Von Reto Tomasini
Dezember 2020
Fokus.swiss
Überschüssige Bestände erhöhen Lagerzinsen, binden Kapital, verringern die Liquidität und beeinträchtigen die Rentabilität. Industrieund Handelsunternehmen sind jedoch bei der Verwaltung ihrer Bestände auf jahrzehntelang bewährte Abläufe und IT-Systeme angewiesen. Dieser Prozess ist weitgehend manuell, fehleranfällig und nutzt moderne technologische Möglichkeiten nicht.
Maximale Kostentransparenz ist notwendig, um weitreichende Einsparungen zu identifizieren. Sie ist jedoch oft nur begrenzt vorhanden. Künstliche Intelligenz (KI) ist ideal, um die sich ständig ändernden Muster der Materialnachfrage zu überwachen und die Mitarbeiter dabei zu unterstützen, sich auf die Ausnahmefälle zu konzentrieren.
Es ist längst überfällig, das Bestandsmanagement von Grund auf neu zu überdenken. Das haben wir getan – und den Inventory Navigator entwickelt
Reto Tomasini, Partner bei BearingPoint
Die Verwaltung von Tausenden von Materialien in einer dynamischen Planungsumgebung ohne angemessene Tool-Unterstützung führt zu einem erheblichen manuellen Aufwand. Die derzeitigen IT-Systeme versagen dabei, den Fokus des Entscheidungsträgers auf die Materialien mit der grössten Hebelwirkung oder dem grössten unmittelbaren Bedarf an Aufmerksamkeit zu lenken. Eine autonome Materialplanung – eine Vision vieler Industrieunternehmen – scheint in weiter Ferne zu liegen, auch wenn die notwendigen technologischen Elemente bereits heute verfügbar sind.
Zudem fehlt den Logistikplanern eine datengestützte Anleitung, wie erkannte Potenziale zur Bestandsreduzierung realisiert werden können. Die Anpassung logistischer Parametereinstellungen wie Sicherheitsbestände, Rundungswerte und Losgrössenverfahren erfordert sofortige Informationen über die daraus resultierenden finanziellen Auswirkungen. Die Planer bleiben jedoch hinsichtlich der zukünftigen Kosten, aufgrund ihrer Massnahmen zum Zeitpunkt der Implementierung, im Dunkeln.
Das Bestandsmanagement wird in den meisten Fällen durch top-down definierte Kostensenkungsziele bestimmt. Dabei werden individuelle Beitragskapazitäten der Geschäftseinheiten nicht berücksichtigt. Die inhärente Diskrepanz zwischen Management und Betrieb führt zu unrealistischen Zielen für bestimmte Einheiten und zu wenig ehrgeizigen Zielen für andere, wodurch mögliche Endergebnisse behindert werden.
Gerade in der heutigen Zeit unterstützt dieses Tool unser Bestandsmanagement in hohem Masse. Vor allem die Möglichkeit für jeden Planer, seine Teile individuell und unabhängig zu recherchieren und zu kontrollieren, ist eine grossartige Lösung. Wir können leicht die gewünschten Ergebnisse finden, um entsprechend handeln zu können
Lead Supply Chain Execution, globaler Automobilzulieferer
Die Optimierung des Inventars mit dem Inventory Navigator kann die Lagerhaltungskosten um mehr als 20 Prozent senken, wodurch erhebliche Liquidität freigesetzt wird. Die Simulation der relevanten Logistikparameter trägt dazu bei, eine vollständige Kostentransparenz über die aktuellen Treiber des Bestandsniveaus zu erreichen, wodurch die Logistikplanung verbessert und vereinfacht wird. Die KI-basierte Überwachung ermöglicht ein «management by exception», welches sich auf wichtige sowie dringende Probleme konzentriert und gleichzeitig die bestandsrelevanten Abteilungen zusammenführt. Sie stellt eine klare Verbindung zwischen den Erwartungen des Managements und den operativen Fähigkeiten her.
Die Optimierung des Inventars mit dem Inventory Navigator kann die Lagerhaltungskosten um mehr als 20 Prozent senken. Dadurch wird erhebliche Liquidität freigesetzt, die gerade jetzt während der Krise dringend benötigt wird
Reto Tomasini, Partner bei BearingPoint
Der Inventory Navigator identifiziert nicht-wertschöpfende Lagerpuffer und Lagerbestände mit Hilfe einer Mehrebenenanalyse. Unter Nutzung von künstlicher Intelligenz und durch adaptive Algorithmen kann ein Echtzeitmodell der bestandsrelevanten Prozesse erstellt werden, dieses wird ergänzt durch Kostensimulationen. So erhält man volle Transparenz über die Kostenauswirkungen von Logistikparameter für jedes Material, Materialgruppe oder Organisationseinheit.
Der Beitrag von Reto Tomasini ist in der Fokus Beilage „Erfolgreiche Industrie" des Tages-Anzeigers vom 11. Dezember 2020 erschienen.