• April 2024

April 2024

Die Ausgliederung von Funkturmgesellschaften ist weitestgehend abgeschlossen.

Im Zentrum der Telekommunikationsinfrastruktur stehen Funkturmgesellschaften, auch “TowerCos” (eng. Tower Company) genannt. Diese meist unabhängigen Unternehmen, darunter prominente Akteure wie Vantage Towers AG, Deutsche Funkturm GmbH (DFMG), Cellnex und American Tower Corporation (ATC), konzentrieren sich auf den Aufbau sogenannter „passiver“ Infrastruktur. Dies umfasst in der Regel freistehende Mobilfunktürme, aber auch Mastkonstruktionen auf Häuserdächern oder an Wänden. Ergänzend dazu liegt meist die Verantwortung für den Ausbau „aktiver“ Mobilfunkinfrastrukturen, die Sende- und Empfangstechnik in Form von Antennen umfassen, bei den Telekommunikationsanbietern selbst.

In den letzten Jahren hat sich der Markt für unabhängige Funkturmgesellschaften stark entwickelt. Dies ist auf die strategische Entscheidung einiger Telekommunikationsanbieter zurückzuführen, ihr Geschäft mit passiver Infrastruktur zu veräußern, um ihre finanzielle Position zu stärken. Durch den Verkauf von Anteilen an den hauseigenen TowerCos können Telekommunikationsunternehmen wie Vodafone, Deutsche Telekom oder Telefónica kurzfristig Liquidität schaffen und Vermögenswerte monetarisieren. Bei einer teilweisen Veräußerung bleibt zudem die Kontrolle über die passive Infrastruktur in Teilen bei den jeweiligen Telekommunikationsanbietern.

Der Trend der Gründung von TowerCos und der Verkauf von Funkturmanteilen an unabhängige Infrastrukturgesellschaften ist nicht nur seit geraumer Zeit in der DACH-Region zu beobachten, sondern auch in anderen geografischen Regionen. Unternehmen wie ATC, SBA Communications und Cellnex haben in verschiedenen Ländern ähnliche Entwicklungen vorangetrieben. Der Trend zeigt, dass die Auslagerung von Mobilfunkinfrastruktur an spezialisierte Unternehmen eine global anerkannte Praxis ist – sichtbar am stetig wachsenden Anteil von Outsourcing von Funktürmen.

Split of towers: outsourced vs. self-hosted


Stehen die TowerCos vor einer Zeitwende?

Trotz des scheinbar positiven Trends hin zur Gründung von TowerCos, zeichnete sich jüngst bei einem signifikanten Teil aller TowerCos eine negative Entwicklung ab, die sich in sinkenden Aktienkursen bemerkbar macht. Aufgrund dessen liegt der Fokus vieler Funkturmgesellschaften nun darauf, diesem Trend entgegenzuwirken und ihre Profitabilität zu erhöhen.

TowerCo Share Price Index

Julius Hafer, Partner bei BearingPoint

TowerCos befinden sich nach jüngsten Entwicklungen nicht mehr in der Gründungsphase. Der Fokus liegt jetzt demensprechend auf der Operational Exellence der Funkturmgesellschaften. Das betrifft sowohl die Nutzung von Potenzialen zur Umsatzsteigerung - wie die Schaffung neuer Umsatzformen oder die Erhöhung der Tenancy Ratio - als auch zur Kostenminimierung durch effektives Kostenmanagement und Optimierung der Kostenstrukturen.

Julius Hafer, Partner bei BearingPoint

TowerCos stehen unter Profitabilitätsdruck

Eine Reihe von Faktoren beeinflusst diese Entwicklung. Die Identifizierung dieser Faktoren kann dazu beitragen, Potenziale zu erkennen, die diesem Trend entgegenwirken können.

