Die Wallet, offiziell auch als EU Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) bezeichnet, ist eine staatlich zertifizierte digitale Anwendung, mit der Nutzende digitale Nachweise sicher speichern, authentifizieren, signieren und teilen können. Und das sowohl online als auch offline. Sie vereint Ausweisdokumente, Führerscheine, Zertifikate und zahlungsbezogene Nachweise in einer einzigen vertrauenswürdigen digitalen Lösung, die nahtlos über Ländergrenzen hinweg und in unterschiedlichen Diensten genutzt werden kann.
Aufbauend auf nationalen Initiativen wie „MyGov.be“ in Belgien, „mObywatel“ in Polen und „eAusweise“ in Österreich bündelt die Wallet bestehende Ansätze unter einem gemeinsamen europäischen Rahmen. Bis 2026 muss jeder Mitgliedstaat mindestens eine zertifizierte Wallet bereitstellen, die strenge Sicherheits- und Datenschutzanforderungen erfüllt und mindestens einen zentralen Nachweis enthält, wie einen Reisepass, Personalausweis oder Führerschein.
Öffentliche Behörden werden die Wallet bis Ende 2026 akzeptieren müssen. Ab 2027 wird die verpflichtende Nutzung schrittweise auf ausgewählte Anwendungsfälle im privaten Sektor ausgeweitet. Vertrauenswürdige Drittparteien wie Banken, Universitäten und Arbeitgeber werden dann digitale Nachweise direkt in die Wallet ausstellen können.
In den folgenden Abschnitten betrachten wir fünf besonders relevante Anwendungsfälle aus den Bereichen Mobilität, konsularische Dienste, Öffentliche Verwaltung, Gesundheitswesen und Zahlungsverkehr. Sie zeigen, wie die EUDI-Wallet konkrete Herausforderungen im Alltag löst, die Nutzererfahrung verbessert und neue Möglichkeiten für sichere digitale Interaktionen über Ländergrenzen hinweg eröffnet.
Die Fahrzeugzulassung ist in Europa nach wie vor stark fragmentiert und vielfach von persönlicher Vorsprache sowie papierbasierten Verfahren geprägt. Mit der i-Kfz-App verfügt Deutschland bereits über eines der ersten Systeme in Europa, das einen praxisnahen digitalen Fahrzeugnachweis bereitstellt. Dazu gehören unter anderem automatische Statusaktualisierungen, Erinnerungen an fällige Hauptuntersuchungen sowie die zeitlich begrenzte Freigabe von Dokumenten. Dank der Berücksichtigung von Interoperabilität und technischer Standards bietet dieser Ansatz eine solide Grundlage für die Weiterentwicklung digitaler Fahrzeugnachweise. Aufbauend auf solchen nationalen Lösungen könnte ein europaweit standardisierter Ansatz zur grenzüberschreitenden Anerkennung von Nachweisen im Rahmen der EUDI-Wallet den Verwaltungsaufwand für Bürger:innen, Unternehmen und Behörden deutlich reduzieren und sicherstellen, dass digitale Fahrzeugdokumente mit den Anforderungen des grenzüberschreitenden Reisens und der internationalen Logistik Schritt halten.
Mit der EUDI-Wallet könnten Fahrzeughalter:innen ein Fahrzeug einmalig unter Verwendung ihrer verifizierten Identität sowie digital signierter, von Behörden ausgestellter Nachweise registrieren. Die digitalen und überprüfbaren Nachweise könnten in der Wallet sicher gespeichert und in der gesamten EU anerkannt werden. Wiederholte Anträge, Papierdokumente oder beglaubigte Übersetzungen würden damit weitgehend entfallen.
Unternehmen könnten grenzüberschreitende Fahrzeugverkäufe und Vermietungen vollständig digital abwickeln. Privatpersonen hätten die Möglichkeit, Familienmitgliedern, Werkstätten oder potenziellen Käuferinnen und Käufern zeitlich begrenzten Zugriff auf ihre Zulassungsbescheinigung zu gewähren und diesen bei Bedarf jederzeit wieder zu entziehen.
Behörden könnten dieselben standardisierten Nachweise online wie offline prüfen. Das würde den manuellen Prüfaufwand verringern, Betrugsrisiken reduzieren und gleichzeitig einen reibungsloseren Personen- und Warenverkehr innerhalb Europas ermöglichen.
