Während Konzepte der Privatwirtschaft Behörden mehr Agilität verleihen sollen, muss das „Brot-und-Butter-Geschäft“ der Behörden „einfach funktionieren“. Dabei zeigen sich schon in grundlegenden Begriffen („Kundinnen und Kunden“, „Start Up-Kultur“, „Investition“, „Risiko“, „Markt“) tiefe Verständnisunterschiede zwischen Unternehmen und Behörden. Sind also die Anforderungen an „funktionierende Bürokratie“ und „Agilität“ für eine Behörde vereinbar oder widersprüchlich? Woran können Behörden arbeiten, um agiler zu werden?
Wesentliche Merkmale von Behörden wurden bereits von Max Weber, einem der Gründungsvätern der deutschen Soziologie, in seiner Definition von „Bürokratie“1 festgehalten:
Diese Prinzipien sichern Verlässlichkeit und Rechtskonformität, können aber bei dynamischen Anforderungen zu starren Prozessen führen.
Agilität ist insbesondere bei typischen Herausforderungen der Bürokratie gefordert:
Behörden können Agilität durch hohe Projektfähigkeit, aktive interne und externe Vernetzung, bereichsübergreifende Prozessorientierung sowie spezifische agile Organisationsformen (Holacracy, Spotify-Modell etc.) ausbauen. Dabei stehen jedoch „Bürokratie“ und „Agilität“ mitunter im Konflikt:
Bei der Zusammenarbeit von Teams in Projekten, Arbeitsgruppen und auch agilen Organisationsmodellen können die bestehenden „Zuständigkeitsgrenzen“ überbrückt werden, wobei die Schnittstelle zur „Linienorganisation“ konfliktreich bleibt.
In selbstorganisierten Teams wird die klare, bürokratische Zuordnung persönlicher Verantwortung diffus: Dort wird, unabhängig von der (hierarchischen) Herkunft, gemeinsam entschieden, Projekt- und Prozessrollen sind fluide.
Agile Organisationsformen verteilen klassische Führungsaufgaben (Personalführung, disziplinarische Führung, fachliche Entscheidungen, Prozessverantwortung) auf mehrere Personen sowie teilweise auf „selbstorganisierte“ Teams. Damit gehen die personenscharfe Zurechnung von Verantwortung und die hierarchische Einordnung verloren.
Agiles Arbeiten erfordert für die agilen Teams und für die fachlichen Netzwerke ein organisationsweites Wissensmanagement sowie effizienten Zugang zu Wissen als auch Informationen.
Personalentwicklung kann sich nicht allein an „Laufbahnen“ orientieren, sie muss die Mitarbeitenden für agile Arbeitsformen qualifizieren und gleichzeitig deren professionelle Entwicklung durch die agile Arbeit einordnen, bewerten sowie in der Laufbahnentwicklung berücksichtigen.
Für die agile Aufstellung von Behörden sind Arbeiten an Geschäftsprozessen, der Geschäftsordnung, in der Organisations- und Personalentwicklung sowie im Wissensmanagement erforderlich:
Agilität ist kein Widerspruch zur Bürokratie, sondern eine notwendige Ergänzung, um Behörden zukunftsfähig zu machen. Wer frühzeitig die richtigen Strukturen schafft, sichert Effizienz, Innovationskraft und Handlungsfähigkeit.
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Agilität in Behörden bedeutet, Abläufe und Instrumente kontinuierlich zu optimieren und flexibel an neue gesetzliche Vorgaben, technologische Innovationen oder veränderte Kundenerwartungen anzupassen. Ziel ist es, schneller und effizienter auf Veränderungen reagieren zu können.
Bürokratie basiert auf klaren Zuständigkeiten, festen Strukturen und personenscharfer Verantwortung. Agilität hingegen setzt auf selbstorganisierte Teams, fluide Rollen und bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Dadurch entstehen Schnittstellenkonflikte zwischen Linienorganisation und agilen Projekten.
Zu den typischen Herausforderungen gehören: Auflösung klassischer Zuständigkeitsgrenzen, Diffuse persönliche Verantwortung in selbstorganisierten Teams, Verteilung von Führungsaufgaben auf mehrere Rollen, Bedarf an organisationsweitem Wissensmanagement und Anpassung der Personalentwicklung an agile Arbeitsformen
Behörden können agile Organisationsformen wie Holacracy oder das Spotify-Modell nutzen. Diese Modelle fördern Selbstorganisation, verteilen Führungsaufgaben und ermöglichen flexible Zusammenarbeit über Hierarchiegrenzen hinweg.
Die Personalentwicklung muss Mitarbeitende für agile Rollen qualifizieren und gleichzeitig sicherstellen, dass ihre Arbeit in der agilen Organisation bei Laufbahnentwicklung und -bewertung berücksichtigt wird.
1 Definition von "Bürokratie" nach Max Weber. Entnommen von https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/buerokratie-29945