Mit 484 erteilten 5G-Lizenzen verfügt Deutschland über fast sechsmal so viele wie Frankreich (84) und überholt das Nachbarland auch bei der Anzahl aktiver Lizenzen deutlich. Dennoch befinden sich in Deutschland 57 Prozent und in Frankreich sogar 71 Prozent der potenziellen Anwender noch in der Explorationsphase. Deutschland profitiert dabei von einem früh etablierten Lizenzmodell mit langen Laufzeiten von zehn Jahren und niedrigen Zugangskosten – ein Umfeld, das Experimente und die breite Einführung von Industrial 5G deutlich stärker begünstigt als in Frankreich.
Während sich 65 Prozent der deutschen und französischen Anbieter selbst als skalierungsbereit einschätzen, kämpfen 61 Prozent der Industrieunternehmen damit, den Return on Investment nachzuweisen. 78 Prozent der industriellen Stakeholder sehen die organisatorische Dimension als zentrales Hindernis. Wert geht häufig durch isolierte Pilotprojekte, schwache KPI-Anbindung und IT/OT-Silos verloren.
Obwohl 90 Prozent der deutschen Anbieter ihre 5G-Lösungen als technisch ausgereift deklarieren, sind lediglich 20 Prozent der kommerziellen Angebote tatsächlich als Plug-and-Play für den industriellen Einsatz verfügbar. Diese Diskrepanz erklärt, warum industrielle Kunden 5G als Projekt erleben, das gebaut werden muss – und nicht als Lösung, die sich einfach einkaufen lässt.
In Deutschland wird Konnektivität bereits als Fundament der Smart Factory verstanden, wobei überlegene Netzwerkperformance und operative Effizienz als zwei Seiten derselben Medaille gelten. Die Überbrückung der Lücke zwischen IT und OT ist dabei der entscheidende Wachstumstreiber.
Die meistgefragten und meistgenutzten Anwendungsfälle konzentrieren sich auf vier Kernbereiche:

Abbildung: Industrial 5G Anwendungsfelder mit dem höchsten Industriepotenzial (Quelle: eigene Erhebung)
Industrial 5G entfaltet seine Wirkung nur dann, wenn kommerzielle, integrationsbezogene, regulatorische und ökosystemische Dimensionen gemeinsam vorangebracht werden. Doch was unterscheidet Unternehmen, die erfolgreich in die Breite gehen, von jenen, die im Pilotmodus verharren?
Die Antwort liegt selten in der Technologie selbst: Projekte schreiten am wirkungsvollsten voran, wenn Entscheider durch konkrete Business Cases überzeugt werden. Hinzu kommt ein strategischer Faktor: Bis 2030 verlagert sich der Wettbewerb von reiner Konnektivität hin zu Serviceleistungen, Integration und Plattformen. Wer diese Verschiebung früh adressiert, sichert sich Zugang zu den margenstarken Segmenten der nächsten Marktphase.
Die Studie beleuchtet die entscheidenden Wachstumshebel entlang des Projektlebenszyklus und zeigt anhand internationaler Best Practices, was wirklich funktioniert.
Im Baseline-Szenario wächst der europäische Markt für Industrial 5G mit einer jährlichen Wachstumsrate von 42 Prozent auf rund 6,6 Milliarden Euro bis 2030. Werden die identifizierten Wachstumshebel konsequent aktiviert, verdoppelt sich dieses Potenzial auf rund 14 Milliarden Euro und das Wachstum beschleunigt sich um rund zwei Jahre. Die Lücke zwischen beiden Szenarien ist keine Frage der Technologie, sondern der Entschlossenheit. Wie die Szenarien im Detail modelliert wurden, zeigt die vollständige Studie.
Die Studie basiert auf mehr als 50 qualitativen Interviews mit Führungskräften, Entscheidungsträgern sowie Expertinnen und Experten von Anbietern und Anwendern aus Industrie, Telekommunikation und Technologie in Deutschland und Frankreich. Ergänzt wurde sie durch internationales Benchmarking sowie ein unabhängiges Expertengremium zur Validierung der Ergebnisse.
Die Skalierung von Industrial 5G scheitert primär an organisatorischen und wirtschaftlichen Faktoren, nicht an der Technologie. Unklare Verantwortlichkeiten, IT/OT-Silos und fehlende Integration in operative KPIs verhindern replizierbare Rollouts. Ohne belastbaren Business Case bleibt der Einsatz häufig in Pilotprojekten stecken.
Der ROI von Industrial 5G lässt sich am besten über konkrete, operative Use Cases bewerten. Entscheidend sind messbare Effekte wie Effizienzsteigerung, reduzierte Ausfallzeiten oder automatisierte Prozesse. Projekte ohne klare KPI-Anbindung verlieren schnell an wirtschaftlicher Relevanz und skalieren selten.
Industrial 5G wird aktuell vor allem durch vier Use Cases getrieben: geschäftskritische Kommunikation, mobile Automatisierung, Augmented Operator und Remote Betrieb. Diese Anwendungen adressieren konkrete Effizienz- und Sicherheitsanforderungen. Besonders relevant sind sie in stark automatisierten Industrie- und Logistikumgebungen.
Ein klarer regulatorischer Rahmen ist entscheidend für die Skalierung von Industrial 5G. Schnelle Lizenzvergabe, transparente Regeln und langfristige Planungssicherheit fördern Investitionen und Innovation. Unsichere oder komplexe Regulierungen bremsen hingegen Deployments und erschweren wirtschaftliche Skalierungsmodelle.
Industrial 5G skaliert, wenn Pilotprojekte in standardisierte Programme überführt werden. Dazu gehören einheitliche Betriebsmodelle, klar definierte Prozesse und reduzierte Integrationsaufwände. Replizierbare Setups ermöglichen eine schnellere Umsetzung über mehrere Standorte hinweg.
Für Industrial 5G kommen Self-Run, Managed oder Hybrid-Modelle infrage, abhängig von Anforderungen an Kontrolle und Ressourcen. Die Entscheidung sollte früh im Projekt getroffen werden, da sie Architektur, Betrieb und Sicherheitskonzept beeinflusst. Nachträgliche Anpassungen sind aufwendig und risikobehaftet.
Erfolgreiche Industrial 5G Projekte basieren auf klaren Business Use Cases, integrierten Betriebsmodellen und funktionierenden Ökosystemen. Technologie allein reicht nicht aus, entscheidend ist die Verzahnung mit Prozessen und Organisation. Change-Management und Schulung sind zentrale Erfolgsfaktoren für nachhaltige Wirkung.