• Februar 2026

Studie 2026 – Teil 1

Seit 2019 führt BearingPoint regelmäßig internationale Umfragen zum Zahlungsverhalten durch. Die aktuelle Umfrage in neun europäischen Ländern zeigt: Die Kluft zwischen Bargeldnutzer:innen und digital orientierten Konsument:innen wächst, zugleich zeichnet sich ein steigendes Interesse am Digitalen Euro als zukünftige Ergänzung des Zahlungsökosystems ab.

Zentrale Ergebnisse zur Bargeldnutzung

Rückgang in Europadurchschnitt, Stabilität in Deutschland und Österreich

In den vergangenen drei Jahren ist die Häufigkeit der Bargeldnutzung in Europa insgesamt kontinuierlich gesunken – dieser Rückgang hält weiterhin an, wie die diesjährige Studie zeigt.

Während digitale Bezahlverfahren in vielen Ländern bereits dominieren, lässt sich, insbesondere im deutschsprachigen Raum, das Bargeld noch immer als bevorzugtes Zahlungsmittel erkennen: Deutschland (73 Prozent) und Österreich (71 Prozent) weisen weiterhin die höchste Bargeldnutzung auf. Die Altersgruppe 55+ nutzt Bargeld besonders häufig (Deutschland: 80 Prozent / Österreich: 84 Prozent). Überraschend hoch ist die Bargeldpräferenz auch bei 18 bis 24-Jährigen (Deutschland: 64 Prozent / Österreich: 57 Prozent).

In Nordeuropa sinkt die Bargeldquote hingegen deutlich stärker:

  • Schweden: 25 Prozent
  • Dänemark: 32 Prozent
  • Finnland: 42 Prozent

Zunächst keine endgültige Abkehr vom Bargeld in Sicht

Im europäischen Vergleich wird deutlich, dass Bargeld trotz rückläufiger Nutzung zunächst ein fester Bestandteil des Zahlungsalltags bleibt. Die Mehrheit der Befragten in Deutschland (64 Prozent) und Österreich (68 Prozent) kann sich in den nächsten zehn Jahren keine vollständige Abkehr vom Bargeld vorstellen.

Selbst in digital besonders geprägten Ländern wie Dänemark, Finnland und Schweden halten rund 40 Prozent der Befragten an der Bargeldnutzung fest.

Zentrale Ergebnisse zum Digitalen Euro

Digitaler Euro gewinnt an Bedeutung, doch Wachstumspotenzial bleibt

Der Digitale Euro ist längst im Bewusstsein der europäischen Bevölkerung angekommen. Dennoch lässt sich bei der Mehrheit der Befragten eine gewisse Unentschlossenheit in Bezug auf das Nutzungsverhalten feststellen. Damit bleibt ein erhebliches Entwicklungspotenzial des Digitalen Euros für die Zukunft.  

Nutzungsbereitschaft im europäischen Vergleich

  • Durchschnittlich jede:r Dritte würden den Digitalen Euro bereits heute nutzen.
  • Rund 42 Prozent aller Befragten sind unentschlossen.
  • Österreich zeigt mit 40 Prozent die größte Bereitschaft zur Nutzung.
  • Die Niederlande liegen mit unter 27 Prozent am unteren Ende des Spektrums.

Auch in den nordischen Ländern – den Vorreitern bei digitalen Zahlungen – bleibt die Akzeptanz moderat:

  • Dänemark: 21 Prozent
  • Schweden: 22 Prozent

Kostenfreiheit ist entscheidend

Die Frage, welche Eigenschaften der Digitale Euro aus Sicht der Nutzer:innen erfüllen muss, ergibt eine eindeutige Antwort: Die kostenfreie Nutzung ist das mit Abstand wichtigste Kriterium (41 Prozent) – gefolgt von Rund-um-die-Uhr-Akzeptanz (35 Prozent) und guter Benutzererfahrung (knapp 20 Prozent).

Nutzerinnen und Nutzer erwarten vom Digitalen Euro somit – ähnlich wie bei bereits bestehenden digitalen Zahlungsmitteln – vor allem Zugänglichkeit und Praktikabilität.

Online-Shopping als stärkster Treiber

Das Online-Shopping ist – wie im Vorjahr – der präferierte Anwendungsfall: Laut Umfrageangaben würden durchschnittlich 37 Prozent der Befragten den Digitalen Euro für Einkäufe im Internet nutzen (Central Bank Digital Currency – CBDC: 31 Prozent). Besonders deutlich ausgeprägt ist dieser Anteil in Irland (44 Prozent) sowie Finnland (40 Prozent).

Ähnlich hoch zeigt sich die Bereitschaft zur Nutzung im stationären Handel. Durchschnittlich 28 Prozent der Befragten gaben an, den Digitalen Euro auch im Geschäft verwenden zu wollen (CBDC: 22 Prozent).

Diese Ergebnisse verdeutlichen, wie stark der Digitale Euro im Handel künftig verankert sein könnte.

Als vertrauenswürdige europäische Alternative zu bestehenden nicht-europäischen Bezahllösungen kann der Digitale Euro insgesamt auf eine stärkere europäische Unabhängigkeit einzahlen – ein zentrales befürwortendes Argument.

Vertrauensanker Banken: Traditionelle Finanzinstitute übertreffen im Vergleich

Banken bleiben der wichtigste Vertrauensanker, wenn es um die Aufnahme und Speicherung von Transaktionsdaten bei der Verwendung des Digitalen Euro/CBDC geht. Das zeigen die Ergebnisse deutlich:

  • 41 Prozent der Befragten im Euroraum vertrauen ihrer Hausbank im Vergleich am meisten beim Umgang mit Transaktionsdaten.
  • Das Vertrauen in die EZB beziehungsweise nationale Zentralbanken fällt mit 13 Prozent deutlich geringer aus.
  • Großen Technologiekonzerne wie Apple oder Google vertrauen hingegen nur 4 Prozent der Befragten.

Fazit: Europas Zahlungsverkehr am Wendepunkt – die nächsten Jahre sind entscheidend

Europa bleibt beim Zahlungsverhalten (noch) zweigeteilt. Während Nordeuropa das Bargeld zunehmend hinter sich lässt, bleibt es in Deutschland und Österreich fest verankert. Auch jüngere, grundsätzlich eher digital affine Altersgruppen zeigen gegenwärtig eine klare Präferenz zum Bargeld auf. Gleichzeitig wächst das Interesse am Digitalen Euro als Ergänzung des Bargelds.

Damit steht Europa an einem strategischen Wendepunkt: zwischen dem Bewahren des Bewährten und der Gestaltung eines souveränen, digitalen Zahlungsverkehrs der Zukunft. Die nächsten Jahre werden entscheidend sein, um Vertrauen zu stärken, die Infrastruktur auszubauen und Nutzerbedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen.

Über die Umfrage

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage, an der zwischen dem 10. und 17. Dezember 2025 insgesamt 10.123 Personen in Österreich (1.000), der Schweiz (1.000), Deutschland (2.026), Dänemark (1.023), Finnland (1.009), Frankreich (1.052), Irland (1.001), den Niederlanden (1.003) und Schweden (1.009) teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die jeweilige Bevölkerung ab 18 Jahren.

Download der Infografik

  • Zahlungsverhalten in Europa – Bargeld und der Digitale Euro im Ländervergleich
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