• Oktober 2024

Oktober 2024

Die neue Studie von BearingPoint hebt die Bedeutung von Innovationen hervor, die sowohl die Versorgung von Patient:innen als auch das Wohlbefinden des Gesundheitspersonals verbessern. Sie zeigt auf, dass veraltete Managementpraktiken und Fachkräftemangel die europäischen Gesundheitssysteme stark belasten. Gleichzeitig bietet sie einen Blick auf innovative Ansätze und vielversprechende Lösungen, die eine bessere Personalbindung und Patient:innenversorgung fördern.

Europäische Krankenhäuser befinden sich an einem kritischen Wendepunkt und stehen vor einer gemeinsamen Herausforderung: die Gewinnung und Bindung von Gesundheitsfachkräften, um den Gesundheitsbedürfnissen der Patient:innen gerecht zu werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation fehlen in Europa etwa 1,8 Millionen Gesundheitsfachkräfte. Insbesondere veralteten Managementstrukturen führen zu einer Abwanderung von Gesundheitspersonal und Krankenhäuser sind nicht mehr in der Lage, die Bedürfnisse der Patient:innen zu erfüllen. Besonders junge Fachkräfte sind zunehmend weniger bereit, sich langfristig im Gesundheitswesen zu engagieren – ein Hauptgrund liegt in den überholten Praktiken. Gesundheitsregulatoren – von Regierungen bis hin zu lokalen Behörden – müssen Lösungen finden, um die Attraktivität des Sektors besser zu unterstützen.

Im Rahmen der BearingPoint-Studie, die in sechs europäischen Ländern durchgeführt wurde, sind 300 Gesundheitsfachkräfte und Einrichtungsleitende befragt worden. Rund 50 Prozent der befragten Gesundheitsfachkräfte gaben an, dass das Personal nicht ausreicht, um das gewünschte Versorgungsniveau und die Qualität der Patient:innenpflege zu gewährleisten. Oft müssen Mitarbeitende Personallücken durch eine höhere Arbeitsbelastung ausgleichen, was potenziell zu Stress, Erschöpfung, Burnout und einer generellen Unzufriedenheit im Job führen kann. Dies wiederum trägt zu einer höheren Fluktuation bei und verschärft die Problematik weiter.

Wahrnehmungen zur Pflegequalität angesichts der aktuellen Personalsituation

Die Studie unterstreicht zudem, dass die Rekrutierung qualifizierter Gesundheitsfachkräfte entscheidend ist - allein jedoch nicht ausreicht.  Es bedarf grundlegender kultureller und organisatorischer Veränderungen, um die Arbeitsbedingungen, Unternehmenskultur sowie die Motivation der Mitarbeitenden zu unterstützen, um diese langfristig zu binden und zu engagieren. Neue Modelle bieten Hoffnung für eine bessere Personalbindung und Patient:innenversorgung. So können innovative Krankenhäuser mit flexiblen und kollaborativen Managementmodellen sowohl die Zufriedenheit des Personals als auch die Patient:innenversorgung erheblich verbessern.

 

Die BearingPoint-Studie identifiziert treibende Faktoren für eine zielführende und innovative Transformation von Krankenhäusern: 

 

Patient:inneneinbindung

Zahlreiche Krankenhäuser optimieren ihre Strategien zur Förderung einer patientenzentrierten Versorgung. Zu diesem Zweck ernennen sie Patientenerfahrungsleiter:innen, um diese Initiativen voranzutreiben, und reduzieren die administrativen Aufgaben der Mitarbeitenden, um deren Fokus auf die Patient:innenpflege zu lenken. Die Studie, dass viele Mitarbeitende den Wunsch nach mehr Zeit für die Patient:innenbetreuung äußern und administrative Aufgaben im Zusammenspiel mit dem bestehenden Personalmangel weiterhin als Belastung empfinden. So betrachten 52 Prozent der Befragten diese Tätigkeiten als hinderlich für eine adäquate Patientenversorgung.

Die Last der administrativen und logistischen Aufgaben

Die meisten fortschrittlichen Modelle beziehen zudem die Patient:innen selbst als aktive Teilnehmende und Entscheidungsträger:innen in den kontinuierlichen Verbesserungsprozess der Dienstleistungen und Versorgungsqualität ein. Solche erfolgreichen Modelle tragen nicht nur zur Verbesserung der technischen Pflege bei, sondern auch zur Unterstützung von Patient:innen und deren Familien. Eine derartige Arbeitsumgebung steigert darüber hinaus die Arbeitszufriedenheit und fördert die Teamzusammenarbeit.