Kurz gesagt: Ein sicheres, europaweit anerkanntes digitales Zertifikat könnte künftig eine Vielzahl nationaler Dokumente und Verwaltungsprozesse ersetzen.
Unser Vorschlag: Eine EUDI-Wallet, die Folgendes ermöglicht
Ein Person mit belgischer Staatsangehörigkeit kauft ein Fahrzeug in Deutschland. Anstatt sich durch zwei unterschiedliche nationale Systeme arbeiten zu müssen, erfolgt die Authentifizierung über die EUDI-Wallet. Die Zulassung wird vollständig digital abgeschlossen und ein europaweit anerkannter digitaler Fahrzeugnachweis ausgestellt. Bei einer Fahrt durch Frankreich kann dieser Nachweis den zuständigen Behörden vorgelegt werden, ganz ohne Papierdokumente, Übersetzungen oder zusätzliche Wartezeiten.
Ein europaweiter digitaler Ansatz für die Fahrzeugzulassung würde Behördengänge vor Ort weitgehend überflüssig machen, Zulassungsverfahren beschleunigen und den administrativen Aufwand deutlich reduzieren. Grenzüberschreitende Fahrzeugverkäufe, Vermietungen und Versicherungsprozesse könnten einfacher und effizienter abgewickelt werden. Gleichzeitig würden doppelte Prüfungen und papierbasierte Prozesse entfallen, was sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen Zeit und Kosten spart.
Auch Behörden würden profitieren: Standardisierte digitale Nachweise ermöglichen schnellere und verlässlichere Prüfungen, steigern die Effizienz der Verwaltung, stärken das Vertrauen in digitale Prozesse und erschweren Betrugsversuche.
In Krisensituationen wie Naturkatastrophen, politischen Unruhen oder großflächigen Störungen des Verkehrs müssen konsularische Dienste Identitäten schnell und mit hoher Sicherheit überprüfen können. Eine verlässliche Identitätsprüfung ist entscheidend, um Notfallreisedokumente auszustellen, Evakuierungen zu koordinieren und dringend benötigte Unterstützung bereitzustellen.
Heute sind diese Prozesse häufig noch auf physische Dokumente, manuelle Prüfungen und voneinander getrennte Systeme angewiesen. Gehen Dokumente verloren oder werden zerstört und können nationale Systeme nicht reibungslos miteinander kommunizieren, entstehen oft Verzögerungen genau dann, wenn jede Minute zählt.
Die EUDI-Wallet könnte in Notfällen einen sicheren, grenzüberschreitenden Kanal für die digitale Identitätsprüfung bereitstellen. Staatlich ausgestellte Nachweise wie Reisepässe, Personalausweise oder Aufenthaltstitel könnten in der Wallet gespeichert und als digital signierte Daten direkt aus vertrauenswürdigen Quellen bereitgestellt werden.
In der Praxis könnten konsularische Mitarbeitende die Identität von Staatsangehörigen oder Einwohnern innerhalb weniger Minuten verifizieren und bei der Ausstellung von Notfallreisedokumenten, der Organisation von Evakuierungen oder dem Zugang zu finanzieller Unterstützung helfen, ohne auf physische Dokumente angewiesen zu sein. Dabei würden stets nur die tatsächlich erforderlichen Informationen geteilt, wodurch sowohl schnelle Abläufe als auch ein hohes Datenschutzniveau gewährleistet werden.
Unser Vorschlag: Eine EUDI-Wallet, die Folgendes ermöglicht
Nach einem Erdbeben, bei dem Wohnungen sowie physische Ausweisdokumente zerstört werden, können konsularische Behörden in anderen EU-Mitgliedstaaten betroffenen Personen Notfallausweise und Reiseberechtigungen direkt auf das Smartphone über die EUDI-Wallet bereitstellen. Die Identität wird anhand der in der Wallet gespeicherten Pass- oder Ausweisdaten verifiziert. Die temporären Dokumente werden digital signiert und können bei Grenzkontrollen oder gegenüber Transportunternehmen verwendet werden. Dadurch werden papierbasierte Verfahren durch eine sofortige und sichere digitale Verifizierung ersetzt, selbst dann, wenn die Netzverbindung vorübergehend ausfällt.
