In dieser Serie zum Thema IT-Konsolidierung im öffentlichen Sektor wollen wir Sie regelmäßig auf die aktuellen Herausforderungen in der IT-Konsolidierung aufmerksam machen und Lösungsansätze aufzeigen.
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Bisher in dieser Serie erschienen: |
Beschreibung: Die isolierte Modernisierung eines Teilprozesses – etwa des Frontends – erzeugt nur begrenzten Mehrwert. Nachhaltige Effekte entstehen erst, wenn der gesamte End-to‑End-Prozess ganzheitlich betrachtet und weiterentwickelt wird.
Begründung: Eine punktuelle Optimierung einzelner Prozessschritte führt häufig dazu, dass bestehende Medienbrüche, manuelle Nacharbeiten oder ineffiziente Schnittstellen im Hintergrund fortbestehen. Das Ergebnis sind lokal verbesserte Nutzeroberflächen, während Durchlaufzeiten, Fehlerquoten oder Kostenstrukturen im Gesamtprozess weitgehend unverändert bleiben.
Erst eine ganzheitliche Betrachtung des End‑to‑End-Prozesses, d. h. von der Auslösung über Bearbeitung und Entscheidung bis zur Nachverfolgung, ermöglicht es
Forderung: Eine zukunftsfähige Verwaltungsmodernisierung kann nur gelingen, wenn Prozesse und Systemarchitektur ganzheitlich gedacht werden. Punktuelle Modernisierungen einzelner Komponenten entfalten kaum nachhaltige Wirkung und erhöhen langfristig die Komplexität sowie den Bedarf an Nachsteuerung und erneuten Modernisierungen.
Frage: Ist die Digitalisierung von Papierformularen ohne medienbruchfreie End-to-End-Pozessgestaltung tatsächlich als echte Digitalisierung zu bewerten oder lediglich als digitale Vorstufe mit begrenztem Mehrwert?
Beschreibung: Aktuell sind die Fachverfahrenslandschaften einschließlich ihrer Wechselwirkungen und Abhängigkeiten nur schwer durchschaubar. Bei der Konzeption und Umsetzung von IT-Vorhaben werden überwiegend die sichtbaren Prozesse bedacht, wie etwa die online bereitgestellten Formulare für Bürger:innen. Die dahinterliegenden Prozesse sowie involvierten Fachverfahren bleiben unberücksichtigt.
In der Folge entsteht eine heterogene, wenig integrierte Anwendungs- und IT-Prozesslandschaft, die medienbruchfreie End-to-End-Prozesse verhindert und nachhaltige Effizienzgewinne erschwert.
Begründung: Die begrenzte Wirkung vieler Digitalisierungsinitiativen ist häufig darauf zurückzuführen, dass bei der Konzeption und Umsetzung von IT‑Vorhaben primär für Nutzende sichtbare Prozesse berücksichtigt werden. Der Fokus liegt dabei auf schnell umsetzbaren Maßnahmen wie der Digitalisierung von Formularen und Frontends, die nach außen einen unmittelbaren Digitalisierungseffekt erzeugen.
Die dahinterliegenden fachlichen Abläufe, Entscheidungslogiken sowie die beteiligten Fachverfahren im Backend bleiben jedoch oftmals unverändert und werden nicht systematisch in eine ganzheitliche Neugestaltung einbezogen. Gleichzeitig ist die bestehende Fachverfahrenslandschaft historisch gewachsen, nur unzureichend dokumentiert und in ihren Abhängigkeiten schwer durchschaubar.
In Folge entstehen digitale Oberflächen mit weiterhin analogen oder teilautomatisierten Prozessen im Hintergrund. Medienbrüche werden dadurch nicht beseitigt, sondern lediglich in nachgelagerte Prozessschritte verlagert. Um diese strukturellen Defizite nachhaltig zu beheben, ist ein grundlegend anderer Ansatz erforderlich.
Lösungsansatz/Empfehlung: Ein nachhaltiger Lösungsansatz setzt voraus, dass Digitalisierungs‑ und IT‑Vorhaben nicht isoliert an einzelnen Frontends oder Formularen ausgerichtet werden, sondern konsequent vom fachlichen End-to-End-Prozess her neu gedacht werden. Ausgangspunkt muss eine transparente Gesamtübersicht über die Ziele der bestehenden Fachverfahrens‑ und Prozesslandschaft sein, einschließlich ihrer Abhängigkeiten, Schnittstellen und Medienbrüche. Hierbei müssen auch Prozessverantwortlichkeiten neu gedacht und verteilt werden. Auf dieser Basis sind Prozesse fachlich neu zu gestalten und klar zu priorisieren, bevor technische Lösungen umgesetzt werden.
