BearingPoint und das IIHD Institut beleuchten die Entwicklung chinesischer Handelsunternehmen und zeigen auf, was europäische Unternehmen von den Global Playern aus Asien lernen können.

Frankfurt am Main/Worms, 22. August 2019 – Die USA galten lange Jahre als Vorreiter und Taktgeber für Innovationen, insbesondere im Einzelhandel. Nun ist China im Begriff, den USA diese Rolle streitig zu machen und zum globalen Teilnehmer der Handelswelt von morgen zu werden. Die Rolle, die China in der Weltwirtschaft einnimmt, hat sich dabei in den vergangenen Jahren drastisch gewandelt. Galt das Land noch vor fünf Jahren primär als Erfüllungsgehilfe westlicher Unternehmen, die aufgrund der günstigen Produktionsbedingungen ihre Produkte in China fertigen ließen, hat sich das Land heute zu einem zentralen Absatzmarkt für Unternehmen aus den USA und Europa sowie zu einem bedeutenden Innovationszentrum für die Weltwirtschaft entwickelt.

Sechs Megatrends forcieren die Entwicklung chinesischer Unternehmen zu globalen Handelsriesen

Die rasante Entwicklung Chinas wird durch sechs Megatrends befeuert, die gleichermaßen einen Wachstumsmotor für die chinesische Wirtschaft darstellen:

  1. Größenvorteile der Unternehmen durch rasanten Anstieg der Produktionskapazitäten
  2. Hocheffizientes Banken- und Finanzsystem sowie eine hohe Liquidität und niedrige Zinsen befördern die Investitionsbereitschaft der Unternehmen
  3. Schnell voranschreitende Urbanisierung führt zur Steigerung des Wohlstandes des Landes und seiner Bevölkerung und etabliert den größten Absatzmarkt der Welt
  4. Hohes Bildungsniveau forciert die Entwicklung des Landes hin zu einem Technologieland und initiiert gleichzeitig steigende Einkünfte und höhere private Konsumausgaben
  5. Hohe Intensität der (mobilen) Internetnutzung – mehr als 71 Prozent der insgesamt 802 Millionen aktiven Internet-User nutzen Online-Bezahldienste und E-Commerce-Angebote, was China zu dem mit Abstand größten E-Commerce-Markt weltweit macht
  6. Verändertes Konsumentenverhalten gleicht sich mehr und mehr dem Lifestyle westlicher Industriestaaten an

China = E-Commerce

Diese Megatrends verhelfen China nicht zuletzt zu einem überdurchschnittlichen E-Commerce-Wachstum. Demnach verzeichneten die Umsätze im E-Commerce in China in den Jahren 2016 bis 2018 einen überproportionalen jährlichen Anstieg um 31,3 Prozent auf 1,5 Billionen US-Dollar. Auch für die kommenden Jahre bis 2021 werden durchschnittliche Wachstumsraten von 22,1 Prozent pro Jahr prognostiziert. China hat sich damit mit weitem Vorsprung zum weltweit größten E-Commerce-Markt entwickelt.

Die zentralen Spieler im chinesischen E-Commerce-Markt, allen voran Tencent, Alibaba und JD.com (siehe Abbildung 1), erzielen dabei überdurchschnittliche Wachstumsraten. Im Zeitraum von 2010 bis 2018 konnte beispielsweise Alibaba durchschnittlich um 57 Prozent pro Jahr wachsen. JD.com konnte dieses enorme Wachstum sogar noch deutlich übertreffen. Der einstige rein stationäre Elektronikhändler und heutige Online-Riese wuchs im Vergleichszeitraum jährlich durchschnittlich um 65 Prozent.

Sind die chinesischen Unternehmen Bedrohung oder Chance für deutsche Handelsunternehmen?

Diese Entwicklungen werfen zwei Fragen auf. Erstens, müssen sich europäische und insbesondere auch deutsche Handelsunternehmen vor den neuen Handelsriesen aus China fürchten?  Und zweitens, wie gelingt es diesen Unternehmen, so schnell so stark zu wachsen?

Kay Manke, Partner und Retails-Experte bei BearingPoint

Bis sich Unternehmen wie Tencent, JD.com und Alibaba im europäischen beziehungsweise deutschen Markt etablieren, ist nur eine Frage der Zeit. Erste Bestrebungen der Unternehmen, hierzulande Fuß zu fassen, sind schon seit einigen Jahren erkennbar. Dennoch sollten sich Handelsunternehmen weniger vor den Riesen aus China fürchten, als vielmehr die Entwicklung dieser Handelsgiganten zum Vorbild nehmen und aus deren Historie lernen.

Kay Manke, Partner und Retail-Experte bei BearingPoint

Dabei stehen drei Erfolgsfaktoren im Fokus, die Tencent, JD.com und Alibaba zu deren heutiger Wettbewerbsstärke und Marktbedeutung verholfen haben und die auch europäischen Unternehmen als Vorbild für künftigen Wettbewerbserfolg in einer sich verändernden Handelslandschaft dienen können (siehe Abbildung 2):

Erfolgsfaktor #1: Kundenzentrierung
Im Kern der Entwicklung von Services und Dienstleistungen steht der Kunde sowie dessen Interessen und Bedürfnisse. Eine konsequente Kundenzentrierung darf nicht nur Lippenbekenntnis sein, sondern muss vielmehr zu einem elementaren Bestandteil der Unternehmensstrategie werden. Die Verbesserung der Lebensqualität der Nutzer durch die Bereitstellung von integrierten Services und Dienstleistungen, die wie beispielsweise bei Tencent sämtliche Bereiche des täglichen Lebens der Konsumenten miteinander verbinden, muss im Fokus stehen.