Zinssätze

Anteile an TowerCos sind aufgrund ihres stabilen Geschäftsmodells und langfristiger Verträge mit Mobilfunkanbietern eine solide und als risikoarm geltende Investition. Sie zahlen regelmäßig Dividenden an ihre Aktionäre aus. In Zeiten niedriger Zinsen erweisen sich TowerCos als attraktive Anlageoption, da sie eine höhere Rendite im Vergleich zu anderen konservativen Anlageformen wie Tagesgeldkonten bieten, jedoch ein geringeres Risiko als volatilere Industrien aufweisen. Dies ist besonders für institutionelle Anleger attraktiv, die auf langfristig stabile Renditen abzielen. Nach der langen Niedrigzinsphase wurde allerdings bekanntermaßen im vergangenen Jahr ein signifikanter Anstieg der Zinssätze weltweit verzeichnet. Dieser Anstieg kann die Attraktivität von TowerCo-Aktien im Vergleich zu anderen Anlageformen beeinflussen und zu den beobachteten sinkenden Aktienkursen beitragen.

Inflation

Die Inflationsrate hat ebenfalls signifikante Auswirkungen auf den Aktienkurs von TowerCos. Insbesondere in den vergangenen Jahren konnte global gesehen ein signifikanter Anstieg der Inflationsrate beobachtet werden. In einem Umfeld hoher Inflation verlieren TowerCo-Wertpapiere an Attraktivität, da sie nicht in der Lage sind, die Inflationsrate zu übertreffen. Ähnlich wie bei steigenden Zinssätzen neigen Anleger dazu, sich von Wertpapieren mit geringer Rendite zu trennen und stattdessen nach Wertpapieren mit höherer Rendite zu suchen, die ein erhöhtes Wachstumspotenzial aufweisen, jedoch auch mit einem höheren Risiko verbunden sind. Dies kann ebenfalls zu einem Rückgang der Nachfrage und demnach des Preises von Wertpapieren mit geringer Rendite führen, während Wertpapiere mit höherer Rendite an Wert gewinnen.

Investoren

Institutionelle Anleger wie Pensionsfonds, Versicherungen oder Staatsfonds stellen einen bedeutenden Anteil der Investoren von TowerCos dar. Sie streben langfristige und stabile Renditen an und übernehmen in einigen Fällen eine aktive Rolle, indem sie einen erheblichen Anteil an TowerCos erwerben. Dies ermöglicht es ihnen, einen maßgeblichen Einfluss auf das operative Geschäft auszuüben und sicherzustellen, dass die erwartete Rendite auf ihre Investitionen erzielt wird. Investoren legen daher nicht nur Wert auf die Generierung von Erträgen, sondern auch auf die Fähigkeit der Funkturmgesellschaften, ihre Kosten nachhaltig zu senken, ihre Effizienz zu steigern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Dies trägt dazu bei, die langfristige Profitabilität der Unternehmen zu verbessern. Durch die genannten Markttrends sehen sich strategische Investoren mehr und mehr unter Druck ihre Investments enger zu überwachen. Dies führt zu einem stärkeren Einbringen ins Tagesgeschäft aber auch einem noch stärker KPI-basiertem Managementstil. Kennzahlen müssen kurzfristig optimiert werden, was den Druck auf eine Verbesserung der operativen und finanziellen Kennzahlen erhöht.

Marktkonsolidierung

In den vergangenen Jahren erlebte der Markt für Telekommunikationsinfrastruktur eine intensive Konsolidierung. Als einer der führenden Akteure in diesem Bereich hat die American Tower Corporation, beispielsweise, ihre Marktpräsenz durch gezielte strategische Akquisitionen weiter gestärkt. Übernahmen als Teil der verstärkten Marktkonsolidierung betonen die Notwendigkeit für TowerCos, umfassende Profitoptimierungen vorzunehmen. Der Gesamtmarkt befindet sich in einer Phase, in der derartige Anpassungen unabdingbar sind, um die Wettbewerbsfähigkeit aufrechtzuerhalten. 