Mitarbeitendenstärkung

Die Einbeziehung von Mitarbeitenden in Entscheidungsprozesse fördert nachweislich die Arbeitsmotivation, entwickelt Kompetenzen, steigert Innovationsfähigkeit und erhöht die Produktivität. Zudem äußern zahlreiche Fachkräfte im Krankenhaussektor Bedenken hinsichtlich der Führungskompetenzen ihrer Vorgesetzten, insbesondere in den Bereichen Teammanagement und Kommunikation. Rund 40 Prozent der befragten Fachkräfte gab an, dass ihre Vorgesetzten nicht ausreichend in Teammanagement geschult sind. Um das Engagement der Mitarbeitenden zu steigern und die Führungskompetenzen der Manager:innen zu verbessern, sollten Krankenhäuser daher verstärkt deren Autonomie bei Entscheidungen fördern, insbesondere in patientennahen Bereichen.

Mitarbeitendenengagement

Die gezielte Förderung des Mitarbeitendenengagements stellt nicht nur eine effektive Strategie zur Optimierung von Abläufen dar, sondern bietet auch eine Möglichkeit, den Mitarbeitenden mehr Anerkennung und ein Gefühl der Verantwortung für ihre Arbeit zu vermitteln. Dennoch haben bislang nur wenige Krankenhäuser eine Kultur der „geteilten Führung“ etabliert, in der Mitarbeitende regelmäßig organisatorische Themen ansprechen und aktiv an der Entwicklung von Lösungen mitwirken können. Insbesondere Frontline-Manager:innen spielen eine entscheidende Rolle in einem effektiven Governance-Modell, indem sie als Vermittler:innen zwischen dem Personal und der Führungsebene agieren sowie als Teamleiter:innen oder Entscheidungsträger:innen fungieren.

Förderung des Wohlbefindens von Mitarbeitenden

Eine unzureichende Work-Life-Balance ist die Hauptursache für Unzufriedenheit unter Gesundheitsfachkräften und führt häufig zu Fluktuation und Fehlzeiten. Laut der Studie empfinden über 60 Prozent der Befragten ihre Arbeitsbelastung als unausgewogen. Insbesondere Gesundheitsfachkräfte sind von Bereitschaftsdiensten, Wochenendarbeit und langen Nachtschichten betroffen, was zu Erschöpfung und Burnout führt und die Qualität sowie Sicherheit der Pflege gefährdet. Viele Gesundheitsfachkräfte, speziell jüngere Mitarbeitende, verlangen zunehmend mehr Flexibilität, worauf Krankenhäuser vereinzelt mit Optionen wie Teilzeit und komprimierten Arbeitswochen reagieren, um nicht nur die Sicherheit, Gesundheit und das Wohlbefinden ihrer Mitarbeitenden zu verbessern, sondern auch eine damit korrelierende hochwertige Pflege zu gewährleisten.

Vorteile neuer und innovativer Technologie nutzen

Die Einführung neuer Technologien spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen für das Krankenhauspersonal. Viele Organisationen unterschätzen jedoch die Bedeutung technologischer Lösungen für das Mitarbeiterengagement. Dabei erhöht die Unzufriedenheit mit der bestehenden Technik die Wahrscheinlichkeit, dass Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz wechseln, sogar um das Doppelte. Darüber hinaus stellen moderne Technologien, insbesondere Künstliche Intelligenz (KI), einen wesentlichen Faktor für die Transformation von Krankenhäusern dar. Sie automatisieren administrative und logistische Aufgaben, erleichtern die Teamarbeit, verbessern die Dateneinblicke und erhöhen die verfügbare Zeit für die unmittelbare Patientenversorgung. 

Obwohl Krankenhäuser die Möglichkeit haben, ihre Mitarbeitenden durch den Einsatz neuer Technologien besser zu engagieren, besteht insgesamt noch ein erheblicher Verbesserungsbedarf. Durch die Identifizierung relevanter Anwendungsfälle und Experimente können Krankenhäuser eine patientenorientierte Erfahrung für ihre Mitarbeitenden schaffen.

