Steigende Kostenstrukturen, der demografisch bedingte Verlust von Expertenwissen und die zunehmende Komplexität historisch gewachsener IT- und Netzlandschaften setzen etablierte Betriebsmodelle unter Druck. Klassische Effizienzprogramme stoßen dabei an ihre Grenzen: Sie liefern nur noch inkrementelle Verbesserungen, während Margen weiter unter Druck geraten und qualifizierte Fachkräfte zunehmend schwer verfügbar sind.
Das aktuelle BearingPoint White Paper „Agentic AI: A Game Changer for European Telco Network Rollouts“ zeigt, wie Telcos den Paradigmenwechsel meistern können. Agentic AI ermöglicht es, den Netzwerkausbau signifikant zu beschleunigen und gleichzeitig Kosten, Komplexität und Fachkräftemangel zu überwinden. Statt passiver Tools bringt Agentic AI „digitale Arbeitskräfte“ ins Spiel – autonome, kollaborative und lernfähige Agenten, die Routine- und Analyseaufgaben in Maschinen-Geschwindigkeit übernehmen, während Expert:innen sich auf Strategie und Steuerung konzentrieren.
Agentic AI revolutioniert den Netzwerkausbau, indem es „digitale Arbeitskräfte“ in operative Prozesse integriert. Diese intelligenten Agenten übernehmen Aufgaben wie Validierung, Genehmigung, Orchestrierung und Optimierung – und arbeiten in Multi-Agenten-Systemen eng mit Menschen zusammen. Das Ergebnis: automatisierte Workflows, schnellere Entscheidungen und dynamische Ressourcenzuweisung. So wird der Rollout von 5G- oder Glasfasernetzen nicht nur schneller und präziser, sondern auch agiler und höher skalierbar.
Um das Potenzial von Agentic AI strukturiert und schnell zu erschließen, hat BearingPoint ein praxisorientiertes Modell entwickelt. Die folgenden vier Bausteine bilden dabei eine klare Roadmap für Unternehmen ab:

Abbildung 1: BearingPoint-Framework für eine erfolgreiche Agentic-AI-Transformation
Trotz wachsender Aufmerksamkeit befinden sich die meisten europäischen Telekommunikationsunternehmen noch in den frühen Phasen der Nutzung und Ausschöpfung von Agentic AI. Eine BearingPoint-Benchmark-Studie mit mehreren Telcos zeigt: Die durchschnittliche Maturity liegt bei nur 8-9 von 24 möglichen Punkten. Selbst die Vorreiter erreichen weniger als 50 Prozent der Punktzahl über Agentic AI Reifegrad-Dimensionen hinweg, während Nachzügler unter 25 Prozent bleiben. Die Branche hat die Grundlagen gelegt, steckt aber noch in der „Pilot-Purgatory“ fest. Wer jetzt handelt, sichert sich einen entscheidenden Vorsprung.

Ein aktuelles BearingPoint Pilotprojekt zeigt eindrucksvoll, wie Agentic AI den Netzrollout beschleunigt: Bis zu 90 Prozent der Prüfungen im Rahmen von HLD- und LLD-Reviews wurden von intelligenten Agenten übernommen, die bereits signifikante Ergebnisse erzielen:

Unter Agentic AI verstehen wir digitale Mitarbeiter, die sich in die Prozesse einbringen und symbiotisch mit den menschlichen Mitarbeitenden zusammenarbeiten. Dabei ist das Potenzial enorm, denn jede übernommene Aufgabe skaliert im Massenrollout hundert- oder tausendfach. KI-Agenten rechnen sich meist bereits nach wenigen Wochen. Doch trotz der beträchtlichen Möglichkeiten, steht die Branche noch ganz am Anfang.
Julius Hafer, Partner bei BearingPoint und Telekommunikationsexperte