Noch hat die Coronakrise die deutschen Institute nicht wirklich erreicht. Aber das wird sich ändern. Der Branche steht ein radikaler Umbau bevor.

An Selbstbewusstsein mangelt es Christian Sewing derzeit nicht. Auf der virtuellen Hauptversammlung der Deutschen Bank Mitte Mai verkündete der Vorstandschef des größten heimischen Geldhauses, die Bank habe sich in „einer nie da gewesenen Situation“ bislang sehr gut geschlagen.

Der Börsenkurs scheint ihm recht zu geben. Trotz Coronakrise gewann die Aktie der Deutschen Bank im zurückliegenden Monat um mehr als ein Viertel an Wert. Aber Sewing weiß auch, dass die Banken erst am Anfang der Krise stehen. Deshalb will er die Deutsche Bank „sturmfest“ machen, weil im Moment noch niemand seriös prognostizieren könne, welche Zweit- und Drittrundeneffekte die Pandemie auslösen werde.

Tatsächlich könnte der Sturm die Banken noch schlimmer treffen als die Finanzkrise. Experten warnen vor dramatischen Gewinneinbrüchen in den kommenden Monaten. Die Verwerfungen könnten so heftig ausfallen, dass die ohnehin unter notorisch schwacher Profitabilität leidenden deutschen Banken an ihre Grenzen stoßen und deutlich radikalere Umbauten einleiten müssen als bislang geplant. (...)

Kein Weg zurück in die alte Welt

Nach Meinung der Berater ist der Einschnitt für die Branche so tief, dass es für die Banken keinen Weg zurück in die alte Normalität gibt. Die Umstellung der Kunden auf digitale Bankangebote hätte innerhalb weniger Monate einen Sprung um mehrere Jahre nach vorn gemacht, heißt es in der McKinsey-Studie.

Darauf müssten sich die Banken einstellen und ihre digitalen Vertriebsmodelle massiv ausbauen. Umgekehrt habe die Pandemie gezeigt, dass man auch mit 20 bis 30 Prozent weniger Filialen auskommen könne.

Thomas Steiner, Leiter Banking und Capital Markets bei der Beratung Bearingpoint, geht noch einen Schritt weiter. Er glaubt, dass die europäischen Banken auch ohne den zusätzlichen Druck der Coronakrise drastische Reformen hätten einleiten müssen.

„Der technologische Zyklus dauert etwa sieben bis zehn Jahre, das heißt, die Banken müssen sich eigentlich spätestens alle zehn Jahre technologisch neu erfinden.“ Früher oder später würden viele Banken radikale Entscheidungen treffen müssen. „Sonst steigt das Verhältnis von Kosten zu Einnahmen trotz enormer Investitionen in die Digitalisierung weiter an“, meint Steiner. Dazu gehöre zum Beispiel eine gründliche Bereinigung des Produktportfolios.

Lesen Sie den vollständigen Artikel "Wie die Coronakrise Banken in Bedrängnis bringt" erschienen beim Handelsblatt am 28. Mai 2020.

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