Bislang haben die europäischen Geldhäuser die Coronakrise halbwegs gut überstanden. Doch die Pandemie verschärft den Strukturwandel, und die schlimmsten Schäden könnten noch kommen.

Noch stehen die europäischen Geldhäuser halbwegs stabil da in der Coronakrise. Das hat die Beratungsfirma BearingPoint in einer ersten Schadensbilanz-Studie herausgefunden, für die sie 86 Halbjahresbilanzen der europäischen Banken untersucht hat. Ende des zweiten Quartals 2020 hatten 36 der größten europäischen Banken rund 317 Milliarden Euro an notleidenden Krediten in ihren Bilanzen. Das ist zwar deutlich mehr als noch vor zwölf Monaten, aber auch klar weniger als die 444 Milliarden Euro 2009 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise.

Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass sich die endgültigen Folgen der Coronakrise noch nicht abschätzen lassen, weil die Banken derzeit durch regulatorische Erleichterungen und staatliche Hilfen für die Gesamtwirtschaft und Unternehmen erheblich entlastet werden.

Die Schäden könnten nur aufgeschoben sein, fürchten die Berater von BearingPoint: „Negative Effekte durch steigende Insolvenzen von Unternehmen und Privathaushalten könnten sich in die Zukunft verschieben, wenn die staatlichen Überbrückungsmaßnahmen ausgelaufen sind und dann zur Belastung für die langfristige Erholung werden.“

Die Furcht vor späteren Folgen der Coronakrise treibt auch die Aufseher um: In ihrem kürzlich veröffentlichten Finanzstabilitätsbericht warnt die Bundesbank, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der ersten Hälfte des kommenden Jahres auf bis 6000 pro Quartal steigen könnte. Das wären 20 Prozent mehr als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Die Berater von BearingPoint gehen davon aus, dass im weiteren Verlauf der Krise eine Verschärfung der Probleme in der Realwirtschaft zu einer weiteren erheblichen Belastung von Profitabilität und Stabilität der Institute führen wird. Eine ausgewachsene Bankenkrise erwarten sie trotz dieser Unwägbarkeiten zwar nicht, aber einzelne Institute könnten hart getroffen werden.

Die Pandemie macht den Strukturwandel für die Banken noch schwieriger. Die Branche „stand bereits vor der Krise deutlich unter Druck“, heißt es in der Studie. Die deutschen Banken schneiden im europäischen Vergleich besonders schlecht ab, wenn es um die Effizienz geht.

Lesen Sie den vollständigen Artikel "Corona-Spätfolgen könnten Europas Banken erheblich treffen" erschienen im Handelsblatt am 4. November 2020.

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