• Dezember 2023

Die Weiterentwicklung von Technologien bestimmt Produkt- und Kundenstrategien – deshalb gilt: Strategie folgt Technologie

Neue, zukunftssichere Produkte und Kundendienste entwickeln, die ohne die technologischen Möglichkeiten von heute funktionieren? Das ist inzwischen auch im Bankenbereich kaum mehr denkbar. In anderen Branchen zeigt sich schon jetzt, dass Geschäft und Technologie einen immer stärkeren Gleichklang finden – und auch bei den Banken wird die Frage nach der Integration neuer Technologien darüber entscheiden, wie sie heute und in Zukunft im Wettbewerb bestehen.

In diesem ersten Artikel einer Reihe über Banken und Technologie zeigen wir, dass Technologie inzwischen zum wichtigsten Erfolgsfaktor im Bankengeschäft geworden ist.

Alle strategischen Geschäftsfaktoren der Banken sind direkt betroffen

Neue Technologien wirken in alle Bereiche der Bankstrategie hinein. Das Umsatzwachstum aus neuen Produkten und Kunden hängt direkt von ihnen ab, etwa über verbesserte Produktfunktionen oder Vertriebsmechanismen. Wollen Banken ihr Betriebsmodell automatisieren und standardisieren, um Kosten zu senken, führt kein Weg daran vorbei, neue Technologien zu nutzen. Um Risiken zu minimieren, müssen sie zudem in der Lage sein, in großem Umfang Risikodaten intelligent zu sammeln, zu verarbeiten und zu analysieren. Auch hier steht und fällt der Erfolg mit dem Einsatz neuer Technologien.

Neue Technologien werden die drei wichtigsten Faktoren für das Bankgeschäft in allen Geschäftsbereichen beeinflussen

  1. Umsatzwachstum
  2. Kosteneffizienz
  3. Risikominderung

Die neue Technologiearchitektur wirkt in allen Geschäftsbereichen positiv auf die drei strategischen Treiber der Bank: Umsatz, Kosten und Risiken.

Unseren Schätzungen zufolge wird sich die Einführung über alle drei Treiber hinweg im hohen dreistelligen Euro-Bereich bemerkbar machen.

Umsatzwachstum durch neue Produkte

Geschäftskunden nutzen zunehmend digitale Vermögenswerte und Tokens, um Transaktionen zu beschleunigen und besser abzusichern. Weil diese neuen Zahlungsarten (etwa Coinbase, Kraken und Binance) auch kostengünstiger sind, erfreuen sie sich großer Beliebtheit. Laut Prognosen von Fortune Business Insights wird der Markt für digitale Vermögenswerte bis 2030 auf 12,3 Mrd. US-Dollar anwachsen. Ein starkes Argument für Banken, sich in diesem profitablen Wachstumsmarkt zu engagieren – auch wenn die regulatorische Seite noch von erheblicher Unsicherheit und Uneindeutigkeit geprägt ist. Hier können Banken auf die Erfahrung mit ihren eigenen Kontroll- und Regulierungsrahmen zurückgreifen, was bei diesen Produkten ein klarer Wettbewerbsvorteil ist.

  • Kryptowährungen wie Solana, Avalanche und Ripple ermöglichen schnellere und effizientere internationale Transaktionen und verringern die Abhängigkeit von traditionellen Banksystemen. Da diese Märkte aber nach wie vor volatil sind, erfordern sie von den Banken ein verlässliches Risikomanagement und entsprechende Rahmenregelungen.
  • Digitale Konten bieten direkten Zugang und Transaktionsmöglichkeiten: Bankkunden können unmittelbar auf ihre Gelder zugreifen, Bankgeschäfte werden schneller, nahtloser, transparenter und zuverlässiger, und die Zwischenstufe der Vermittlung fällt weg. Derzeit sind die meisten Banken noch damit beschäftigt, ihr Kontensystem mit der Welt der Krypto-Wallets zusammenzuführen. In dieser Phase betreiben sie zwei parallele Systeme – einschließlich aller damit verbundenen Kosten und Risiken.
  • Sofortkreditangebote ermöglichen einen schnelleren Service und eine dezentralisierte Finanzierung. Digitale Produkte können innerhalb von Minuten genehmigt werden – auf den traditionellen Kreditmärkten sind es oft Tage oder sogar Wochen. Auch das Risikoprofil kann stark davon abweichen, da Peer-to-Peer-Kredite möglich sind, sodass sich das Risiko auf die verschiedenen Marktteilnehmer verteilt.

