Die deutschen Banken sind heute deutlich widerstandsfähiger und effizienter als noch vor zehn Jahren. Bei Kapitalausstattung, Liquidität und Risikoqualität hat die Branche seit der Finanz- und Staatsschuldenkrise wichtige Fortschritte erzielt. Die aktuelle Bankenstudie von BearingPoint, die im Handelsblatt aufgegriffen wird, zeigt jedoch: Im europäischen Vergleich bestehen weiterhin deutliche Schwächen bei Rentabilität und Problemkrediten.


Dr. Kordula Oppermann

Für Deutschland ist die Botschaft besonders klar: Die Institute sind heute robuster als je zuvor. Gleichzeitig steigen die Problemkredite, die Erträge bleiben stark zinsabhängig und die Renditelücke zu Europas Spitzenreitern besteht fort. Die Frage für die kommenden Jahre lautet daher, ob deutsche Banken produktiv genug sind, um die nächste Wettbewerbsphase zu gewinnen.

Dr. Kordula Oppermann, Director bei BearingPoint

Alexander Beck

Unsere Analyse belegt, dass hohe Kapitalquoten und solide Liquidität heute Hygienefaktoren sind. Differenzieren werden sich Banken künftig über datengetriebene Steuerung, intelligente Automatisierung und die Fähigkeit, regulatorische Komplexität effizient zu beherrschen. Genau dort liegt das größte Potenzial für Finance- und Risk-Funktionen in den kommenden Jahren.

Alexander Beck, Partner bei BearingPoint

Dr. Robert Bosch

Europas Banken haben ihre Widerstandsfähigkeit in den vergangenen Jahren eindrucksvoll bewiesen. Jetzt beginnt die nächste Phase der Transformation. Nicht die Anzahl einzelner KI-Anwendungsfälle wird über den Erfolg entscheiden, sondern die Fähigkeit, vertrauenswürdige Daten, moderne Betriebsmodelle und skalierbare KI-Fähigkeiten zu einer nachhaltigen Performance-Architektur zu verbinden.

Dr. Robert Bosch, globaler Leiter Financial Services bei BearingPoint

Die wichtigsten Erkenntnisse der Bankenstudie 2026 im Überblick

  • Europäische Banken sind stabiler: Die harte Kernkapitalquote stieg seit 2013 von 15,7 auf rund 20 Prozent. Gleichzeitig sank die durchschnittliche Problemkreditquote in Europa auf 1,9 Prozent.
  • Deutschland baut wieder Problemkredite auf: Zwischen 2019 und 2025 stieg der Bestand notleidender Kredite deutscher Banken um 87 Prozent. Deutschland ist damit der einzige große europäische Bankenmarkt mit einem deutlichen Anstieg.
  • Gewerbeimmobilien bilden den Risikoschwerpunkt: Bei spezialisierten Immobilienfinanzierern erhöhte sich die Problemkreditquote von 0,85 auf 4,09 Prozent der Bilanzsumme. Bei den meisten übrigen deutschen Instituten bleibt die Risikolage hingegen weitgehend stabil.
  • Die Effizienz steigt, die Renditelücke bleibt: Deutsche Banken erreichen eine Cost-Income-Ratio von 54,8 Prozent, liegen mit einer Eigenkapitalrendite von 8,6 Prozent aber weiterhin unter dem europäischen Durchschnitt von 10,4 Prozent.
  • Die Erträge bleiben stark zinsabhängig: Der Anteil des Zinsergebnisses am Gesamtertrag deutscher Banken stieg zwischen 2019 und 2025 von rund 46 auf 55 Prozent. Die angestrebte Diversifikation der Ertragsquellen ist damit bislang nur begrenzt gelungen.
  • Daten und KI werden zu Wettbewerbsfaktoren: Künftig entscheiden nicht allein Kapitalstärke und Liquidität über den Erfolg, sondern auch Datenqualität, intelligente Automatisierung und die Integration von KI in zentrale Prozesse wie Kreditvergabe, Risikomanagement, Compliance und Kundenservice.

 

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