Ein europaweiter digitaler Ansatz kann die Reaktionsfähigkeit konsularischer Dienste in Krisensituationen erheblich verbessern und gleichzeitig die Einhaltung europäischer Sicherheits- und Vertrauensstandards gewährleisten. Personen, die ihre Ausweisdokumente im Ausland verlieren, können ihrem Konsulat einen digital signierten Reisepass oder Personalausweis aus der EUDI-Wallet zur Verfügung stellen. Die zuständigen Behörden können die Angaben aus der Ferne verifizieren und notwendige Hilfsmaßnahmen wie die Ausstellung von Notfallreisedokumenten oder Evakuierungsgenehmigungen veranlassen, ohne auf papierbasierte Prozesse angewiesen zu sein. Dabei werden ausschließlich die für den jeweiligen Zweck erforderlichen Informationen geteilt, beispielsweise Name, Staatsangehörigkeit und Gültigkeit des Dokuments.
Der Zugang zu Gesundheitsdaten ist in Europa nach wie vor stark fragmentiert. Medizinische Informationen werden überwiegend in nationalen Datensilos gespeichert, Einwilligungsregelungen unterscheiden sich von Land zu Land, und Gesundheitseinrichtungen tauschen Informationen häufig noch über PDF-Dokumente oder Ausdrucke aus. Diese Zersplitterung verlangsamt die medizinische Versorgung, erschwert die Einholung von Zweitmeinungen und erhöht das Risiko, dass sensible Gesundheitsdaten umfassender weitergegeben werden als tatsächlich notwendig.
Mit dem European Health Data Space (EHDS) wird zwar ein grenzüberschreitender Zugang zu E-Rezepten, Patientenkurzakten, Bilddaten und Laborergebnissen geschaffen. Dennoch besteht weiterhin eine wesentliche Lücke: Es gibt keine verlässliche und einheitliche Möglichkeit, Patientinnen und Patienten grenzüberschreitend eindeutig zu identifizieren oder Einwilligungen auf sichere und standardisierte Weise zu erfassen und nachzuweisen.
Die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung wird heute oft dadurch erschwert, dass Gesundheitsdienstleister die Identität von Patientinnen und Patienten, den Versicherungsstatus oder vorliegende Einwilligungen nicht zuverlässig überprüfen können. Da die Systeme in den einzelnen Ländern unterschiedlich aufgebaut sind, werden häufig Papierdokumente angefordert oder mehr Informationen abgefragt, als für die Behandlung tatsächlich erforderlich wären.
Die EUDI-Wallet könnte hier als sichere Identitäts- und Einwilligungsebene für die grenzüberschreitende Versorgung dienen. Digital signierte Nachweise, die von vertrauenswürdigen Stellen ausgestellt werden, etwa Ausweisdokumente, Versicherungsnachweise oder Impfzertifikate, könnten bei Bedarf direkt vorgelegt werden. Patient:innen hätten die Möglichkeit, gezielt einzelne Informationen wie Allergien oder aktuelle Medikationen für die Behandlung freizugeben. Jede Einwilligung würde nachvollziehbar dokumentiert und für Prüfzwecke protokolliert.
Medizinisches Fachpersonal erhielte verifizierte Daten mit eindeutig nachvollziehbarer Herkunft, während umfassende Gesundheitsdaten weiterhin über die etablierten Formate des European Health Data Space ausgetauscht würden. Die Wallet würde dabei nicht komplette Akten von Patient:innen freigeben, sondern die Identität verifizieren und steuern, welche Informationen geteilt werden. Das Ergebnis wären schnellere Behandlungsprozesse, weniger unnötige Datenweitergaben und ein vertrauenswürdiger sowie rechtskonformer Austausch von Gesundheitsdaten innerhalb der Europäischen Union.
Unser Vorschlag: Eine EUDI-Wallet, die Folgendes ermöglicht
Eine Person aus Lettland benötigt während eines Aufenthalts in Bulgarien dringend medizinische Versorgung. Das behandelnde Krankenhaus braucht eine Bestätigung der Identität sowie Informationen zu Allergien, aktuellen Medikamenten, aktuellen Laborwerten und zum Versicherungsstatus. Über die EUDI-Wallet gibt die Person gezielt nur diese erforderlichen Informationen frei. Das Krankenhaus erhält die verifizierten Daten unmittelbar und kann dadurch schneller fundierte Behandlungsentscheidungen treffen. Gleichzeitig entfallen aufwendige Aufnahmeprozesse, und das Risiko einer unnötigen Weitergabe sensibler Gesundheitsdaten wird deutlich reduziert.