Kostensenkung und Umsatzsteigerung durch neue Technologieplattformen

Kosteneffizienz durch optimierte Verarbeitung und Daten

Neue Technologien eröffnen ungeahnte Möglichkeiten, Prozesse zu automatisieren und zu standardisieren. Bisher wurden manuelle Prozessschritte – insbesondere verhältnismäßig einfache Aufgaben und stetig wiederkehrende Schritte in den operativen Einheiten der Banken – über den gesamten Arbeitsablauf in allen Bereichen weitgehend automatisiert. Viel sinnvoller ist es aber aus unserer Sicht, die grundlegenden Produkt- und Kundenangebote zu automatisieren. In einem der nächsten Artikel dieser Reihe werden wir uns genauer ansehen, wie Banken in Zukunft ihre Produkte und Dienstleistungen gestalten werden.

Nach unseren Berechnungen könnten sich je nach Art des Bankgeschäfts zwischen 30 und 90 % der Kosten einsparen lassen. Im Massengeschäft mit Privatkundinnen und -kunden liegt ein großes Automatisierungspotenzial für viele Kunden- und Produktprozesse – mit entsprechenden Chancen, die Betriebskosten drastisch zu senken. So liegen etwa bei der brasilianischen Nubank die Gesamtkosten für Dienstleistungen unter einem US-Dollar pro Kunde bzw. Kundin. Neue digitale Banken in Asien führen bereits jetzt vollautomatische, KI-gesteuerte Legitimationsprozesse ein, mit denen sie neue Kunden innerhalb von Sekunden mit minimalen Kosten und ohne menschliche Interaktion aufnehmen.

Mittelfristig könnten große Banken zudem mindestens 50 % ihres Personals abbauen – insbesondere im Massengeschäft mit Privatkundinnen und -kunden, welches sich künftig weitgehend auf digitale Produkte und die Weiterentwicklung des Vertriebs konzentrieren wird. Mit Blick auf einige neue Banken aus Asien wäre sogar ein Abbau von bis zu 90 % in einigen Bereichen nicht unrealistisch. Dort erwarten wir, dass sich wenig produktive Backoffice-Berufe in Richtung produktiverer Frontoffice-Tätigkeiten mit Schwerpunkt auf Kundenberatung und -service, Produktinnovation und betriebswirtschaftliche Analysen entwickeln werden.

Die Verschlankung von Prozessen durch Automatisierung und Standardisierung erstreckt sich auf alle Front- und Backoffice-Funktionen in einer Bank. In der neuen, technologiegeprägten Bankenwelt werden viele Aufgaben automatisiert sein, vor allem im ersten und zweiten Geschäftsbereich, also im Frontoffice und in den Abteilungen, die für die Vorbeugung und Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität zuständig sind. So bietet sich beispielsweise jetzt der Bereich Anti-Financial-Crime (AFC), welcher sich mit Schlüsselaktivitäten wie KYC-Prozessen, Geldwäschebekämpfung, Transaktionsüberwachung und Sanktionsprüfung befasst, für Produktivitätssteigerungen an. Die nächsten ernsthaften Kandidaten wären die Bereiche Finanzen, Risiko, allgemeine Compliance, Produktmanagement und Verarbeitung.

