• Juli 2024

Der Trend zur fortschreitenden Nachhaltigkeitsmüdigkeit seit 2022 scheint auf einem niedrigen Niveau gestoppt. Dennoch bleibt das Thema für viele Befragte diffus. Zwar unterscheiden die Befragten zwischen der Wirkung auf Gesellschaft, Unternehmen und ihrem eigenen Handeln, sparen Ressourcen oder beim Einkauf. Doch die Wahl eines Versicherers macht gerade einmal ein Viertel vom Angebot nachhaltiger Produkte abhängig. Auch weiterhin gilt daher für Versicherungsunternehmen, verstärkt an der Wahrnehmung und Bedeutung als Anbieter nachhaltiger Produkte zu arbeiten. Das und mehr zeigt das aktuelle Stimmungsbarometer, basierend auf unserer zum vierten Mal durchgeführten Umfrage zum Thema „Sustainable Insurance“.

Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland positionieren sich etwas deutlicher und ein wenig positiver gegenüber dem Thema Nachhaltigkeit als noch im Vorjahr. Dennoch tun sich viele noch immer schwer damit, eine Verbindung zu Versicherungsprodukten zu ziehen.

Giso Hutschenreiter, Partner bei BearingPoint und Versicherungsexperte

Versicherungsunternehmen stehen auch weiterhin vor einer schwierigen Herausforderung: Kunden zeigen sich nach wie vor skeptisch gegenüber den Nachhaltigkeitsbemühungen der Unternehmen. Der negative Trend der Vorjahre scheint aber zumindest gestoppt. Versicherungskunden positionieren sich im Vergleich zu früher beim Thema Nachhaltigkeit etwas klarer – und das meist mit positiveren Sichtweisen auf das Thema. Die absoluten Veränderungen in den Ergebnissen unserer Umfrage legen den Schluss nahe, dass diese positive Wendung insbesondere aus dem Feld der bislang Unentschiedenen kommen könnte. Hier zeigt sich ein relevantes Potenzial, um Kunden für und mit dem Thema Nachhaltigkeit zu gewinnen. Dabei sind Nachhaltigkeit und ESG-Ziele aber weiterhin erheblich erklärungsbedürftig.

Giso Hutschenreiter, Partner bei BearingPoint und Versicherungsexperte

Die wichtigsten Erkenntnisse auf einen Blick:

Nachhaltigkeit in Gesellschaft, Unternehmen und persönlichem Handeln

  • Über 50 Prozent der Befragten sehen Nachhaltigkeit als Einflussfaktor auf das Handeln der Gesellschaft (57 Prozent) und Unternehmen (52 Prozent).

  • 47 Prozent der Befragten geben an, dass Nachhaltigkeitsziele ihr persönliches Handeln beeinflussen.

  • Bewussteres Einkaufen und reduzierter Konsum werden von 15 Prozent der Befragten als Beispiel nachhaltigen Handelns genannt.

  • 23 Prozent der Befragten sehen Umweltziele (E) als primäres Ziel für Unternehmen an, 20 Prozent soziale Ziele (S) und 15 Prozent Unternehmensführung (G) - 23 Prozent lehnen alle drei Ziele ab.

  • Bei Versicherungsunternehmen legen Befragte Wert auf Umwelt/Umweltschutz (10 Prozent), Investitionen (8 Prozent) und allgemeine Nachhaltigkeit (8 Prozent) - 30 Prozent wussten keine Antwort. 

Rolle der Versicherer beim Thema Nachhaltigkeit wieder mehr gewünscht

  • Mehr Befragte als im Vorjahr stimmen zu, dass Versicherungsunternehmen eine wichtige Rolle bei der Förderung von Nachhaltigkeit spielen (47 Prozent gegenüber 39 Prozent).
  • 2022 waren es noch 53 Prozent der Befragten, die sagten, Versicherungen sollten nachhaltiges Verhalten mit ihren Produkten fördern.
  • Ein Drittel der Befragten kann keine Antwort darauf geben, ob Versicherungsunternehmen bereits nachhaltige Produkte anbieten, da sie oft nicht zwischen dem Produktangebot und dem Verhalten des Unternehmens unterscheiden können oder wollen.

Bereitschaft zu Leistungseinbußen oder höheren Prämien

  • Zustimmung zum Verzicht auf Leistungen zugunsten von Nachhaltigkeit stieg von 26 Prozent (2023) auf 28 Prozent (2024).
  • Bei den 18- bis 24-Jährigen ist die Akzeptanz für Leistungsverzicht doppelt so hoch wie bei den über 55-Jährigen.
  • Rund 60 Prozent der Befragten wollen auch weiterhin (eher) nicht auf Leistungen zugunsten von Nachhaltigkeit verzichten (2023: 60 Prozent, 2024: 61 Prozent).
  • 27 Prozent der Deutschen wären bereit, eine höhere Prämie für nachhaltige Zwecke zu zahlen, unverändert seit 2022.
  • Versicherte können sich Leistungsverzicht bei Ersatzleistungen (45 Prozent in 2024 vs. 37 Prozent in 2023) und bei Dienstleistungen (33 Prozent in 2024 vs. 30 Prozent in 2023) vorstellen.

Wie das Angebot nachhaltiger Produkte die Wahl des Versicherers beeinflusst

  • Ein Viertel der Befragten sieht nachhaltige Produkte als Kriterium bei der Versichererwahl (2023: 19 Prozent, 2022: 29 Prozent).
  • 57 Prozent der Befragten verneinen die Bedeutung nachhaltiger Produkte bei der Auswahl (2023: 60 Prozent, 2022: 51 Prozent).
  • Ältere Befragte lehnen nachhaltige Produkte als Auswahlkriterium stärker ab.
  • 51 Prozent erwarten eine niedrigere Rendite von nachhaltigen Versicherungsprodukten, 41 Prozent eine höhere (Vorjahr: 55 Prozent niedriger, 38 Prozent höher).

Über die Studie

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Umfrage von BearingPoint, die über das Marktforschungsinstitut YouGov Deutschland durchgeführt wurde. An der Online-Umfrage zum Thema „Sustainable Insurance“ nahmen zwischen dem 3. und 5. Juli 2024 insgesamt 2.066 Personen in Deutschland teil. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die Bevölkerung ab 18 Jahren. Die Umfrage wurde in vergleichbarer Weise auch in den Jahren 2021, 2022 und 2023 durchgeführt und erlaubt die Ableitung von Entwicklungen.

Download

  • Stimmungsbarometer „Sustainable Insurance“ 2024
    Stimmungsbarometer „Sustainable Insurance“ 2024 2.18 MB Download

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