Dieser Ansatz erhöht die Patientensicherheit, indem die richtigen Informationen zum richtigen Zeitpunkt verfügbar sind. Gleichzeitig stärkt er das Vertrauen in digitale Gesundheitsdienste, da nur die tatsächlich benötigten Daten geteilt werden. Darüber hinaus werden administrative Aufwände und Verzögerungen reduziert, während die Einhaltung europäischer Datenschutz- und Privatsphäreanforderungen sichergestellt bleibt. Gleichzeitig ermöglicht die Lösung eine nahtlose grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung, ohne bestehende Gesundheitsdateninfrastrukturen ersetzen zu müssen.
In Zeiten makroökonomischer Krisen, etwa während einer Pandemie oder einer Energiekrise, müssen Regierungen finanzielle Unterstützungsleistungen häufig schnell und gezielt bereitstellen. Herkömmliche Förder- und Hilfsprogramme basieren jedoch oft auf fragmentierten Systemen, manuellen Anspruchsprüfungen und einer Vielzahl von Zwischeninstanzen. Dies führt zu Verzögerungen und erhöht das Risiko von Betrug sowie missbräuchlicher Verwendung der bereitgestellten Mittel.
Die während der COVID-19-Pandemie eingeführten Kurzarbeits- und Unterstützungsprogramme haben diese Schwachstellen deutlich gemacht. In einigen Fällen wurden Zahlungen an nicht anspruchsberechtigte Empfänger:innen geleistet oder für betrügerische beziehungsweise illegale Zwecke genutzt.
Die EUDI-Wallet könnte einen sicheren und effizienten Mechanismus für die direkte Auszahlung von Leistungen an Bürgerinnen, Bürger und Einwohner:innen der EU bereitstellen. Perspektivisch könnten dabei auch digitale Zahlungsmittel wie ein digitaler Euro zum Einsatz kommen. Durch die Nutzung verifizierter Identitätsnachweise und selektiver Datenfreigabe könnten Behörden sicherstellen, dass Unterstützungsleistungen schnell, transparent und rechtskonform bei den anspruchsberechtigten Personen ankommen.
Dieser Ansatz würde den Verwaltungsaufwand reduzieren, die Betrugsprävention stärken und gezieltere Unterstützungsmaßnahmen ermöglichen. Verifizierte Identitätsmerkmale und automatisierte Anspruchsprüfungen könnten dabei helfen, die Berechtigung schnell festzustellen, während gleichzeitig nur die tatsächlich erforderlichen Informationen offengelegt werden und die Privatsphäre gewahrt bleibt.
Unser Vorschlag: Eine EUDI-Wallet, die Folgendes ermöglicht
Während einer Energiekrise wird ein EU-weites Heizkostenzuschussprogramm aufgelegt. Anspruchsberechtigte Personen in den betroffenen Regionen erhalten über ihre EUDI-Wallet eine Benachrichtigung mit der Aufforderung, ihre Identität und ihren Wohnsitz zu bestätigen. Nach erfolgreicher Prüfung der Anspruchsberechtigung, die in der Regel innerhalb weniger Stunden abgeschlossen ist, werden die Mittel in Form digitaler Euro ausgezahlt und revisionssicher dokumentiert. Das Geld steht unmittelbar für notwendige Ausgaben zur Verfügung, ganz ohne Papierformulare, manuelle Anträge oder zwischengeschaltete Stellen.
Dieser Ansatz ermöglicht eine schnelle und zielgerichtete Auszahlung finanzieller Hilfen und reduziert gleichzeitig Verzögerungen sowie Fehler in der Bearbeitung. Durch den Einsatz sicherer digitaler Nachweise und nachvollziehbarer Prüfpfade wird zudem die Betrugsprävention gestärkt. Gleichzeitig erhalten Behörden einen Echtzeitüberblick über die Verteilung der Mittel und können Unterstützungsmaßnahmen bei Bedarf kurzfristig anpassen. Das erhöht sowohl die Wirksamkeit staatlicher Hilfsprogramme als auch das Vertrauen in deren Umsetzung.