Kostensenkung und Umsatzsteigerung durch neue Technologieplattformen

Risikominderung durch bessere Analytik

Neue Technologien haben auch das Risikomanagement im Bankwesen revolutioniert: Sie liefern schnellere und genauere Daten; ein Faktor, der über die Wirksamkeit des Risikomanagements entscheidet. Dank der Echtzeit-Datenverarbeitung können die Banken nun auf aktuelle Informationen zugreifen und so ihre Risikomodellierung präzisieren. Diese Unmittelbarkeit der Daten ermöglicht eine schnellere Bewertung und Reaktion auf potenzielle Bedrohungen und kommt somit allen Risikomodellen zugute.

Darüber hinaus führt die Integration hochentwickelter Analyse- und Big-Data-Technologien auch dazu, dass Bewertungen genauer werden. Die neuen Tools sammeln und verknüpfen Daten aus verschiedenen Quellen, sodass Finanzinstitute einen ganzheitlichen Überblick über ihr Risiko erhalten: Sie können nun Zusammenhänge und Muster erkennen, die in der Vergangenheit unbemerkt geblieben wären.

Schnell verfügbare und hochpräzise Daten für das Risikomanagement bieten also einen doppelten Vorteil: Sie steigern die Genauigkeit der Risikomodelle und versetzen zusätzlich die Bank in die Lage, ihre Risikobewertung laufend zu aktualisieren. Genau auf diese schnelle Reaktionsfähigkeit kommt es angesichts des Tempos der heutigen Finanzwelt an. Banken, die sich die Vorteile von Spitzentechnologien zunutze machen, sind deshalb besser gerüstet, um sich selbst und ihre Kunden vor den allgegenwärtigen Risiken im Finanzgeschäft zu schützen.

Fazit: Für Banken mit Anspruch an die Marktführerschaft bedeutet die neue technologische Revolution einen gewaltigen Schritt nach vorn

Die Auswirkungen für das Management sind dabei tiefgreifend und weitreichend.

  • Banken erschließen neue Einnahmenpotenziale, indem sie die Daten nutzen, um ihren Kundenservice mithilfe neuer Technologien entscheidend zu verbessern – und indem sie die stetig steigende Menge an Kunden- und Marktdaten immer schneller verarbeiten. So können sie ihren Kundinnen und Kunden maßgeschneiderte, kurzfristig verfügbare Dienstleistungen anbieten und diese direkt mit neuen Services oder Produkten verknüpfen.
  • Radikale Kostensenkungen von 30 bis 50 % sind realistisch. Sobald die Banken sich vollständig in der neuen Technologiewelt eingerichtet haben, wird sich ihre Kostendynamik dauerhaft verbessern.
  • Die Verfügbarkeit präziser Daten, die für ein wirksames Risikomanagement unerlässlich sind, wird den Aufwand für regulatorische Aufgaben verringern und die Cybersicherheit sowohl für die Banken als auch für ihre Kunden steigern.

Jede Bank, die nicht Teil dieser neuen technologischen Zukunft sein kann oder will, wird im Wettbewerb schon bald das Nachsehen haben.

Autoren: Max Sembach, Partner / Dr. Jörg Gerigk, Senior Business Advisor / Andreas Broicher, Senior Manager

Im nächsten Artikel befassen wir uns näher mit den neuen Technologien selbst und den Möglichkeiten, die KI bietet.

Wünschen Sie weitere Informationen?

Wenn Sie mehr über diese Publikation erfahren möchten, wenden Sie sich bitte an unsere Experten, die gerne von Ihnen hören.

Banking & Capital Markets

NEW BANKING: Der Weg zu Effizienz und nachhaltigem Wachstum

Unsere Berater:innen im Bereich Banking & Capital Markets unterstützen Unternehmen bei ihrer Geschäftstransformation und Weiterentwicklung. Erfahren Sie mehr in unseren Insights oder treten Sie mit unseren Expert:innen in Kontakt.