Migration, innere Sicherheit und internationale Konflikte beeinflussen die Grundstimmung der Verbraucher:innen massiv. Knapp die Hälfte der Befragten sieht die politische Lage als zentralen Grund zur Besorgnis. Das Vertrauen in die neue Bundesregierung bleibt schwach – selbst optimistische Stimmen sind zaghaft. Diese Unsicherheit führt zu einem „präventiven Sparverhalten“: größere Anschaffungen werden verschoben, Ausgaben stärker abgewogen.
Das Konsumverhalten in Deutschland war bereits das ganze Jahr 2025 von einer anhaltenden Kaufzurückhaltung geprägt und auch das Weihnachtsgeschäft, das traditionell von positiven Gefühlen lebt, wird durch die diffusen Angsttreiber geprägt. Die emotionale Unsicherheit führt zu einer maßgeblichen Beeinflussung auf das Konsumverhalten – die Menschen agieren weniger ausgelassen, weniger impulsiv und deutlich rationaler. Für den Handel bedeutet das: Ein gutes Weihnachtsgeschäft ist möglich, aber es muss härter erkämpft werden als in den Vorjahren.
Nikolaos Sioulvegas, Partner bei BearingPoint
Mit durchschnittlich 539 Euro liegt das geplante Weihnachtsbudget nur 4,8 Prozent unter dem Vorjahr. Spontankäufe sind selten, Preisvergleiche dominieren. Bemerkenswert: Die Gruppe, die weniger ausgeben möchte, plant im Schnitt höhere Budgets als andere – ein Hinweis auf selektiven Konsum.
Die Passantenfrequenzen in Innenstädten bleiben deutlich unter Vorjahres- und Vorkrisenniveau. München, Hannover und Hamburg verzeichnen zweistellige Rückgänge. Nur wenige Städte wie Saarbrücken oder Karlsruhe zeigen leichte Zugewinne. Umsatzwachstum muss aus besserer Konversion und Erlebnisqualität kommen – nicht aus höheren Besucherzahlen.
Fast 98 Prozent der Konsument:innen nutzen mehrere Kanäle. Der Gegensatz zwischen Online und stationär verliert an Bedeutung. Entscheidend ist die Qualität der gesamten Einkaufserfahrung. Händler ohne integrierte Prozesse riskieren Relevanzverlust.
Über 92 Prozent der Befragten haben KI-Anwendungen im Handel wahrgenommen. Besonders sichtbar: personalisierte Empfehlungen, Chatbots, virtuelle Anproben und automatisierte Kassensysteme. 60,5 Prozent empfinden KI als nützlich. Transparenz ist entscheidend: 84,3 Prozent wollen wissen, ob und wie Händler KI einsetzen.
56 Prozent der Befragten bewerten Nachhaltigkeit als relevant, doch nur 21 Prozent sind bereit, dafür mehr zu bezahlen. Händler müssen ökologische Aspekte kosteneffizient integrieren, um Differenzierungspotenzial zu wahren.

BearingPoint und das IIHD | Institut verfolgen bereits seit vielen Jahren die Entwicklungen des Weihnachtsgeschäftes und fassen die Erkenntnisse in ihrer Publikationsreihe Holiday Newsletter zusammen. Strategien, aktuelle Trends und Innovationen im Weihnachtsgeschäft werden analysiert und kommentiert.