Im Interview mit Florian Schaller, Manager bei BearingPoint

Florian Schaller ist Manager bei BearingPoint am Standort Frankfurt. Er beschäftigt  sich beruflich intensiv mit unterschiedlichsten Nachhaltigkeitsfragestellungen im Industrie- und Bankenumfeld. Bei BearingPoint hat er die Gelegenheit, an zukunftsorientierten Themen zu arbeiten und gemeinsam mit Kunden deren Herausforderungen auf dem Weg zu mehr unternehmerischer Nachhaltigkeit zu lösen.

Dein Arbeitsalltag dreht sich rund um das Themengebiet Nachhaltigkeit. Wie sieht das Beratungsspektrum bei BearingPoint in diesem Bereich aus?


Kurz gesagt – extrem vielfältig: Wir beraten unsere Kunden zur Nachhaltigkeit im Wesentlichen aus einer transformatorischen und einer wirkungsorientierten Sichtweise. Bei transformatorischen Projekten arbeiten wir an der Ausrichtung hin zu einem nachhaltigeren Geschäftsmodell. Wir unterstützen z. B. bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie, der Ausgestaltung einer nachhaltigen Lieferkette und der Einhaltung der regulatorischen Anforderungen. Bei wirkungsorientierten Projekten beleuchten wir insbesondere die Themen Kreislaufwirtschaft, Biodiversität und die Anpassung an den Klimawandel.
Uns beschäftigt dabei immer eine ganzheitliche Sicht auf die Fragestellung, das heißt, wir belassen es nicht beim Schreiben von Konzepten, sondern beteiligen uns auch an der Umsetzung in den Prozessen und IT-Systemen.
 

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus? Mit welchen Themen beschäftigst du dich als Berater hier konkret?

Ich koordiniere unser Beratungsangebot im Bereich Nachhaltigkeit für Deutschland, Österreich und die Schweiz und firm-wide gemeinsam mit unseren anderen Ländereinheiten. Daneben bin ich mit meinem Team dafür verantwortlich, unsere Kunden zu Themen rund um die Nachhaltigkeitsberichterstattung zu beraten. Das reicht von der Unterstützung bei der Definition der Nachhaltigkeitsstrategie und der Bestimmung der wesentlichen Nachhaltigkeitsinformationen über die Ausgestaltung des Governance- und Organisationsmodells, der Beschreibung von Prozessen und Daten bis hin zur Toolauswahl und Tool Implementierung.

Hast du ein Herzensprojekt im Bereich Sustainability? Wenn ja, welches und aus welchem Grund?

Ein zentrales Herzensprojekt im eigentlichen Sinne habe ich nicht. Mir ist es wichtig, gemeinsam mit unseren Kunden, eine echte Veränderung für die Zukunft zu bewirken. Jetzt wird sich der eine oder andere skeptisch fragen, ob durch die reine Berichterstattung wirklich eine Veränderung bewirkt werden kann. Grundsätzlich ist diese Skepsis berechtigt, dass das reine Veröffentlichen von Informationen kein Unternehmen nachhaltiger macht. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass die Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeitsdaten und der Vergleich mit anderen Unternehmen bei vielen Kunden zu einem echten Umdenken geführt hat.

Welchen Beitrag leisten die Projekte, auf denen du eingesetzt bist, dabei, zu einem positiven Wandel beizutragen?

Ich würde sagen, es ist genau dieses gerade angesprochene Umdenken, welches den positiven Wandel auslöst.
Ein fiktives Beispiel: Wenn der Geschäftsführung im Rahmen des Nachhaltigkeitsreportings auffällt, dass das eigene Unternehmen in bestimmten Bereichen schlechter abschneidet als es bei Mitbewerbenden der Fall ist und man dann gemeinsam analysiert, warum das so ist und wie man sich verbessern kann – dann sind das oft die ersten kleinen Schritte auf dem Weg dahin, das eigene Geschäftsmodell unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten neu zu denken. 

Welche Einstiegsmöglichkeiten bietet dein Team Studierenden? Sind Vorkenntnisse im Bereich Nachhaltigkeit „nice to have“ oder ein „must have“?

Natürlich sind wir immer auf der Suche nach Absolvent:innen zur Verstärkung im Nachhaltigkeitsteam und bieten auch Einstiegsmöglichkeiten für Praktikant:innen und Werkstudierende an. Am besten ist es meiner Erfahrung nach, wenn Studierende neben Sustainability auch noch weitere Interessensgebiete haben und offen dafür sind, auch an anderen Themen zu arbeiten. Das ist insbesondere daher wichtig, da Nachhaltigkeit in so gut wie jedem Bereich eines Unternehmens eine Rolle spielt. 
Vorkenntnisse und Erfahrung im Bereich Nachhaltigkeit sind natürlich ideal – aber auch Personen mit einem anderen professionellen Background, welche sich zukünftig mit Nachhaltigkeitsaspekten ihrer Spezialisierung beschäftigen wollen, sind gerne gesehene Bewerber:innen. Zusammengefasst sind Vorkenntnisse im Bereich Nachhaltigkeit in meinem Bereich also in der Regel mehr ein „nice to have“ statt ein absolutes „must have“.

In welchen fachlichen Themengebieten möchtest du dich bei BearingPoint in Zukunft gerne weiterentwickeln und warum?

Nachhaltigkeit wird oft in die drei Säulen Ökologie, Soziales und Ökonomie bzw. Governace unterteilt. Der Bereich der Ökologie ist dabei am weitesten entwickelt und es gibt einen mehr oder weniger breiten Konsens. Im sozialen Bereich sehe ich das größte Potential und damit auch die Möglichkeit sich noch eine persönliche Nische aufzubauen. Gleichzeitig entwickelt sich das regulatorische Umfeld im Bereich der Nachhaltigkeit weiterhin sehr dynamisch, sodass die Zeit, welche mir neben der Projekt- und Koordinationsarbeit bleibt, gut investiert ist, um in meinen heutigen Fokusthemen am Ball zu bleiben.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich persönlich?

Für mich persönlich geht es bei Nachhaltigkeit tatsächlich vor allem um das bewusste Treffen und Hinterfragen von Entscheidungen. Tue ich Dinge auf eine bestimmte Art und Weise, nur weil es bequem oder eingespieltes Verhalten ist oder gibt es tatsächlich relevante Gründe? Ich habe für mich dadurch festgestellt, dass ich doch viele Dinge (noch) unbewusst nicht-nachhaltig tue, obwohl die nachhaltige Alternative, mit zugegeben manchmal minimalen Einschränkungen, ebenso naheliegend gewesen wäre. Reflektion ist hier denke ich der erste Schritt für jede:n Einzelne:n.