Fachverfahren sind dabei nicht als eigenständige Einzellösungen, sondern als integrierte Bausteine eines durchgängigen Gesamtprozesses zu verstehen und entsprechend auszurichten. Dies erfordert eine verbindliche Zielarchitektur, klare Vorgaben für Integration und Datenflüsse sowie eine übergreifende Governance mit eindeutiger End‑to‑End-Prozessverantwortung. Ergänzend müssen organisatorische und fachliche Verantwortlichkeiten sowie Change‑ und Befähigungsmaßnahmen berücksichtigt werden, um neue digitale Prozesse auch wirksam in der Praxis zu verankern.
Nur wenn Frontend, Backend, Fachverfahren, Organisation und Steuerung gemeinsam transformiert werden, entstehen medienbruchfreie Prozesse, nachhaltige Effizienzgewinne und eine zukunftsfähige, konsistente IT‑Landschaft. Nachfolgend ist eine integrierte Handlungsagenda für eine zukunftsfähige IT-Transformation mit einem holistischen Ansatz beschrieben.
Die zentralen Erkenntnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: Eine wirksame Verwaltungsdigitalisierung entsteht nicht durch einzelne digitale Maßnahmen, sondern durch die konsequente Ausrichtung an fachlichen End‑to‑End-Prozessen. Ziel ist es, sichtbare digitale Leistungen mit den dahinterliegenden Fachverfahren, Prozessen und organisatorischen Strukturen zu verzahnen, um Prozesse zu glätten, Medienbrüche zu vermeiden und nachhaltige Effizienzgewinne zu erzielen.
Als Grundlage ist eine strukturierte Gesamtübersicht über die bestehende Prozess‑ und Fachverfahrenslandschaft zu erstellen. Diese umfasst neben fachlichen Abläufen auch bestehende IT‑Lösungen, Schnittstellen, Standards sowie bereits umgesetzte Digitalisierungsinitiativen anderer Institutionen. Insbesondere ist systematisch zu prüfen, welche Ziele mit den Fachverfahren erreicht werden sollen und welche bestehenden Lösungen, bspw. im Rahmen von EfA‑Leistungen oder vergleichbaren Nachnutzungsmodellen, übernommen oder adaptiert werden können, um Doppelentwicklungen zu vermeiden.
Zentrale Verwaltungsprozesse werden anhand der Gesamtübersicht aus fachlicher Sicht End-to-End analysiert, priorisiert und neu gestaltet. Digitale Lösungen orientieren sich am Gesamtbild der Zielprozesse und nicht an bestehenden Formularen oder einzelnen Fachverfahren. Prozesse mit hohem Volumen, hoher Komplexität oder besonderem Automatisierungspotenzial sind priorisiert zu behandeln.
Für die zukünftige IT‑Landschaft ist eine verbindliche Zielarchitektur zu definieren, die das Zusammenspiel von Fachverfahren, Querschnittskomponenten, Datenflüssen und Schnittstellen klar beschreibt. Dabei ist konsequent auf Standards, modulare Architekturen und offene Schnittstellen zu setzen. Einzelentwicklungen und proprietäre Sonderlösungen sind auf begründete Ausnahmefälle zu beschränken. Ziel ist eine skalierbare, nachnutzbare und interoperable IT‑Landschaft.
Fachverfahren sind gezielt so weiterzuentwickeln, auszuwählen oder zu konsolidieren, dass sie die definierten End‑to‑End-Prozesse medienbruchfrei unterstützen. Frontend‑, Backend‑ und Entscheidungslogiken sind dabei gemeinsam zu betrachten. Die Digitalisierung von Formularen ohne Anpassung der dahinterliegenden Prozesse und Fachverfahren ist explizit zu vermeiden.
Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert eine enge, strukturierte Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, IT‑Dienstleistern und Fachverfahrensherstellern. Gemeinsame Zielbilder, abgestimmte Roadmaps und frühzeitige Einbindung aller Beteiligten stellen sicher, dass fachliche Anforderungen, technische Möglichkeiten und Standardisierungsziele zusammengeführt werden. IT‑Vorhaben sind dabei nicht isoliert zu beauftragen, sondern in ein übergreifendes Transformationsziel einzubetten.