In die Entwicklung und Karriere von Mitarbeitenden investieren

Gut durchgeführte Entwicklungsprogramme für Mitarbeitende können sowohl die Bindung erhöhen als auch spezifische Versorgungslücken schließen. Während Gehalt und Arbeitsbedingungen von großer Bedeutung sind, signalisiert eine Investition in die Weiterbildung, dass die Organisation unterstützend und zukunftsorientiert handelt. Die Studie zeigt, dass etwa zwei Drittel der Gesundheitsfachkräfte in den frühen Phasen ihrer Karriere mit den angebotenen Entwicklungsmöglichkeiten zufrieden sind. Diese Zufriedenheit sinkt jedoch auf 60 Prozent bei Mitarbeitenden mit 2 bis 5 Jahren Erfahrung und auf 55 Prozent bei jenen mit 5 bis 10 Jahren Erfahrung, was darauf hindeutet, dass Arbeitgeber nicht ausreichend fortlaufende Karriereentwicklungsmöglichkeiten bereitstellen. Um das volle Potenzial ihrer Mitarbeitenden auszuschöpfen und langfristig Zufriedenheit sowie Engagement zu fördern, müssen Krankenhäuser daher kontinuierlich in die Kompetenz- und Karriereentwicklung ihrer Mitarbeitenden investieren, beispielsweise in Form von Upskilling, Reskilling, oder Cross-Skilling. 

Entwicklung eines nachhaltigen Modells der Pflege

Die Studie zeigt, dass herausragende Krankenhäuser das Thema Nachhaltigkeit als zentrale strategische Priorität setzen und ganzheitlich Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte verfolgen. Diese Vision bildet die Grundlage für eine CSR-Strategie mit klaren HR-Richtlinien sowie Maßnahmen zur Transformation des Versorgungsmodells und zur Förderung sozialer und umweltbezogener Initiativen. Viele Krankenhäuser ermutigen ihre Mitarbeitenden zudem, sich aktiv an diesen Initiativen zu beteiligen und bieten umfassende Schulungsprogramme für Gesundheitsfachkräfte an, um ein besseres Verständnis für Nachhaltigkeitschancen in der täglichen Praxis zu vermitteln. Krankenhäuser können zudem nachhaltig zur Gesundheit der Gesamtvölkerung beitragen, indem sie die Überwachungs-, Beobachtungs- und Präventionssysteme im Zusammenhang mit der Umwelt stärken und modernisieren und damit einen effektiven Resilienzansatz schaffen. So entwickeln Organisationen beispielsweise Pläne zur Bewältigung extremer klimatischer Ereignisse und setzen präventive Maßnahmen gegen klimabedingte Krankheiten um.

Zusammenfassung

Europäische Krankenhäuser müssen innovative Managementmodelle integrieren, die das Personal befähigen, Patient:innen einbeziehen und neue Technologien integrieren, um nicht nur Fachpersonal zu gewinnen und zu halten sondern die Qualität ihrer Gesundheitsversorgung zu sichern. Jüngere Generationen fordern bessere Arbeitsbedingungen, flexible Zeitgestaltung und eine Kultur, die ihren Werten von Patient:innenorientierung und gesellschaftlicher Wirkung entspricht. Die Förderung von Innovation und technologischen Fortschritten wie KI kann diese Transformation dabei beschleunigen. Krankenhäuser, die progressive Veränderungen mit einer klaren Zukunftsvision umsetzen, werden bei der Rekrutierung und Bindung von Mitarbeitenden hervorstechen.

Über die Studie

Die Studie umfasst die Länder Deutschland, Frankreich, Irland, Norwegen, das Vereinigte Königreich und Schweden. Sie basiert auf einer quantitativen Umfrage von 300 Gesundheitsfachkräften, die eine gleichmäßige Verteilung über die Länder aufweisen. Die Befragten setzen sich zur Hälfte aus Ärzt:innen und zur Hälfte aus paramedizinischem Personal, hauptsächlich Pflegekräften, zusammen, wobei 70 % in öffentlichen Einrichtungen tätig sind. Ergänzt wird die Analyse durch Interviews mit Führungskräften führender Gesundheitseinrichtungen in Europa, darunter das Volvat Medical Center in Norwegen und das Bordeaux Universitätskrankenhaus in Frankreich, sowie von Beratenden mit Erfahrung in der Unterstützung europäischer Krankenhäuser.

Weitere detaillierte Informationen zur Studien und deren Ergebnissen finden Sie im Studiendokument, welches Ihnen kostenlos zum Download bereitsteht.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

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