November 2025
Mit einer Take-Up-Rate von nur 26 Prozent und einer hohen Zufriedenheit mit bestehenden Anschlüssen ist klar: Der Ausbau allein reicht nicht. Deutschland liegt mit einem Glasfaseranteil von 12,2 Prozent aller Breitbandanschlüsse auf Platz 40 im OECD-Ranking – weit hinter Ländern wie Schweden oder Südkorea. Um die digitale Lücke zu schließen, braucht es neue Ansätze.
Open Access ist dieser Ansatz. Das Modell ermöglicht einen offenen, diskriminierungsfreien Netzzugang für mehrere Anbieter – unabhängig vom Netzbetreiber. Das schafft Wettbewerb, senkt Kosten und beschleunigt die Digitalisierung. Endkunden profitieren von mehr Auswahl und besseren Preisen, Netzbetreiber von höherer Auslastung und neuen Märkten.

Abbildung 1: Entwicklung der Take-Up-Rate in Deutschland (2022-2025e) Quelle: VATM, 2025
Doch die Realität zeigt: Open Access ist in Deutschland noch weit von seinem Potenzial entfernt. Der Markt ist stark fragmentiert: Neben großen Anbietern wie Telekom, Vodafone und 1&1 agieren über 200 regionale Netzbetreiber. Statt echter Offenheit dominieren exklusive Kooperationen. Hinzu kommen fehlende technische Standards, komplexe IT-Integrationen und unklare regulatorische Vorgaben. Diese Faktoren erschweren die Skalierung und verhindern eine effiziente Nutzung der vorhandenen Infrastruktur. Damit Open Access zur tragenden Säule des Glasfasermarkts wird, braucht es klare Regeln, interoperable Plattformen und eine konsequente Zusammenarbeit aller Marktakteure.
Ein Blick nach Europa zeigt: Open Access kann funktionieren, wenn die richtigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Schweden setzt seit Jahrzehnten auf kommunale Netze und eine klare Trennung zwischen Infrastruktur und Dienstleistung. Dänemark hat mit standardisierten Plattformen wie OpenNet Interoperabilität geschaffen und die Take-Up-Rate deutlich erhöht. In der Schweiz sorgt das 4-Faser-Modell für Vielfalt und Differenzierung. Die Botschaft ist klar: Einheitliche Standards und Kooperationen sind der Schlüssel.
Die Entwicklung des Open-Access-Marktes in Deutschland kann in den kommenden Jahren unterschiedliche Wege nehmen. Ein Duopol zwischen Incumbent und Open-Access-Community ist ebenso denkbar wie ein Oligopol aus mehreren Alleingängern. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht wäre jedoch ein Community-Modell mit vollständig offenen, interoperablen Strukturen am vorteilhaftesten. Dieses Szenario würde den Wettbewerb stärken, die Preise senken und die digitale Kluft schließen.

Der Glasfaserausbau schreitet voran, aber die Nutzung bleibt hinter den Möglichkeiten zurück. Die Marktlogik folgt oft noch dem Prinzip der Gebietssicherung statt der Öffnung. Ein verbindlicher Rahmen für Open Access kann helfen, bestehende Infrastrukturen besser zu nutzen und den Wettbewerb nachhaltig zu stärken.
Julius Hafer, Partner bei BearingPoint
Netzbetreiber sollten sich strategisch auf Open Access ausrichten. Dazu gehören: