Nutzung von Innovationen zur Verringerung von Unfallrisiken
Die Verhütung von Arbeitsunfällen ist nicht nur zum Schutz von Arbeitnehmenden unerlässlich, sondern auch zur Reduzierung finanzieller und betrieblicher Risiken für Unternehmen. Dies ist beispielsweise in der Baubranche entscheidend, da Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer täglich potenziellen Gefahren ausgesetzt sind. Trotz steigender Sicherheitsvorkehrungen, ereignen sich in der Schweiz immer noch zwischen 260‘000 und knapp 300‘000 Arbeitsunfälle pro Jahr, zum Beispiel auf Baustellen, weil Vorschriften und Protokolle nicht eingehalten werden, weil unter Zeitdruck gearbeitet wird oder aufgrund von Fahrlässigkeit.
Um dieser Herausforderung zu entgegnen, wollte die Suva, ein führender Schweizer Versicherer, die Sicherheitsschulung am Arbeitsplatz revolutionieren. Das Ziel war es, Risiken am Arbeitsplatz durch immersives, interaktives Lernen leichter zu erkennen, zu verstehen und zu vermeiden. Seit 2018 testet die Suva Virtual Reality (VR) als Werkzeug zur Verbesserung der Sicherheitsprotokolle. Um den Ansatz zu skalieren und eine breite Branchenakzeptanz zu erreichen, suchte die Suva nach systematischer Unterstützung bei der Entwicklung eines neuen Geschäftsmodells.
Diese Unterstützung sollte sich auf drei Kernbereiche konzentrieren: die Erstellung hochwertiger VR-Inhalte, die Entwicklung interaktiver Schulungsmodule und die Umsetzung wirksamer Strategien für Change-Management-Ansätze. Ein wichtiges Ziel war auch die Integration dieses innovativen Ansatzes in die internen Prozesse der Suva. Dies konnte mit Hilfe eines End-to-End-Partners erreicht werden, der das Unternehmen bei der Umsetzung dieser ehrgeizigen Vision unterstützen konnte.
Realitätsnahe Szenarien in einer skalierbaren Simulationsplattform
Eine Lösung entstand in enger Zusammenarbeit zwischen der Suva und BearingPoint, die eine Schulungsplattform der nächsten Generation entwickelten, Virtual Reality (VR), Augmented Reality (AR), and Mixed Reality (XR) umfasst. Nach der Bewertung der technischen Möglichkeiten solcher Technologien entwickelte BearingPoint immersive Schulungsszenarien. Diese konzentrierten sich auf risikoreiche Aufgaben wie das Sichern schwerer Lasten im Bauwesen oder das Vermeiden von Stürzen aus ungesicherten Bereichen. Dies war ein entscheidender Schritt zur Verbesserung der traditionellen Präventionsmethoden.
Diese Erkenntnisse ermöglichten es dem Team, mehrere Prototypen zu entwickeln, die deutlich zeigten, wie immersive Technologien zur Unfallverhütung und die effektive Vermittlung von Sicherheitsanweisungen unterstützen können. Die Plattform wurde von Anfang an so konzipiert, dass sie sowohl skalierbar als auch benutzerfreundlich ist, unabhängig vom Profil der Nutzenden.
Im Rahmen dieser Bemühungen entwickelten die Suva und BearingPoint auch ein ganzheitliches Betriebsmodell, eine nachhaltige Technologiearchitektur und ein schlüsselfertiges, auf den Schweizer Markt zugeschnittenes Dienstleistungsangebot namens Swiss Safety VR.
Diese ständig wachsende Bibliothek enthält 20-minütige interaktive Module, die die Folgen von Arbeitsunfällen anschaulich darstellen. Das Format ist nicht nur ansprechender und lehrreicher als herkömmliche Ansätze, sondern auch kosteneffizienter. BearingPoint unterstützte die Entwicklung des Geschäftsmodells sowie die Konzeption und Simulation neuer Anwendungsszenarien.
Besonders im Fokus stand auch das Change-Management durch «Train-the-Trainer»-Services, was für die Integration der XR-Plattform in die Arbeitsabläufe der Suva entscheidend war. Ein weiterer Erfolgsfaktor war der Aufbau eines starken, kollaborativen Ökosystems. Gemeinsam mit zahlreichen Akteuren, darunter führende Schweizer Bauunternehmen und relevante Berufsverbände, wurden neue VR-Inhalte entwickelt, die wertvolle Synergien ermöglichen.
Eine neue Ära der Sicherheitsschulung
Mit der Lancierung von Swiss Safety VR läutet die Suva eine neue Art der Schulung und Bewusstseinsbildung ein: mobiler, interaktiver und zugänglicher. Unternehmen und deren Partnerinnen und Partner können nun ihre internen Prozesse modernisieren und gleichzeitig zukunftsweisende Schulungs- und Kommunikationsmethoden anwenden.
Es wird erwartet, dass die Plattform den Bedarf an Vor-Ort-Workshops erheblich reduziert, was zu erheblichen Zeit- und Kosteneinsparungen führt. Darüber hinaus werden sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger an relevante Sicherheitsmassnahmen erinnern als bei traditionellen Klassenzimmer- oder E-Learning-Methoden.
Durch die kostenlose Bereitstellung dieser VR-Inhalte für sämtliche Organisationen, inklusive Schulen, tragen die Suva und BearingPoint aktiv zur Demokratisierung von hochwertiger Sicherheitsbildung bei. Auch kleinere Betriebe und Bildungseinrichtungen mit limitiertem Budget erhalten damit Zugang zu modernster Schulungstechnologie. Die Plattform ist für das Meta Quest 3-Headset in Deutsch, Französisch und Italienisch sowie in Englisch verfügbar.
Suva
Die seit 1918 tätige Suva beschäftigt am Hauptsitz in Luzern, in den schweizweit 18 Agenturstandorten und in den zwei Rehabilitationskliniken Bellikon und Sion über 4700 Mitarbeitende. Als selbstständiges Unternehmen des öffentlichen Rechts versichert sie mehr als 138 000 Unternehmen mit über 2,2 Millionen Berufstätigen gegen die Folgen von Unfällen und Berufskrankheiten. Arbeitslose sind automatisch bei der Suva versichert. Zudem führt sie im Auftrag des Bundes die Militärversicherung sowie die Unfallversicherung für Personen in IV-Massnahmen. Die Dienstleistungen der Suva umfassen Prävention, Versicherung und Rehabilitation. Sie arbeitet selbsttragend, ohne öffentliche Gelder und gibt Gewinne in Form von tieferen Prämien an die Versicherten weiter. Im Suva-Rat sind die Sozialpartner – Arbeitgeber und Arbeitnehmer – und der Bund vertreten.