Von Helmuth Fuchs
29. August 2022, 07:00 Uhr
Moneycab.com

Moneycab: Herr Roeser, nach dem Rekordjahr 2019 mit einem Umsatz von 780 Millionen Euro, 757 Millionen in 2020 sind es 2021 jetzt 738 Millionen Euro. Dennoch scheint man bei den Partnern das Ergebnis als hervorragend einzustufen und spricht vor allem vom Wachstum. Wo hat dieses stattgefunden und wie sieht es aus für 2022?
Matthias Roeser: Dazu müssen Sie wissen, dass die Zahlen 2020 noch unser Regtech Software Geschäft enthalten, an welchem wir die Mehrheit verkauft haben. Es ist uns mit unserem Wachstum gelungen, diese Veräusserung im 2021 nahezu zu kompensieren und werden dieses Jahr noch ein gutes Stück weiter vorankommen. Das Wachstum lief über alle Segmente und war im 2022 bisher ungebremst.

Seit Juni 2021 ist das Schweizer Team um 40% gewachsen, überproportional stark, was teilweise auf einen reduzierten Import von Beratern zurückzuführen ist.

Matthias Roeser, Leiter Schweiz von BearingPoint

Welche Tendenzen gibt es für die Schweiz, wie läuft es hier im Vergleich zu den anderen Ländern in Europa?
In der Schweiz haben wir nach der Pandemie ein leicht verzögertes Einschalten des Wachstums im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern beobachtet. Seit Juni 2021 ist das Schweizer Team um 40% gewachsen, überproportional stark, was teilweise auf einen reduzierten Import von Beratern zurückzuführen ist. Europaweit fehlt es stark an Fachkräften und jungen Talenten, mit Einfluss auf unsere Wachstumsambitionen.

Im 2021 wurden weltweit mehr als 1’300 neue Mitarbeitende eingestellt. Wie viele davon in der Schweiz und welche Fähigkeiten sind besonders gefragt bei interessierten Kandidaten und Kandidatinnen?
In der Schweiz waren es 38 neue Mitarbeitenden, die zu uns gestossen sind. Gut die Hälfte davon sind junge Talente, die andere Hälfte erfahrene Beraterinnen und Berater aus den Bereichen Wealth Management, Finanzen, Logistik und Technologie.

Mit AdNovum ist Bearingpoint im März 2022 eine Kooperation zur Erstellung von Lösungen mit Künstlicher Intelligenz (KI), Machine Learning (ML) und Natural Language Processing (NLP) im Bereich von Kundeninteraktionen eingegangen. Welche Probleme sollen hier gelöst werden, die nicht schon Teil von bestehenden Bankenlösungen und -Plattformen sind?
Wir und Adnovum haben mit unseren Kunden festgestellt, dass die Anbieter von Standard-Lösungen nicht in allen Bereichen mit der Entwicklung neuester Technologien und Business-Ansätze mithalten können. In diesen Bereichen machen wir uns gemeinsam stark, um für unsere Kunden innovative Lösungen entwickeln zu können.

Das durch die Pandemie etwas in den Hintergrund gerückte Thema “Nachhaltigkeit” hat wieder an Bedeutung gewonnen. “Netto Null” wird auch politisch mit Druck vorangetrieben und mündet in neue Vorschriften für Unternehmen. Wie gut sind Schweizer Unternehmen gerüstet, um dieser Herausforderung zu begegnen und eventuell sogar Wettbewerbsvorteile damit zu erringen?
Wir sehen sehr viel Aktivität unserer Kunden primär im Bereich ESG Reporting. Ein Grossteil hat die initialen Hausaufgaben gemacht, allerdings stehen fast alle noch vor einem weiten Weg, wenn es um eine nachhaltige Operationalisierung entlang der gesetzten Ziele geht oder gar um Auf- und Ausbau von Wettbewerbsvorteilen. In der Beratung bauen wir unsere Fähigkeiten im Sustainability-Advisory stark aus – die Akquise von “I Care” in Frankreich ist einer von vielen Schritten, die diese Entwicklung untermauern.

Lesen Sie hier das vollständigen Interview von Matthias Roeser, erschienen auf Moneycab am 29. August 2022.

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