• Februar 2026

Multi-Access Edge Computing (MEC) ist längst kein Nischenthema mehr, sondern entwickelt sich zum zentralen Baustein der digitalen Infrastruktur Europas. Was einst als technologische Fortführung der 5G Evolution begann, hat sich zu einem strategisch relevanten Wachstumsfeld entwickelt: Branchenübergreifend steigt der Bedarf an niedrigen Latenzen, hoher Zuverlässigkeit, regionaler Datenverarbeitung und resilienten Architekturen. Für Telekommunikationsanbieter entsteht damit ein seltenes Momentum – ein wachsender Markt mit vergleichsweise niedrigen Eintrittsbarrieren, der sich zu einem der wichtigsten Wachstumstreiber der nächsten Dekade entwickeln kann.


MEC – die logische Fortsetzung der 5G-Entwicklung

Edge Computing ist ursprünglich aus der Weiterentwicklung der Telekommunikationsnetze hervorgegangen. Die wachsende Nachfrage nach Edge‑Technologien entsteht aus dem Zusammenspiel von 5G und MEC – eine Symbiose, die neue Leistungsdimensionen ermöglicht:

  • extrem niedrige Latenzen,
  • hohe Zuverlässigkeit,
  • verbesserte Sicherheit,
  • erhebliche Effizienzgewinne.

Damit bildet MEC die technologische Grundlage für anspruchsvolle Anwendungen wie industrielle IoT‑Setups, Echtzeit‑Analysen, vernetzte Mobilität oder Smart‑City‑Dienste.

Explosion der Marktnachfrage: ein 35-Prozent-Wachstumspfad

Marktanalysen von BearingPoint zeigen, dass die Nachfrage nach Edge Computing stark steigt und das Marktvolumen bis 2035 mit rund 35 Prozent jährlich deutlich schneller wächst als klassische Telekommunikationsservices. Bereits 2030 wird Edge Computing etwa 5 Prozent, bis 2035 sogar 18 Prozent des Telco‑Services‑Marktes ausmachen. Für Telcos bedeutet dies langfristig ein massives Umsatzpotenzial, insbesondere weil bestehende Assets bereits einen Großteil der Grundlagen für Edge‑Services abdecken.

Strategischer Handlungsdruck für Telcos

Telcos müssen ihre strategische Position am Edge jetzt sichern: Während Hyperscaler zwar die Cloud dominieren, fehlt ihnen die flächendeckende Infrastruktur, die Telekommunikationsanbieter bereits besitzen – ein klarer Standortvorteil. Gleichzeitig wächst der Bedarf vertikaler Industrien rasant, und wer seine Claims nicht früh setzt, riskiert, dass alternative Technologien wie beim autonomen Fahren dominieren, wo Anbieter wie Waymo verstärkt auf Onboard‑Sensing statt MEC setzen.

 

Wertschöpfungspotenziale entlang der Telco-Assets

  • Edge Infrastructure als natürlicher Einstiegspunkt: Nutzung bestehender Standorte, Rechenzentren und Transportnetze für Colocation, Edge‑Server‑Hosting, ortsnahe Rechenkapazitäten und Data‑Sovereignty‑Services.
     
  • IoT-, Daten- und Mobilitätskompetenzen als Wachstumstreiber: IoT‑Plattformen, Sensorik, Mobilitäts‑ und Verkehrsdaten sowie Analytics schaffen die Grundlage für Anwendungen wie Flottenmanagement, Smart Mobility oder industrielle Automatisierung.
     
  • Geschäftliche Effekte durch Edge‑native Services: Edge verbessert Latenz, entlastet das Netzwerk und stärkt sowohl Umsatzpotenziale als auch Kundenerlebnis.

Vierstufiges Framework zur Erschließung des Edge-Geschäfts

Ein strukturiertes Vorgehen ermöglicht es Telcos, neue Edge‑Geschäftsmodelle systematisch zu identifizieren und zu monetarisieren. Damit können sie frühzeitig und zielgerichtet in lukrative Segmente wie Industrieservices, Smart Cities oder Connected Mobility einsteigen.

Abbildung: Edge Opportunity Explorer Framework

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abbildung: Edge Opportunity Explorer Framework; Quelle: BearingPoint

Julius Hafer, Partner bei BearingPoint und Telekommunikationsexperte

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Diskussion um digitale Souveränität gewinnt die Bedeutung lokaler Rechenzentren zusätzlich an Relevanz: Multi-Access Edge Computing kann einen wesentlichen Beitrag leisten, indem es datenhoheitliche, regulatorisch konforme und zugleich leistungsfähige Rechenkapazitäten nahe am Entstehungsort oder Verwendungsort der Daten bereitstellt. Der Edge‑Markt wächst schneller als jeder andere infrastrukturnahe Technologiesektor im Telco‑Umfeld, doch die Industrie gibt aktuell das Tempo vor. Telcos, die jetzt nicht in Infrastruktur, Ökosysteme und datenbasierte Edge‑Services investieren, verlieren entscheidende Marktanteile an Hyperscaler oder alternative Ansätze.

Julius Hafer, Partner bei BearingPoint und Telekommunikationsexperte

Handlungsempfehlungen

Um von den dynamisch wachsenden Edge‑Märkten zu profitieren, sollten Telcos folgende Schritte priorisieren:

  • Marktposition früh sichern: Claims in flächenintensiven Edge‑Anwendungen zeitnah setzen.
  • Partnerschaften strategisch wählen: Kooperationen nutzen, ohne Aufstieg in die Wertschöpfung zu blockieren.
  • Ökosystem aktiv gestalten: Infrastruktur, Plattformen, Daten und Services ganzheitlich denken.
  • Daten gezielt nutzen: Mobilitäts‑, Netz‑ und IoT‑Daten als differenzierendes Kernasset einsetzen.
  • Business Cases früh prüfen: Prototyping und modulare Investments beschleunigen Markteintritt und Time‑to‑Value.

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