• Juni 2026

Industrial 5G gilt seit Jahren als Schlüsseltechnologie für die digitale Transformation von Fertigung, Logistik und kritischer Infrastruktur. Die technologischen Grundlagen sind gelegt, die Versprechen formuliert – und dennoch bleibt die breite, sektorübergreifende Umsetzung aus. Der Markt ist geprägt von großen Ankündigungen, aber einer selektiven, durch Pilotprojekte dominierten Realität. Genau dieser Widerspruch steht im Mittelpunkt der aktuellen Studie von BearingPoint.


Regulatorische Divergenz als Wettbewerbsfaktor

Mit 484 erteilten 5G-Lizenzen verfügt Deutschland über fast sechsmal so viele wie Frankreich (84) und überholt das Nachbarland auch bei der Anzahl aktiver Lizenzen deutlich. Dennoch befinden sich in Deutschland 57 Prozent und in Frankreich sogar 71 Prozent der potenziellen Anwender noch in der Explorationsphase. Deutschland profitiert dabei von einem früh etablierten Lizenzmodell mit langen Laufzeiten von zehn Jahren und niedrigen Zugangskosten – ein Umfeld, das Experimente und die breite Einführung von Industrial 5G deutlich stärker begünstigt als in Frankreich.

Bereitschaft trifft Realität: Die Skalierungslücke

Während sich 65 Prozent der deutschen und französischen Anbieter selbst als skalierungsbereit einschätzen, kämpfen 61 Prozent der Industrieunternehmen damit, den Return on Investment nachzuweisen. 78 Prozent der industriellen Stakeholder sehen die organisatorische Dimension als zentrales Hindernis. Wert geht häufig durch isolierte Pilotprojekte, schwache KPI-Anbindung und IT/OT-Silos verloren.

Obwohl 90 Prozent der deutschen Anbieter ihre 5G-Lösungen als technisch ausgereift deklarieren, sind lediglich 20 Prozent der kommerziellen Angebote tatsächlich als Plug-and-Play für den industriellen Einsatz verfügbar. Diese Diskrepanz erklärt, warum industrielle Kunden 5G als Projekt erleben, das gebaut werden muss – und nicht als Lösung, die sich einfach einkaufen lässt.

Bewährte Anwendungsfälle und klare Treiber

In Deutschland wird Konnektivität bereits als Fundament der Smart Factory verstanden, wobei überlegene Netzwerkperformance und operative Effizienz als zwei Seiten derselben Medaille gelten. Die Überbrückung der Lücke zwischen IT und OT ist dabei der entscheidende Wachstumstreiber.

Die meistgefragten und meistgenutzten Anwendungsfälle konzentrieren sich auf vier Kernbereiche:

Abbildung: Industrial 5G Anwendungsfelder mit dem höchsten Industriepotenzial (Quelle: eigene Erhebung)

Wachstumshebel: Was es wirklich braucht

Industrial 5G entfaltet seine Wirkung nur dann, wenn kommerzielle, integrationsbezogene, regulatorische und ökosystemische Dimensionen gemeinsam vorangebracht werden. Doch was unterscheidet Unternehmen, die erfolgreich in die Breite gehen, von jenen, die im Pilotmodus verharren?

Die Antwort liegt selten in der Technologie selbst: Projekte schreiten am wirkungsvollsten voran, wenn Entscheider durch konkrete Business Cases überzeugt werden. Hinzu kommt ein strategischer Faktor: Bis 2030 verlagert sich der Wettbewerb von reiner Konnektivität hin zu Serviceleistungen, Integration und Plattformen. Wer diese Verschiebung früh adressiert, sichert sich Zugang zu den margenstarken Segmenten der nächsten Marktphase.

Die Studie beleuchtet die entscheidenden Wachstumshebel entlang des Projektlebenszyklus und zeigt anhand internationaler Best Practices, was wirklich funktioniert.

Welche Hebel das im Detail sind und wie Sie diese gezielt einsetzen können, erfahren Sie in der vollständigen Studie.

 

Marktpotenzial: Die Lücke zwischen Ist und Möglichkeit

Im Baseline-Szenario wächst der europäische Markt für Industrial 5G mit einer jährlichen Wachstumsrate von 42 Prozent auf rund 6,6 Milliarden Euro bis 2030. Werden die identifizierten Wachstumshebel konsequent aktiviert, verdoppelt sich dieses Potenzial auf rund 14 Milliarden Euro und das Wachstum beschleunigt sich um rund zwei Jahre. Die Lücke zwischen beiden Szenarien ist keine Frage der Technologie, sondern der Entschlossenheit. Wie die Szenarien im Detail modelliert wurden, zeigt die vollständige Studie.

Handlungsempfehlungen: Was Führungskräfte jetzt angehen müssen

Die Ergebnisse der Studie formulieren einen klaren Imperativ für Entscheiderinnen und Entscheider aus Industrie und Technologie:

Wer zuerst skaliert, gewinnt

Das Potenzial ist identifiziert, die Technologie ist bereit. Was fehlt, ist die koordinierte Umsetzungsstärke. Aus technologischer Sicht ist Industrial 5G nicht länger der primäre Engpass. Industrieller Mehrwert entsteht erst, wenn Technologien in einem geschlossenen operativen Kreislauf zusammenwirken. 5G ist dabei ein Wegbereiter, nicht das Endziel. Wer die richtigen Hebel jetzt in Bewegung setzt, gestaltet die industrielle Wettbewerbslandschaft der nächsten Dekade – alle anderen werden sie vorfinden.

Studienmethodik

Die Studie basiert auf mehr als 50 qualitativen Interviews mit Führungskräften, Entscheidungsträgern sowie Expertinnen und Experten von Anbietern und Anwendern aus Industrie, Telekommunikation und Technologie in Deutschland und Frankreich. Ergänzt wurde sie durch internationales Benchmarking sowie ein unabhängiges Expertengremium zur Validierung der Ergebnisse.

FAQ

Laden Sie die Studiendokumente kostenlos herunter!

  • Studie: Industrial 5G Beyond Connectivity: What it takes to scale (englischsprachig)
    Studie: Industrial 5G Beyond Connectivity: What it takes to scale (englischsprachig) 1.83 MB Download
  • Infografik: Industrial 5G – Marktentwicklung und zentrale Hebel
    Infografik: Industrial 5G – Marktentwicklung und zentrale Hebel 111.3 KB Download

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