• Mai 2026

In dieser Serie zum Thema IT-Konsolidierung im öffentlichen Sektor wollen wir Sie regelmäßig auf die aktuellen Herausforderungen in der IT-Konsolidierung aufmerksam machen und Lösungsansätze aufzeigen.  

Bisher in dieser Serie erschienen: 

  1. Standardisierung bringt Nachhaltigkeit 
  2. Ganzheitlichkeit: IT muss auch die Prozesse der Fachverfahren umfassen 
  3. Zukunftsfähigkeit - nicht nur aktuelle Szenarien 
  4. IT-Strategie und Anwendungsfälle 
  5. End-to-End-Betrachtung 

These 5: End-to-End: IT muss auch die Prozesse der Fachverfahren umfassen  

Beschreibung:  Die isolierte Modernisierung eines Teilprozesses – etwa des Frontends – erzeugt nur begrenzten Mehrwert. Nachhaltige Effekte entstehen erst, wenn der gesamte End-to‑End-Prozess ganzheitlich betrachtet und weiterentwickelt wird. 

Begründung: Eine punktuelle Optimierung einzelner Prozessschritte führt häufig dazu, dass bestehende Medienbrüche, manuelle Nacharbeiten oder ineffiziente Schnittstellen im Hintergrund fortbestehen. Das Ergebnis sind lokal verbesserte Nutzeroberflächen, während Durchlaufzeiten, Fehlerquoten oder Kostenstrukturen im Gesamtprozess weitgehend unverändert bleiben. 

Erst eine ganzheitliche Betrachtung des End‑to‑End-Prozesses, d. h. von der Auslösung über Bearbeitung und Entscheidung bis zur Nachverfolgung, ermöglicht es 

  • strukturelle Engpässe zu identifizieren, 
  • Redundanzen abzubauen, 
  • Schnittstellen effektiv zu gestalten und 
  • den tatsächlichen Nutzen von Digitalisierung und Automatisierung zu realisieren.  

Forderung: Eine zukunftsfähige Verwaltungsmodernisierung kann nur gelingen, wenn Prozesse und Systemarchitektur ganzheitlich gedacht werden. Punktuelle Modernisierungen einzelner Komponenten entfalten kaum nachhaltige Wirkung und erhöhen langfristig die Komplexität sowie den Bedarf an Nachsteuerung und erneuten Modernisierungen.

Frage:  Ist die Digitalisierung von Papierformularen ohne medienbruchfreie End-to-End-Pozessgestaltung tatsächlich als echte Digitalisierung zu bewerten oder lediglich als digitale Vorstufe mit begrenztem Mehrwert? 

Beschreibung: Aktuell sind die Fachverfahrenslandschaften einschließlich ihrer Wechselwirkungen und Abhängigkeiten nur schwer durchschaubar. Bei der Konzeption und Umsetzung von IT-Vorhaben werden überwiegend die sichtbaren Prozesse bedacht, wie etwa die online bereitgestellten Formulare für Bürger:innen. Die dahinterliegenden Prozesse sowie involvierten Fachverfahren bleiben unberücksichtigt.  

In der Folge entsteht eine heterogene, wenig integrierte Anwendungs- und IT-Prozesslandschaft, die medienbruchfreie End-to-End-Prozesse verhindert und nachhaltige Effizienzgewinne erschwert. 

Begründung: Die begrenzte Wirkung vieler Digitalisierungsinitiativen ist häufig darauf zurückzuführen, dass bei der Konzeption und Umsetzung von IT‑Vorhaben primär für Nutzende sichtbare Prozesse berücksichtigt werden. Der Fokus liegt dabei auf schnell umsetzbaren Maßnahmen wie der Digitalisierung von Formularen und Frontends, die nach außen einen unmittelbaren Digitalisierungseffekt erzeugen.  

Die dahinterliegenden fachlichen Abläufe, Entscheidungslogiken sowie die beteiligten Fachverfahren im Backend bleiben jedoch oftmals unverändert und werden nicht systematisch in eine ganzheitliche Neugestaltung einbezogen. Gleichzeitig ist die bestehende Fachverfahrenslandschaft historisch gewachsen, nur unzureichend dokumentiert und in ihren Abhängigkeiten schwer durchschaubar.  