Baukosten

TowerCos sind in erheblichem Maße von Rohstoffpreisen abhängig, insbesondere von Beton und Stahl, die wesentlichen Bestandteile für den Bau und die Wartung der Anlagen. In jüngster Zeit verzeichneten die Rohstoffpreise einen signifikanten Anstieg, was zu einer Erhöhung der Materialkosten für den Ausbau der Telekommunikationsinfrastruktur führte.

Betriebskosten

Zusätzlich zu den gestiegenen Baukosten, müssen TowerCos ebenso für den in der Gesamtentwicklung gestiegenen Nominallohn in den vergangenen Jahren aufkommen. Die kontinuierliche Betriebsanforderung von Infrastrukturen wie Antennen und Basisstationen macht TowerCos zudem stark stromabhängig. Infolgedessen führen die in den letzten Jahren gestiegenen Strompreise zu einer erheblichen Erhöhung der Betriebskosten dieser Unternehmen.  

Für eine Umsatzsteigerung der TowerCos muss das Kerngeschäft erweitert werden

Potenzielle Strategien, die von TowerCos in Betracht gezogen werden können, um ihre Umsätze zu steigern, umfassen folgende Aspekte:

  1. Erschließung von New Sites
  2. Aufrüstung bestehender Funktürme
  3. Erhöhung der Tenancy Ratio
  4. Optimierung der Nutzung überschüssiger Flächen auf Grundstücken/Gebäuden (Werbung, Solaranlagen, Windräder, etc.)
  5. Bereitstellung von Edge Computing Infrastruktur

Kurz- und langfristig müssen TowerCos ihre laufenden Kosten reduzieren

Für eine unmittelbare Leistungssteigerung sind kurz- bis mittelfristige Kosteneinsparpotenziale von maßgeblicher Bedeutung. Die folgenden Potenziale stellen einige der verfügbaren Möglichkeiten dar. 

  1. Steigerung der Energieeffizienz
  2. Preventive Maintenance
  3. Kooperationen mit externen Unternehmen und lokalen/städtischen Telekommunikationsinfrastrukturanbietern
  4. Automatisierung von Prozessen
  5. Verhandlung von Lieferantenverträgen
  6. Optimierung der Funkturmstandorte
  7. Reduktion von Leerlaufzeiten

Unser Fazit

Unsere Analyse der Branche für passive Telekommunikationsinfrastruktur zeigt eine deutliche Marktkonsolidierung und eine verstärkte Übertragung der Mobilfunkinfrastruktur an unabhängige Funkturmgesellschaften. Diese Entwicklung ermöglicht es Telekommunikationsanbietern, durch den Verkauf von Funkturmanteilen Liquidität zu generieren und ihre finanzielle Flexibilität zu steigern. Trotz eines allgemein positiven Branchentrends mussten viele TowerCos in den vergangenen Jahren einen Rückgang der Aktienkurse hinnehmen, was die Notwendigkeit eines verstärkten Fokus auf die Steigerung der Profitabilität verdeutlicht.

Externe wirtschaftliche Faktoren wie die Entwicklung von Zinssätzen und Inflationsraten beeinflussen maßgeblich die Attraktivität von TowerCo-Aktien. Institutionelle Investoren, die auf langfristig stabile Renditen abzielen, erhöhen weiter den Druck auf die TowerCos, ihre Effizienz zu steigern und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Im Zuge dessen müssen TowerCos Wege finden, sich in einem wettbewerbsintensiven Markt durch gezielte strategische Maßnahmen nachhaltig zu behaupten.

Mehr Details zu dieser Thematik finden Sie in unserem White Paper, das wir Ihnen am Ende dieser Webseite zum Download zur Verfügung stellen.
 

Bibliographie

Eine Branche im Wandel: TowerCos unter Profitabilitätsdruck

  • TowerCos unter Profitabilitätsdruck
    TowerCos unter Profitabilitätsdruck 2.1 MB Download

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