Immobilientransaktionen und die Überprüfung von Eigentumsverhältnissen sind ein wesentlicher Bestandteil wirtschaftlicher Aktivitäten. Dennoch sind diese Prozesse in Europa nach wie vor stark fragmentiert und vielfach papierbasiert. Jeder Mitgliedstaat führt eigene Grund- und Liegenschaftsregister, was häufig den manuellen Austausch von Dokumenten, Übersetzungen und persönliche Behördengänge erfordert.
Diese Fragmentierung führt insbesondere bei grenzüberschreitenden Transaktionen zu Verzögerungen, höheren Transaktionskosten sowie einem erhöhten Risiko von Betrug und Compliance-Verstößen.
Die EUDI-Wallet könnte es Bürger:innen, Einwohner:innen und Unternehmen ermöglichen, digital signierte Eigentumsnachweise und Bescheinigungen über wirtschaftlich Berechtigte zu speichern, die von nationalen oder regionalen Grundbuch- und Registerbehörden ausgestellt werden. Diese Nachweise könnten sicher mit autorisierten Parteien wie Notaren, Banken oder Behörden geteilt werden und eine Verifizierung in Echtzeit ermöglichen, ohne dabei den Datenschutz zu beeinträchtigen.
Ein solcher Ansatz würde einen sicheren Zugang zu Eigentumsdaten schaffen und Immobilientransaktionen, Due-Diligence-Prüfungen sowie Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche unterstützen.
Unser Vorschlag: Eine EUDI-Wallet, die Folgendes ermöglicht:
Eine Person in Frankreich erwirbt eine Immobilie in Deutschland von einem Unternehmen mit Sitz in Luxemburg. Mithilfe der EUDI-Wallet können die am Kaufprozess beteiligten Parteien sowie das Notariat den offiziellen, digital signierten Eigentumsnachweis über die eindeutige Kennung der Immobilie abrufen. Dabei werden sowohl die rechtmäßigen Eigentumsverhältnisse als auch die verifizierten Angaben zu den wirtschaftlich Berechtigten geprüft und anhand von Daten validiert, die von den zuständigen Behörden in Deutschland und Luxemburg nach europäischen Vertrauensstandards ausgestellt wurden. Was heute häufig mehrere Wochen in Anspruch nimmt und zahlreiche Dokumentenanfragen erfordert, kann so durch einen sicheren Verifizierungsprozess in Echtzeit abgewickelt werden.
Ein europaweiter digitaler Ansatz für die Grundbuch- und Eigentumsprüfung würde die Verifizierung von Immobilienbesitz von einem langsamen, papierbasierten Verfahren zu einem schnellen und verlässlichen digitalen Prozess machen. Dadurch ließen sich Transaktionszeiten verkürzen, die Einhaltung von Geldwäschevorschriften (AML) sowie Know-your-Customer-Anforderungen (KYC) stärken und Betrugsrisiken durch kryptografisch verifizierbare Daten reduzieren.
Entscheidend ist dabei, dass nationale Grundbücher und Register nicht ersetzt werden. Stattdessen werden deren verbindliche Informationen über europaweit vertrauenswürdige digitale Nachweise nutzbar gemacht. Offizielle Registereinträge werden in digitale, EU-weit anerkannte Nachweise überführt, die grenzüberschreitend überprüft werden können, während die rechtliche Hoheit weiterhin bei der jeweils zuständigen Registerbehörde verbleibt.
Die vorgestellten Anwendungsfälle zeigen, dass die EUDI-Wallet weit mehr ist als eine digitale Version bestehender Ausweise und Nachweise. Sie schafft eine gemeinsame Vertrauensinfrastruktur, die es ermöglicht Identitäten, Berechtigungen und digitale Nachweise sicher, effizient und grenzüberschreitend zu nutzen.
Die Wallet reduziert Medienbrüche, vereinfacht Prozesse und stärkt gleichzeitig sowohl Datenschutz als auch Sicherheit. Für die Behörden bedeutet das effizientere Verwaltungsprozesse und eine bessere Servicequalität. Unternehmen profitieren von geringeren Transaktionskosten und weniger regulatorischem Aufwand. Bürger:innen erhalten einen einfacheren und sichereren Zugang zu digitalen Dienstleistungen in ganz Europa.