Erfolgsfaktor #2: Technologieeinsatz
Der zielgerichtete Einsatz neuester Technologien sowie die anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung sollten den zentralen Investitionsschwerpunkt darstellen. Dabei verfolgt der Technologieeinsatz keinen Selbstzweck, sondern klar definierte Ziele, wie zum Beispiel im Falle von JD.com die Effizienzsteigerung in der gesamten Supply Chain durch eine vollautomatisierte Warenlogistik und die Steigerung der Customer Experience durch die Entwicklung neuer End-to-End-Lösungen hin zu einem übergangslosen Kauferlebnis.

Erfolgsfaktor #3: Ecosystem & Plattformstrategie
Um einen Nukleus – so zum Beispiel die B2B-Plattform Alibaba – werden nach und nach weitere Unternehmen, ebenfalls als Online-Plattformen, hinzugenommen, die das Leistungsspektrum kontinuierlich ergänzen. Die Schnittstelle der Unternehmen in diesem sogenannten Ecosystem bildet im Falle von Alibaba zum Beispiel die Zahlungsplattform Alipay. Alipay übernimmt die Zahlungsabwicklung aller Transaktionen auf den Plattformen und generiert dabei wertvolle Konsumentendaten, die Alibaba wiederum für die faktenbasierte Optimierung und Weiterentwicklung seiner Geschäftsmodelle zur Verfügung stehen.

Prof. Dr. Jörg Funder, Geschäftsführender Direktor IIHD Institut

Europäische und insbesondere auch deutsche Handelsunternehmen sind gut beraten, sich die Erfolgsfaktoren der Handelsriesen aus China zunutze zu machen, um dem zunehmenden Wettbewerbsdruck langfristig standhalten zu können. Eine stringente Kundenzentrierung, der zielgerichtete Einsatz von Technologie und die Nutzung der Vorteile eines Ecosystems werden in einer sich rasant verändernden Handelslandschaft von morgen von zentraler Bedeutung sein.

Prof. Dr. Jörg Funder, Geschäftsführender Direktor IIHD Institut

Die gesamte Studie "New Retail - Erfolgsmodell China" finden Sie unter folgendem Link: https://www.bearingpoint.com/de-de/unser-erfolg/insights/newretail-4-erfolgsmodell-china/

Abbildung 1:  Top 10 der weltweit wertvollsten Unternehmen im Einzelhandel

Top 10 der weltweit wertvollsten Unternehmen im Einzelhandel

Quelle: IIHD Research 2019; Statista 2019; Kantar Millward Brown 2018

 

Abbildung 2:  6 Megatrends, 3 Erfolgsbeispiele und 3 zentrale Erfolgsfaktoren

6 Megatrends, 3 Erfolgsbeispiele und 3 zentrale Erfolgsfaktoren

Quelle: IIHD Research 2019

 

Über die NEWretail Publikationsreihe

Die Publikationsreihe NEWretail-Reihe, die das IIHD Institut zusammen mit seinem langjährigen Kooperationspartner BearingPoint herausgibt, thematisiert aktuelle und strategisch relevante Fragestellungen von Handels- und Konsumgüterunternehmen.  NEWretail hinterfragt bestehende Denkweisen, gibt neue Impulse und zeigt praktisch realisierbare Lösungswege in einer neuen, komplexeren Welt auf.  Die Publikationen sind sowohl kritisch als auch provokant formuliert und beziehen klar Stellung.  Zur Stärkung der Kooperation initiierte BearingPoint ein Competence Center „SIM – Strategie & Internationales Management“ am IIHD Institut, das sich als Think Tank versteht und die relevanten Themen der Zeit reflektiert und kritisch hinterfragt.

 

Über das IIHD

Das IIHD Institut ist ein An-Institut der Hochschule Worms. Unabhängig und eigenfinanziert versteht sich das IIHD Institut als Themenbildner und Partner der Branchen Handel, Konsumgüter und konsumentennahe Services. Das IIHD Institut verfolgt einen kontextgetriebenen, problemfokussierten & interdisziplinären Forschungs- und Beratungsansatz. Es wendet sich damit von langwierigen, isolierten Forschungsbestrebungen mit unklarem Praxisbezug ab. Vielmehr wird in kooperativen Projekten Forschung mit direkter Wirkung in den Unternehmen betrieben. Praxis- und anwendungsbezogene Forschung, Beratung und Weiterbildung sind dabei in themenbezogene Competence Center gegliedert.

Für weitere Informationen: www.iihd.de

Pressekontakt
Prof. Dr. HSG Jörg Funder, Geschäftsführender Direktor

Tel.: +49 171 7619371
E-Mail: presse@iihd.de

 

Über BearingPoint

BearingPoint ist eine unabhängige Management- und Technologieberatung mit europäischen Wurzeln und globaler Reichweite. Das Unternehmen unterstützt seine Kunden sowohl bei strategischen als auch technologischen Herausforderungen rund um die Transformation ihres Unternehmens. BearingPoint agiert dabei in vier Bereichen: Consulting, Solutions, Business Services und Ventures. Consulting umfasst das klassische Beratungsgeschäft; Solutions entwickelt eigene Software-Lösungen für die Bereiche Digitale Transformation, Advanced Analytics und regulatorische Anforderungen; Business Services bietet Unternehmen Dienstleistungen auf Basis der Software-Lösungen; Ventures treibt die Finanzierung und Entwicklung von Start-ups voran. Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit führenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 10.000 Mitarbeitern unterstützt Kunden in über 75 Ländern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen für einen messbaren und langfristigen Geschäftserfolg.

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Alexander Bock
Manager Communications
Tel. +49 89 540338029

NEWretail #4: Erfolgsmodell China

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