Der Trend zur fortschreitenden Nachhaltigkeitsmüdigkeit seit 2022 scheint auf einem niedrigen Niveau gestoppt. Dennoch bleibt das Thema für viele Befragte diffus. Zwar unterscheiden die Befragten zwischen der Wirkung auf Gesellschaft, Unternehmen und ihrem eigenen Handeln, sparen Ressourcen oder beim Einkauf. Doch die Wahl eines Versicherers macht gerade einmal ein Viertel vom Angebot nachhaltiger Produkte abhängig. Auch weiterhin gilt daher für Versicherungsunternehmen, verstärkt an der Wahrnehmung und Bedeutung als Anbieter nachhaltiger Produkte zu arbeiten. Das und mehr zeigt das aktuelle Stimmungsbarometer, basierend auf unserer zum vierten Mal durchgeführten Umfrage zum Thema „Sustainable Insurance“.
Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland positionieren sich etwas deutlicher und ein wenig positiver gegenüber dem Thema Nachhaltigkeit als noch im Vorjahr. Dennoch tun sich viele noch immer schwer damit, eine Verbindung zu Versicherungsprodukten zu ziehen.
Versicherungsunternehmen stehen auch weiterhin vor einer schwierigen Herausforderung: Kunden zeigen sich nach wie vor skeptisch gegenüber den Nachhaltigkeitsbemühungen der Unternehmen. Der negative Trend der Vorjahre scheint aber zumindest gestoppt. Versicherungskunden positionieren sich im Vergleich zu früher beim Thema Nachhaltigkeit etwas klarer – und das meist mit positiveren Sichtweisen auf das Thema. Die absoluten Veränderungen in den Ergebnissen unserer Umfrage legen den Schluss nahe, dass diese positive Wendung insbesondere aus dem Feld der bislang Unentschiedenen kommen könnte. Hier zeigt sich ein relevantes Potenzial, um Kunden für und mit dem Thema Nachhaltigkeit zu gewinnen. Dabei sind Nachhaltigkeit und ESG-Ziele aber weiterhin erheblich erklärungsbedürftig.
Giso Hutschenreiter, Partner bei BearingPoint und Versicherungsexperte
Über 50 Prozent der Befragten sehen Nachhaltigkeit als Einflussfaktor auf das Handeln der Gesellschaft (57 Prozent) und Unternehmen (52 Prozent).
47 Prozent der Befragten geben an, dass Nachhaltigkeitsziele ihr persönliches Handeln beeinflussen.
Bewussteres Einkaufen und reduzierter Konsum werden von 15 Prozent der Befragten als Beispiel nachhaltigen Handelns genannt.
23 Prozent der Befragten sehen Umweltziele (E) als primäres Ziel für Unternehmen an, 20 Prozent soziale Ziele (S) und 15 Prozent Unternehmensführung (G) - 23 Prozent lehnen alle drei Ziele ab.
Bei Versicherungsunternehmen legen Befragte Wert auf Umwelt/Umweltschutz (10 Prozent), Investitionen (8 Prozent) und allgemeine Nachhaltigkeit (8 Prozent) - 30 Prozent wussten keine Antwort.
Die verwendeten Daten beruhen auf einer Umfrage von BearingPoint, die über das Marktforschungsinstitut YouGov Deutschland durchgeführt wurde. An der Online-Umfrage zum Thema „Sustainable Insurance“ nahmen zwischen dem 3. und 5. Juli 2024 insgesamt 2.066 Personen in Deutschland teil. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die Bevölkerung ab 18 Jahren. Die Umfrage wurde in vergleichbarer Weise auch in den Jahren 2021, 2022 und 2023 durchgeführt und erlaubt die Ableitung von Entwicklungen.