Mit der schrittweisen Einführung ab 2026 wird die EUDI-Wallet zu einem zentralen Baustein der europäischen Digitalstrategie. Organisationen, die sich frühzeitig mit den Anforderungen auseinandersetzen, können nicht nur Compliance sicherstellen, sondern auch neue digitale Dienstleistungen entwickeln und Wettbewerbsvorteile erschließen. Die Frage ist daher nicht, ob die EUDI-Wallet den digitalin Alltag verändern wird, sondern wie schnell Organisationen die damit verbunden Chancen nutzen werden.
Die EUDI-Wallet ist eine staatlich zertifizierte digitale Brieftasche, mit der Bürger:innen und Einwohner:innen digitale Nachweise wie Ausweisdokumente, Führerscheine, Bildungsnachweise und andere verifizierte Dokumente sicher speichern, verwalten und teilen können. Sie wird im Rahmen eines gemeinsamen europäischen Rechtsrahmens eingeführt, um vertrauenswürdige digitale Interaktionen in allen Mitgliedstaaten zu ermöglichen.
Auf Grundlage der überarbeiteten eIDAS-Verordnung muss jeder EU-Mitgliedstaat bis 2026 mindestens eine zertifizierte Wallet bereitstellen. Öffentliche Stellen werden die Wallet bis Ende 2026 akzeptieren müssen. Ab 2027 wird die verpflichtende Nutzung schrittweise auf ausgewählte Anwendungsfälle im privaten Sektor ausgeweitet.
Die Wallet kann eine Vielzahl digital signierter Nachweise speichern, darunter Ausweisdokumente, Führerscheine, Bildungsabschlüsse, Versicherungsnachweise, berufliche Qualifikationen sowie weitere Dokumente, die von vertrauenswürdigen Behörden oder Organisationen ausgestellt wurden.
Nationale eID-Systeme sind in der Regel auf das jeweilige Land beschränkt. Die EUDI-Wallet baut auf diesen Lösungen auf und ergänzt sie um einen gemeinsamen europäischen Rahmen. Dadurch werden Interoperabilität, grenzüberschreitende Anerkennung und ein standardisierter Austausch digitaler Nachweise in der gesamten EU ermöglicht.
Die Wallet folgt dem Prinzip „Privacy by Design“ und unterstützt die selektive Offenlegung von Informationen. Nutzende können selbst entscheiden, welche Daten sie teilen und nur die Informationen freigeben, die für einen bestimmten Vorgang tatsächlich erforderlich sind, anstatt komplette Dokumente oder Datensätze offenzulegen.
Nein. Die Wallet ersetzt weder nationale Systeme noch Datenbanken oder Register. Sie dient vielmehr als vertrauenswürdige Ebene, über die verifizierte Informationen aus bestehenden Systemen sicher ausgestellt, geteilt und grenzüberschreitend überprüft werden können.
Die Wallet kann den Verwaltungsaufwand reduzieren, die Servicequalität verbessern, Betrugsversuche erschweren und Verifizierungsprozesse beschleunigen. Gleichzeitig unterstützt sie eine nahtlose digitale Interaktion über Ländergrenzen hinweg und trägt zur Einhaltung europäischer Vorgaben bei.
Unternehmen können Onboarding-Prozesse vereinfachen, Compliance-Kosten senken, das Kundenerlebnis verbessern und Transaktionen beschleunigen. Möglich wird dies durch die Nutzung vertrauenswürdiger digitaler Nachweise anstelle manueller Dokumentenprüfungen und wiederholter Verifizierungsprozesse.
Organisationen sollten analysieren, welche Identitäts-, Authentifizierungs-, Onboarding- und Nachweisprozesse von der Wallet profitieren könnten. Dazu gehören die Prüfung von Interoperabilitätsanforderungen, die Analyse bestehender Nutzungsprozesse, die Identifizierung neuer Anwendungsfälle sowie die Ausrichtung auf die entstehenden EUDI-Wallet-Standards.
Die Wallet ist ein zentraler Baustein für ein vertrauenswürdiges digitales Ökosystem in Europa. Durch die Kombination aus sicherer Identifizierung, verifizierbaren Nachweisen, nutzerkontrollierter Datenfreigabe und grenzüberschreitender Interoperabilität hat sie das Potenzial, die Interaktion zwischen Bürger:innen, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen grundlegend zu verändern.