem Portfolio verschiedener Energieoptionen die Nachfrage – insbesondere von großen institutionellen Kunden – zu bedienen.
Die Energiewelt wird immer komplexer. Früher ging es darum, Energieträger zu finden, zu raffinieren, zu transportieren und mit einer relativ hohen Gewinnspanne zu vermarkten. Doch diese Zeiten sind vorbei.
Während die großen Öl- und Gaskonzerne nach Möglichkeiten in neuen Geschäftsfeldern suchen, treffen sie heute auf eine wesentlich vielfältigere Gruppe von Wettbewerbern als früher – viele davon sind bereits gut etabliert. Der Markt ist voller neuer Teilnehmer, die Gewinnspannen in dieser neuen Welt sind wesentlich geringer. Vor diesem Hintergrund müssen sich Strategien verlagern: von uni- zu multipolar Geschäftsmodellen sowie zu moderneren und effizienteren Geschäftsmodellen.
Geschäftsmodell und Betriebsstruktur der Erdöl- und Gas-Riesen sind seit Jahrzehnten unverändert. Jetzt aber sind sie bedroht und stehen unter strenger Beobachtung.
Für die Unternehmen kommt es nun darauf an, sich zügig an neue Umgebungen und Bedarfe anzupassen. Das aber wird ihnen nur gelingen, wenn sie stark in das Veränderungsmanagement investieren, Strategie und Abläufe ihres Unternehmens neu definieren und ihre Beschäftigten dabei unterstützen, ihre Denk- und Arbeitsweise zu ändern. Auf dem Weg zu diesem Ziel kann es entscheidend sein, den richtigen Partner zu wählen.
Die Diversifizierung erfordert meist neue Fähigkeiten und Kenntnisse über das Zielumfeld: Ein neues Verständnis eröffnet neue Möglichkeiten. Die modernsten und fortschrittlichsten Energieunternehmen holen deshalb heute Talente aus allen Branchen an Bord.
Die Notwendigkeit der Diversifizierung steht seit mindestens einem Jahrzehnt auf der Tagesordnung der Öl- und Gasindustrie. Einige Unternehmen haben nicht nur betriebliche und organisatorische Veränderungsprozesse angestoßen, sondern auch erheblich in ein positiveres Image investiert. Diese Anstrengungen waren jedoch häufig erfolglos – manche wurden sogar durch Umweltkatastrophen torpediert, die in direktem Widerspruch zu den Nachhaltigkeitsbotschaften standen.
Nie wurde Greenwashing leichter und schneller enttarnt als heute. Große Öl- und Gaskonzerne, die neue Geschäftsbereiche erschließen wollen, sind gut beraten, komplett darauf zu verzichten. Viel sinnvoller ist es, sich auf die Bereitstellung innovativer und sinnvoller Energielösungen zu konzentrieren, die die Bedürfnisse der Kunden erfüllen – nicht notwendigerweise nur von Konsument:innen und Industriekunden, sondern auch von anderen Energieversorgern.