Die IT‑Landschaft richtet sich an einer klaren Zielarchitektur aus und setzt auf Standards, modulare Lösungen und offene Schnittstellen. Vor jeder Neuentwicklung ist verbindlich zu prüfen, ob bestehende Lösungen anderer Verwaltungen oder Institutionen, insbesondere EfA‑Leistungen, nachgenutzt oder angepasst werden können. Ziel ist es, Insellösungen schrittweise zurückzuführen, parallele Entwicklungen zu vermeiden und Synergien systematisch zu heben. Neuentwicklungen sind nur dann vorzusehen, wenn keine geeigneten nachnutzbaren Lösungen verfügbar sind.
Für zentrale End‑to‑End-Prozesse sind eindeutige, organisations‑ und systemübergreifende Prozessverantwortlichkeiten festzulegen. Eine verbindliche Governance stellt sicher, dass neue IT‑Vorhaben, Fachverfahrensanpassungen und Digitalisierungsmaßnahmen konsequent an Zielarchitektur, Standards und Nachnutzungsprinzipien ausgerichtet werden. Verwaltung, IT‑Dienstleister und Fachverfahrenshersteller arbeiten auf Basis gemeinsamer Zielbilder und Roadmaps zusammen.
Die Umsetzung erfolgt schrittweise und iterativ, jedoch stets eingebettet in das übergeordnete Zielbild. Einzelmaßnahmen werden kontinuierlich darauf überprüft, ob sie zur Standardisierung, Integration und End-to‑End Digitalisierung beitragen – und nicht nur kurzfristige Sichtbarkeit erzeugen.
Parallel zur technischen Umsetzung sind organisatorische Anpassungen, Qualifizierungsmaßnahmen und eine transparente Kommunikation sicherzustellen. Nur wenn Mitarbeitende die neuen Prozesse verstehen, akzeptieren und anwenden können, entfalten standardisierte und integrierte Lösungen ihren vollen Nutzen.
In diesem Artikel haben wir zentrale Anforderungen an eine ganzheitliche IT‑Strategie aufgezeigt. Gern diskutieren wir mit Ihnen, wie sich eine durchgängige End‑to‑End‑Ausrichtung konkret in Ihrer Organisation umsetzen lässt.
Ganzheitlichkeit in der IT-Konsolidierung heißt: Nicht nur einzelne IT‑Komponenten, sondern den gesamten End‑to‑End‑Prozess inklusive Fachverfahren betrachten. So werden Medienbrüche, manuelle Nacharbeiten und ineffiziente Schnittstellen sichtbar. Erst dann lassen sich Durchlaufzeiten, Fehlerquoten und Kosten im Gesamtprozess nachhaltig verbessern.
In der IT-Konsolidierung bringt reine Formular‑ oder Frontend‑Digitalisierung nur begrenzten Mehrwert, weil Backend‑Abläufe und Fachverfahren oft unverändert bleiben. Medienbrüche wandern dann lediglich in nachgelagerte Schritte. Echte Effizienz entsteht erst, wenn Entscheidungslogiken, Bearbeitung und Nachverfolgung end‑to‑end neu gestaltet werden.
Ein Warnsignal in der IT-Konsolidierung sind digitale Oberflächen, hinter denen weiterhin Ausdrucke, manuelle Datenerfassung oder Übergaben zwischen Systemen nötig sind. Prüfen Sie die Prozesskette von Auslösung bis Nachverfolgung auf Schnittstellen, Redundanzen und Nacharbeiten. Bleiben diese bestehen, ist der Prozess nur „teildigitalisiert“.
Für eine wirksame IT-Konsolidierung starten Sie mit Transparenz: Gesamtübersicht über Prozesse, Fachverfahren, Abhängigkeiten, Schnittstellen und Medienbrüche. Danach werden Zielprozesse fachlich end‑to‑end analysiert, priorisiert und neu gestaltet, bevor Technik gebaut wird. So vermeiden Sie punktuelle Lösungen, die später Nachsteuerung und Komplexität erhöhen.
Eine verbindliche Zielarchitektur macht IT-Konsolidierung steuerbar, weil sie Zusammenspiel von Fachverfahren, Querschnittskomponenten, Datenflüssen und Schnittstellen festlegt. Mit Standards, modularen Bausteinen und offenen Schnittstellen sinkt die Zahl proprietärer Sonderwege. Das erleichtert Integration, Nachnutzung und schrittweise Modernisierung ohne neue Insellösungen.