Aufgrund der alternden Weltbevölkerung stehen Arbeitgeber vor einer schwierigen Entscheidung: Sollen tradierte Altersteilzeit und Rentenmodelle fortgeführt werden, mit dem Risiko von Fachkräftemangel und sinkenden Renditen? Oder ist die Anpassung der Arbeitsbedingungen und Unternehmensstrategien an die spezifischen Bedürfnisse die bessere Handlungsoption?

Gleichbleibende Produktivität trotz alternder Bevölkerung

Die Welt befindet sich inmitten eines immensen demografischen Wandels. Fortschritte in Medizin und Technik ermöglichen es den Menschen, im Alter gesünder und produktiver zu sein und länger als jemals zuvor zu leben. Gleichzeitig sinken die Geburtenraten in den industrialisierten Ländern.

Dies hat dazu geführt, dass sich das Verhältnis der erwerbstätigen Personen (15-64 Jahre) zu den wirtschaftlich inaktiven Personen (65 Jahre und älter) stark verändert hat. In der EU lag diese Quote 2018 bei 30,5 wirtschaftlich inaktiven Personen pro 100 Erwerbstätigen, wird aber schätzungsweise bis 2030 auf 38,7, bis 2050 auf 49,9 und bis 2100 auf 57,3 steigen.

Dieser Wandel wirkt sich bereits stark auf Wirtschaft und Gesellschaft aus, und bis vor kurzem fehlten Perspektiven, wie Staaten und Gesellschaften mit einer so hohen Anzahl von wirtschaftlich inaktiven Personen weiter funktionieren können. Glücklicherweise ändert sich diese Situation jedoch. Ältere Menschen erweisen sich im Vergleich zu früheren Generationen als bereitwilliger und viel fähiger einen Beitrag zur Wertschöpfung zu leisten.

Was bedeuten alternde Gesellschaften für Unternehmen?

Historisch war die staatliche Initiative der Anhebung des Rentenalters eine beliebte Lösung. Da dies jedoch alle unabhängig der jeweiligen Bedarfssituation betraf, ist dieser Ansatz nicht mehr geeignet. Heute gilt der Privatsektor als Vorbild, da hier agile und individuell zugeschnittene Maßnahmen definiert werden.

Viele ältere Menschen wollen und können länger arbeiten als in früheren Jahrgängen, aber das bedeutet nicht, dass sie mit jüngeren Arbeitnehmern um die gleichen Rollen konkurrieren. Die Prioritäten unterscheiden sich. Ältere Arbeitnehmer legen weniger Wert auf Karriere und Entlohnung, sondern rücken stattdessen den Sinn und Zweck ihrer Tätigkeit in den Mittelpunkt.

Was bedeutet das für Arbeitgeber? Ihnen steht eine bereitwillige und sachkundige Gruppe von Arbeitnehmern zur Verfügung, die zunehmend technologisch erfahrener und auch bereit ist, ihre Fähigkeiten und ihr Fachwissen zu teilen. Hinzu kommt, dass ältere Arbeitskräfte loyaler als jüngere Arbeitnehmer sind, dies senkt Rekrutierungskosten und ermöglicht eine zuverlässigere Planung. Zudem sind ältere Arbeitnehmer tendenziell motivierter, zufriedener und engagierter in Bezug auf ihre Arbeit.

Auch abseits der Arbeitswelt steigt die Bedeutung älterer Menschen. Da sie gesund, erwerbstätig und technisch versiert sind, stellen sie eine wesentlich größere Konsumentengruppe als bisher dar. Laut McKinsey wird die Zahl der über 60-jährigen Menschen in den entwickelten Ländern bis 2030 um ein Drittel ansteigen und dadurch den Konsum sogar um 51% anwachsen lassen. Darüber hinaus werden ältere Menschen als gesellschaftliche Gruppe auch einen höheren Anteil am Gesamtvermögen besitzen; eine ideale Gelegenheit für Unternehmen, sich erfolgreich auf diese Bevölkerungsschicht zu fokussieren.

Wie können Arbeitgeber gemeinsam mit ihrer alternden Belegschaft erfolgreich sein?

Die Arbeitswelt umfasst bereits drei bis vier Generationen und diese Zahl wird noch zunehmen. Daher ist es für Unternehmen unerlässlich, sich anzupassen, um dieses Potenzial zu erschließen. Hierfür gibt es bereits Lösungen.

