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Studie des BearingPoint Institute zeigt: Das gegenwärtige Modell des europäischen Meldewesens ist wahrscheinlich nicht in der Lage, eine weitere Finanzkrise zu verhindern

Frankfurt am Main/Zürich, 26. März 2015
 – Im Zuge der Finanzkrise konfrontierten Regulierungsbehörden Banken und Versicherungsunternehmen mit neuen Compliance-Vorschriften. Ziel war, das Finanzsystem insgesamt sicherer zu machen. Die Zeitintervalle für Reportings wurden von Monatsebene auf Wochenebene verkürzt. Zudem sind Datenanfragen nun granularer, da die Krise die Bedeutung von qualitativ hochwertigen, aktuellen und vergleichbaren Daten im globalen Finanznetzwerk verdeutlichte.

Laut einer aktuellen Studie des BearingPoint Institute könnten die Bestrebungen zur Wiederherstellung des Vertrauens in das Finanzsystem umsonst sein, wenn das herkömmliche Reporting-Modell, basierend auf vordefinierten Meldeformularen, nicht verworfen und durch einen modernen, digitalen aufsichtsrechtlichen Ansatz ersetzt wird. Während sich der Prozess in den letzten Jahren in Richtung online verlagerte, ist die Methodik nach wie vor Formularbasiert. Die Studienautoren bezeichnen diese Methodik als höchst ineffizient, da sie regulatorische Ziele zur Stärkung der Banken-Solidität behindere. Durch die aktuelle Vorgehensweise kann nicht die Geschwindigkeit erreicht werden, die zur präzisen aufsichtsrechtlichen Überwachung nötig wäre.

Österreich zeigt sich mit einem Pionier-Modell wegweisend, das eher auf Daten-Input statt -Output beruht und eine Software-Plattform nutzt, die die Lücke zwischen den IT-Systemen der Österreichischen Nationalbank (OeNB) und den wichtigsten Banken des Landes schließt. Diese Plattform funktioniert wie ein Zwischenspeicher; Daten der österreichischen Banken werden bei Bedarf automatisch abgerufen und für die Prüfung durch Regulierungsbehörden bereitgestellt. Gleichzeitig behalten Banken durch die Plattform volle Kontrolle über geschäftlich sensible Informationen. 

Das BearingPoint Institute interviewte Dr. Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik bei der Österreichischen Nationalbank (OeNB), um mehr über das neue Modell zu erfahren, das aus der intensiven Zusammenarbeit zwischen Österreichs Banken und der OeNB resultiert.

Das Modell garantiert konsistentere und qualitativ hochwertigere Daten. Als größten Gewinn für die Banken werte ich, dass sie sich nicht mehr mit dem Ausfüllen von Formularen für verschiedenste Themen zu verschiedensten Zeiten befassen müssen. Sie sparen darüber hinaus Kosten durch Prozessteilung und -zentralisierung.

Dr. Johannes Turner, Direktor der Hauptabteilung Statistik bei der Österreichischen Nationalbank (OeNB)

Das BearingPoint Institute sprach auch mit Patrick Hoedjes, Head of Oversight and Operations, European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA), darüber, inwiefern das gesamte europäische Reportingsystem für Versicherungen und Banken als Input-basiertes Datenmodell nach österreichischem Vorbild etabliert werden kann.

Meiner Meinung nach gibt es einen Mittelweg. Das österreichische Modell reicht noch ein Stück weiter, weil es in einer Organisation integriert ist. Der Industrie steht es immer frei, eine solche Initiative zu ergreifen, allerdings riskiert man auch, einen Teil seiner Führung und Kontrolle abgeben zu müssen. Zudem denke ich, dass Reportinganforderungen in Zukunft wie ein Datenwürfel aufgebaut sein werden. Es bleibt abzuwarten, wie das funktionieren wird.

Parick Hoedjes, Head of Oversight and Operations, European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA)

Die Studienautoren verdeutlichen, dass obwohl eine stärkere Harmonisierung und Standardisierung der Aufsicht im europäischen Finanzdienstleistungssektor ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist, eine mikro-regulierte Umgebung mit veralteter Methodik die Branche überfordert.

Es ist sicher richtig, dass Aufsichtsbehörden Daten, die ein systemisches Risiko beinhalten, häufiger und mit einer höheren Granularität als bisher von Organisationen abrufen können, aber das aktuelle Reportingsystem wird zunehmend kostspieliger und zeitaufwendiger für Banken und Versicherungen.

Jürgen Lux, Partner Financial Services bei BearingPoint und Co-Autor der Studie

Um wirklich voranzukommen müssen sich Regulierungsbehörden und Branchenrepräsentanten auf eine richtige ‚Grenzlinie‘ für den Austausch von statistischen und aufsichtlichen Daten verständigen. Nur so kann die Reporting-Last für den Sektor minimiert und gleichzeitig die Transparenz der entsprechenden Daten verbessert werden.

Dr. Maciej Piechocki, Partner Financial Services bei BearingPoint und Co-Autor

Über das BearingPoint Institute

Das BearingPoint Institute verbindet wissenschaftliche Forschung mit praktischer Erfahrung und realen Herausforderungen, denen BearingPoint Berater aktuell begegnen. Diese Kombination verschiedener Perspektiven hilft Führungskräften, die Entwicklung der globalen Wirtschaft tiefer zu verstehen. Das BearingPoint Institute wird von einem international besetzten Gremium aus BearingPoint Partnern geführt und von einem Beirat anerkannter Praktiker und Wissenschaftler von Elite-Universitäten und Wirtschaftsschulen weltweit begleitet. In regelmäßigen Abständen publiziert das BearingPoint Institute seine Stellungnahmen zu Trends, Strategien und vorherrschenden Meinungen in einem Report.

Weitere Informationen finden Sie unter www.bearingpointinstitute.com

Über BearingPoint

BearingPoint Berater haben immer im Blick, dass sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen permanent verändern und die daraus entstehenden komplexen Systeme flexible, fokussierte und individuelle Lösungswege erfordern. Unsere Kunden, ob aus Industrie und Handel, der Finanz- und Versicherungswirtschaft oder aus der öffentlichen Verwaltung, profitieren von messbaren Ergebnissen, wenn sie mit uns zusammenarbeiten. Wir kombinieren branchenspezifische Management- und Fachkompetenz mit neuen technischen Möglichkeiten und eigenen Produkt-Entwicklungen, um unsere Lösungen an die individuellen Fragestellungen unserer Kunden anzupassen. Dieser partnerschaftliche, ergebnisorientierte Ansatz bildet das Herz unserer Unternehmenskultur und hat zu nachhaltigen Beziehungen mit vielen der weltweit führenden Unternehmen und Organisationen geführt. Unser globales Beratungs-Netzwerk mit 9.700 Mitarbeitern unterstützt Kunden in über 70 Ländern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen für einen messbaren und langfristigen Geschäftserfolg.

Weitere Informationen finden Sie unter www.bearingpoint.com und in der BearingPoint Toolbox: http://toolbox.bearingpoint.com

Pressekontakt

Ursula Steingruber
Marketing & Communications Manager
Tel. +41 43 299 73 62

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