BearingPoint-Umfrage bei Versicherungen zeigt: Unternehmen hätten auch den bisherigen Termin 2021 eingehalten, bewerten die Verschiebung um ein Jahr aber als sinnvoll. Im Falle weiterer Verzögerung werden erhebliche Risiken gesehen.

Frankfurt am Main, 28. November 2018 – Das IASB hat am 14. November 2018 den Vorschlag für eine Verschiebung des Einführungstermins von IFRS 17 von 2021 auf 2022 angekündigt. Damit einhergehend soll sich auch die Übergangsbestimmung zur erstmaligen Anwendung von IFRS 9 bei Versicherungen um ein Jahr verlängern. Betroffene Versicherungsunternehmen begrüßen die Verschiebung um ein Jahr, auch wenn die Verantwortlichen überwiegend betonen, dass man den bisherigen Einführungstermin eingehalten hätte. Die Projekte sollen aber mit unverändertem Nachdruck weiterverfolgt werden. Die zusätzliche Zeit soll nun insbesondere zur Qualitätssteigerung der Umsetzungen dienen.

Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Umfrage der Management- und Technologieberatung BearingPoint, die in der Woche nach der Bekanntgabe der Verschiebung unter Vertretern der deutschsprachigen Versicherungswirtschaft durchgeführt wurde. BearingPoint befragte dazu Verantwortliche sowie unmittelbar Beteiligte von IFRS 17-Umsetzungsprojekten bei Erst- und Rückversicherungsunternehmen im Rahmen von Telefoninterviews.

Laut Umfrage sehen die Unternehmen in der Verschiebung überwiegend eine große Chance zu einer besseren Anwendung von IFRS 17 zu gelangen und offene Fragen beziehungsweise Regelungslücken im Standard zu schließen. Dr. Rolf Meyer, verantwortlicher BearingPoint Partner für Finance & Regulatory im Segment Versicherungen, hebt eine wichtige Erkenntnis aus den Interviews hervor: 

Dr. Rolf Meyer, Partner bei BearingPoint

Die Versicherer haben aus der Verschiebung von Solvency II gelernt und bekräftigen, dass man die IFRS 17 Umsetzung nicht verzögern oder gar unterbrechen werde. Die betroffenen Unternehmen haben in den vergangenen beiden Jahren die Umsetzung mit höchster Priorität verfolgt. Doch auch wenn sich die Versicherer auf einem guten Weg sehen, räumen manche der Befragten ein, dass die eigene Umsetzung nun geordneter erfolgen könne. Einige Unternehmen hadern mit einzelnen Regelungen des Standards und dem Abdeckungsgrad im Markt verfügbarer IT-Lösungen zu dessen Umsetzung.

Dr. Rolf Meyer, Partner bei BearingPoint verantwortlich für Finance & Regulatory im Segment Versicherungen

 

Die Verschiebung um ein Jahr begrüßen alle Befragten, wenn auch teils mit unterschiedlichen Begründungen. IFRS generell und IFRS 17 im Besonderen halten die Befragten weiterhin für den grundsätzlich richtigen Weg. Zur Vollständigkeit des Bildes gehört aber auch, dass einige Befragte auf zweifelhaften Nutzen und hohe Kosten hinweisen. Hierbei wird sowohl der Nutzen für die Kapitalmarktseite als auch für die Versicherungsnehmer in Frage gestellt. Bezüglich der Klärung der Problemfelder im Standard sehen die Versicherer aber nun insbesondere wieder das IASB und auch EFRAG am Zug, wobei viele unsicher sind, ob dies innerhalb eines Jahres möglich und überhaupt gewollt sei.

 

Risiken einer weiteren Verschiebung

Ein Risiko wird von nahezu allen Befragten aktiv genannt: Sollte es zu einer Verzögerung über das angekündigte Jahr hinaus kommen, droht dies sowohl Auswirkungen auf die Projekte der Unternehmen zu haben als auch der gesamten Initiative zu schaden. Manche Befragten sehen es noch schwärzer: Wackelt der Umsetzungstermin über das Jahr hinaus, wackelt das ganze IASB Projekt „Accounting for Insurance Contracts“. So könnten dann zum Beispiel US-Vorgaben das Rennen gegenüber europäischen Regelungen machen.

Wird mit einer weiteren Verzögerung der Zeitpunkt des Inkrafttretens unsicher, werden Verantwortliche unweigerlich ihr Commitment gegenüber IFRS 17 Projekten verringern. Dies würde umso mehr geschehen, da IFRS 17 Projekte aktuell ganz wesentlich Budget und Kapazitäten binden – nicht selten zu Lasten von Maßnahmen zur Digitalisierung im CFO Bereich.

Markus Enk, Senior Manager bei BearingPoint im Segment Versicherungen

 

Projektbudgets steigen

Im Hinblick auf die Projektbudgets machen alle Befragten die Gleichung auf, dass eine Laufzeitverlängerung von einem Jahr auch unweigerlich zu Mehrkosten führen wird. Zur Höhe der Kosten gibt es allerding zwei grundsätzlich unterschiedliche Sichtweisen: Die einen gehen von einem Abschluss der Implementierung auf Basis der bisherigen Planung bis 2020 aus und sehen Mehraufwand hauptsächlich in den Fachbereichen (zum Beispiel besseres Verstehen, Steuerung, Parallelbetrieb, etc.). Das verbinden sie mit eher geringeren Zusatzkosten. Die anderen erwarten letztlich einen unveränderten Projektbetrieb auch im Jahr 2021 und damit entsprechend hohe Kostensteigerungen. Nach Einschätzung von BearingPoint ist auf Basis des aktuellen Fertigstellungsgrades mit zusätzlichem Aufwand zu rechnen – sowohl in der IT als auch in den Fachbereichen.

 

Über die Umfrage

Im Rahmen der Erhebung wurden Verantwortliche aus Finanz- und IT-Bereichen, Projektleiter und unmittelbar Projektbeteiligte insbesondere deutscher Versicherungsgruppen, aber auch ausgewählter Versicherungsunternehmen in Österreich und der Schweiz befragt. In Summe wurden neun verschiedene Gruppen befragt. Die Interviews wurden telefonisch in der Woche nach der Bekanntgabe des Vorschlags zur Verschiebung geführt. Hierzu wurden fünf Fragen zur Bewertung der Verschiebung sowie möglicher, damit einhergehender Konsequenzen gestellt.

 

Über BearingPoint

BearingPoint ist eine unabhängige Management- und Technologieberatung mit europäischen Wurzeln und globaler Reichweite. Das Unternehmen agiert in drei Bereichen: Consulting, Solutions und Ventures. Consulting umfasst das klassische Beratungsgeschäft, Solutions fokussiert auf eigene technische Lösungen in den Bereichen Digital Transformation, Regulatory Technology sowie Advanced Analytics, und Ventures treibt die Finanzierung und Entwicklung von Start-ups voran. Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit führenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Beratungs-Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 10.000 Mitarbeitern unterstützt Kunden in über 75 Ländern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen für einen messbaren und langfristigen Geschäftserfolg.

 

Geschäftsbericht: https://www.bearingpoint.com/de-de/ueber-uns/geschaeftsbericht/connecting-the-dots/

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Alexander Bock
Manager Communications
Tel. +49 89 540338029

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