Intern orientierte Anpassung

Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Arbeitsbedingungen in Unternehmen für ältere Arbeitnehmer zu optimieren.

  1. Neudefinition der Arbeitszeitregelungen hin zu mehr Teilzeit- sowie flexibel gestaltbare Arbeitsmodelle (Home Office, Mobiles Arbeiten). Dies kann einen Beitrag zu einer erfahrenen und loyalen Belegschaft leisten.
  2. Arbeitsplätze müssen altersgerecht gestaltet werden. Bei einem globalen Automobilhersteller hatte dies den Einbau von hohen Stühlen, weicheren Holzböden in den Produktionslinien sowie die Einführung komfortablerer Uniformen zur Folge. Auf diese Weise wurden die vormals nur bedingt altersgerechten Arbeitsumgebungen für ältere Arbeitnehmer optimiert. Zudem wurden Roboter zur Arbeitsunterstützung entwickelt, die beispielsweise schwierige Hubaufgaben übernehmen. Dies schützt sowohl jüngere als auch ältere Mitarbeiter vor Verletzungen und bewahrt Unternehmen vor den damit verbundenen Kosten.
  3. Jede Generation besitzt eine eigene Vorstellung davon, was sinnvolle Arbeit ausmacht – und diesem Umstand muss Rechnung getragen werden. Grundlage dafür sollte ein Dialog zwischen Mitarbeitern und Management sein, der die individuelle Motivation eines jeden Einzelnen offen zu Tage fördert.  Ein US-amerikanisches Pharmaunternehmen hat beispielsweise ein Praktikantenprogramm für leitende Mitarbeiter / Mitarbeiter in Senior-Positionen gestartet, um somit den vorhandenen Erfahrungsschatz mit allen Unternehmensbereichen zu teilen, Fähigkeiten zu erhalten und Einstellungskosten zu senken.
  4. Mitarbeiterprozesse müssen auf den Prüfstand gestellt werden, um eine generationsübergreifende Arbeitskultur zu gewährleisten. Eine erfolgreiche und positive Reform der eigenen Unternehmenskultur bedarf der Bewertung aller geltenden HR-Prozesse unter generationsübergreifenden Gesichtspunkten, einschließlich des Recruitings, der Mitarbeiterententwicklung und -evaluation bis hin zum Thema Vergütung. Unserer Erfahrung nach muss dieser Kulturwechsel von oben nach unten geschehen, da Veränderungen dieser Größenordnung selten an der Basis ihren Ausgang nehmen.

Extern orientierte Anpassung

Die Transformation betrifft nicht nur die Arbeitswelt  – der demografische Wandel wirkt sich auch auf die Märkte aus, wodurch Unternehmen neu denken und handeln müssen, um dieses Potenzial zu nutzen.

  1. Produkt- und Dienstleistungsangebote müssen neu gestaltet oder neu ausgerichtet werden, um den Bedürfnissen der wachsenden Zahl älterer Verbraucher gerecht zu werden. Die Lösungen sind oft simpel – zum Beispiel hat eine multinationale Plattform für Mitfahrgelegenheiten kürzlich eine kostenlose Hotline für ältere Kunden eingerichtet, denen die Nutzung der App zu kompliziert bzw. nicht möglich war.
  2. Produkte müssen durch zielgerichtetes Marketing und Kommunikation flankiert werden. Traditionell werden ältere Menschen eher in einem schlechten Licht beworben. Im Kontrast dazu, bedarf es eines positiven, respektvollen Ansatzes, der über die klassische Werbung für ältere Menschen hinaus auf die Bedürfnisse und den Geschmack dieser aktiven Menschen eingeht. Dadurch kann die Loyalität des alternden Publikums gewonnen werden.

Der demografische Wandel ist in vollem Gange. Schnelles Handeln ist entscheidend, um die Vorzüge älterer Gesellschaftssgruppen zu nutzen, indem der wirtschaftliche Mehrwert aus dem Potenzial älterer Arbeitnehmer und ihrer Prioritäten, Fertigkeiten und Erfahrungen destilliert wird. BearingPoint kann Ihnen helfen, solche zukunftsweisenden Maßnahmen zu ergreifen und nachhaltige Lösungen zu schaffen, die nicht nur Ihrem Unternehmen, sondern auch weltweit Gesellschaften zugute kommen.

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