In Folge entstehen digitale Oberflächen mit weiterhin analogen oder teilautomatisierten Prozessen im Hintergrund. Medienbrüche werden dadurch nicht beseitigt, sondern lediglich in nachgelagerte Prozessschritte verlagert. Um diese strukturellen Defizite nachhaltig zu beheben, ist ein grundlegend anderer Ansatz erforderlich. 

Lösungsansatz/Empfehlung:  Ein nachhaltiger Lösungsansatz setzt voraus, dass Digitalisierungs‑ und IT‑Vorhaben nicht isoliert an einzelnen Frontends oder Formularen ausgerichtet werden, sondern konsequent vom fachlichen End-to-End-Prozess her neu gedacht werden. Ausgangspunkt muss eine transparente Gesamtübersicht über die Ziele der bestehenden Fachverfahrens‑ und Prozesslandschaft sein, einschließlich ihrer Abhängigkeiten, Schnittstellen und Medienbrüche. Hierbei müssen auch Prozessverantwortlichkeiten neu gedacht und verteilt werden. Auf dieser Basis sind Prozesse fachlich neu zu gestalten und klar zu priorisieren, bevor technische Lösungen umgesetzt werden. 

Fachverfahren sind dabei nicht als eigenständige Einzellösungen, sondern als integrierte Bausteine eines durchgängigen Gesamtprozesses zu verstehen und entsprechend auszurichten. Dies erfordert eine verbindliche Zielarchitektur, klare Vorgaben für Integration und Datenflüsse sowie eine übergreifende Governance mit eindeutiger End‑to‑End-Prozessverantwortung. Ergänzend müssen organisatorische und fachliche Verantwortlichkeiten sowie Change‑ und Befähigungsmaßnahmen berücksichtigt werden, um neue digitale Prozesse auch wirksam in der Praxis zu verankern. 

Nur wenn Frontend, Backend, Fachverfahren, Organisation und Steuerung gemeinsam transformiert werden, entstehen medienbruchfreie Prozesse, nachhaltige Effizienzgewinne und eine zukunftsfähige, konsistente IT‑Landschaft. Nachfolgend ist eine integrierte Handlungsagenda für eine zukunftsfähige IT-Transformation mit einem holistischen Ansatz beschrieben. 

Lessons Learned

Die zentralen Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Eine wirksame Verwaltungsdigitalisierung entsteht nicht durch einzelne digitale Maßnahmen, sondern durch die konsequente Ausrichtung an fachlichen End‑to‑End-Prozessen. Ziel ist es, sichtbare digitale Leistungen mit den dahinterliegenden Fachverfahren, Prozessen und organisatorischen Strukturen zu verzahnen, um Prozesse zu glätten, Medienbrüche zu vermeiden und nachhaltige Effizienzgewinne zu erzielen.

Zusammenfassung

In diesem Artikel haben wir zentrale Anforderungen an eine ganzheitliche IT‑Strategie aufgezeigt. Gern diskutieren wir mit Ihnen, wie sich eine durchgängige End‑to‑End‑Ausrichtung konkret in Ihrer Organisation umsetzen lässt.

Kommen Sie hierzu gern mit uns ins Gespräch und kontaktieren Sie uns unter christian.lochert@bearingpoint.com, um Ihren Status quo zu reflektieren und mögliche Lösungswege zu erörtern. 

 

  • Christian Lochert

Wünschen Sie weitere Informationen?

Wenn Sie mehr über diese Publikation erfahren möchten, wenden Sie sich bitte an unsere Experten, die gerne von Ihnen hören.

  • Christian Lochert
    Kontakt
Public Sector

Zukunftsfähige öffentliche Dienstleistungen und Gesundheitsversorgung für eine Welt im Wandel

Zukunftsfähige öffentliche Dienstleistungen und Gesundheitsversorgung für eine Welt im Wandel