• Februar 2025

Wie kann Nachhaltigkeit im Finanzsektor von einer Randbedingung zu einem entscheidenden Faktor werden? Unsere aktuelle Studie zu Sustainable Finance zeigt: Während Rendite und Sicherheit weiterhin die Haupttreiber bei Anlageentscheidungen sind, gewinnt Nachhaltigkeit zunehmend an Bedeutung – insbesondere für die jüngere Generation. Gleichzeitig bestehen noch Hürden, die Finanzinstitute überwinden müssen, um nachhaltige Investments stärker in den Fokus zu rücken.

Nachhaltigkeit wird von vielen Kundinnen und Kunden geschätzt, spielt bei Entscheidungen aber oft eine untergeordnete Rolle. Informationsdefizite, geringe Wechselbereitschaft und klassische Faktoren wie Kosten und Sicherheit dominieren weiterhin. Doch Kreditinstitute können mit gezielter Kommunikation, digitalen Maßnahmen und besserer Beratung gegensteuern – insbesondere, da die jüngere Generation nachhaltigen Banklösungen aufgeschlossener gegenübersteht.

Dr. Robert Bosch, globaler Leiter Banking & Capital Markets

Die Ergebnisse unserer aktuellen Umfrage zeigen: Es existiert das Potenzial, die Beratung über grundlegende Präferenzen hinaus auszubauen, um Kundinnen und Kunden besser zu informieren und zu unterstützen. Vor allem aber muss das Thema Nachhaltigkeit für die Bankenwelt in Zukunft mehr sein als ein werbliches Versprechen in Produktbeschreibungen und Beratungsgesprächen. Nachhaltigkeit muss von Banken durch eigenes Engagement und den sprichwörtlichen Scheinwerfer auf erfolgreiche Projekte vorgelebt werden. Das braucht einen langen Atem, wird sich aber am Ende für Banken und ihre Kunden auszahlen.

Dr. Robert Bosch, globaler Leiter Banking & Capital Markets

Die Ergebnisse unserer Studie auf einem Blick:

Nachhaltigkeit als Entscheidungskriterium beim Bankwechsel

  • 31 Prozent der Befragten halten die Nachhaltigkeit ihrer Bank für wichtig, 8 Prozent für sehr wichtig.
  • Nachhaltigkeit spielt beim Bankwechsel eine untergeordnete Rolle: 44 Prozent würden nicht aufgrund von Nachhaltigkeit zu einer anderen Bank wechseln.
  • Nur 4 Prozent würden einen Wechsel vornehmen, wenn eine Bank ein breiteres nachhaltiges Angebot hätte.
  • Die jüngere Generation ist bei passenden Nachhaltigkeitsangeboten wechselbereiter als ältere Kundengruppen.

Warum Nachhaltigkeit keine zentrale Rolle spielt

  • Trotz allgemeinem Interesse an nachhaltigen Finanzlösungen bestehen deutliche Defizite in der Informationsvermittlung und Wahrnehmung.
  • 52 Prozent der Befragten wissen nicht, ob ihre Bank nachhaltige Finanzprodukte anbietet.
  • 91 Prozent kennen das Nachhaltigkeitsranking ihrer Bank nicht.
  • 52 Prozent der Befragten haben im letzten Jahr keine nachhaltigkeitsbezogene Kommunikation ihrer Bank wahrgenommen.

Vertrauen in nachhaltige Produkte

  • Trotz Informationsdefiziten genießen nachhaltige Produkte Vertrauen:
    • 66 Prozent empfinden diese als glaubwürdig.
    • 37 Prozent bewerten das Angebot an nachhaltigen Investitionen positiv.
  • Kundinnen und Kunden, die über nachhaltige Produkte informiert sind, schenken diesen grundsätzlich Vertrauen.

Optimierungspotenzial bei der Beratung

  • 46 Prozent der Befragten fühlen sich bei nachhaltigen Investitionen gut beraten.
  • 48 Prozent wurden nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen gefragt.
  • Optimierungspozenzial in der Detailtiefe in der Beratung zur Integration von Nachhaltigkeit im Entscheidungsprozess.

Kosten und Sicherheit dominieren

  • Nur 20 Prozent wären bereit, höhere Kosten für nachhaltige Bankprodukte zu akzeptieren.
  • 30 Prozent der 18- bis 24-Jährigen würden höhere Kosten in Kauf nehmen, bei den über 55-Jährigen nur 11 Prozent.
  • Bei der Auswahl von Aktien, Anleihen und Fonds nennen nur 8 Prozent der jungen Generation Nachhaltigkeit als Hauptkriterium.
  • In allen Altersgruppen bleibt Sicherheit der wichtigste Auswahlfaktor, gefolgt von der Rendite. 

Digitalisierung als Schlüssel für mehr Nachhaltigkeit

  • 58 Prozent der Befragten wären bereit, auf digitale Kommunikationswege umzusteigen, wenn ihre Bank nachhaltiger wird.
  • 34 Prozent wären bereit, höhere Ordergebühren für ESG-Produkte zu zahlen.
  • 30 Prozent würden für nachhaltige Kontoführung einen Aufschlag akzeptieren.

Nachhaltige Finanzierungen spielen eine geringe Rolle

  • 81 Prozent der Befragten hatten in den letzten drei Jahren keinen Bedarf an Krediten für nachhaltige Projekte.
  • Nur 4 Prozent nutzten entsprechende Kredite.
  • 62 Prozent holten keine Kreditberatung ein, was die geringe Nutzung nachhaltiger Kreditalternativen erklärt.

Infografik Trendbarometer Sustainable Finance 2025

Über die Studie

Die Daten dieser Befragung basieren auf Online-Interviews mit Mitgliedern des YouGov Panels, die der Teilnahme vorab zugestimmt haben. Für die Befragung wurden im Zeitraum 9. bis 14. Januar 2025 insgesamt 2007 Personen befragt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Wohnbevölkerung in Deutschland ab 18 Jahren.

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