November 2020

Der europäische Bankenmarkt fokussierte sich im Jahr 2019 auf die Stabilisierung der Kapitalausstattung und eine nachhaltige Kosteneffizienz. Durch den Ausbruch der Covid-19-Krise und die Maßnahmen zu deren Eindämmung im ersten Halbjahr 2020 wurde das schwierige Marktumfeld signifikant negativ beeinflusst. Der Druck auf die Banken erhöhte sich dadurch weiter.

Wie in unserer Bankenstudie 2019 „Lost in Transformation“ im Negativszenario umrissen, hat sich das Marktumfeld für die Banken durch die Covid-19-Krise noch einmal wesentlich verändert. Die Verschlechterung der Rahmenbedingungen führt zu einer erheblichen Herabstufung der Kundenbonität und zur Gefährdung der Liquidität in einigen Branchen. Diese Effekte, aber insbesondere die Belastung der Risikovorsorge der Banken für drohende Zahlungsausfälle, wurden durch Maßnahmen auf nationaler und europäischer Ebene wie Bürgschaften, Staatsbeteiligungen, Zuschüsse und Förderkredite bis jetzt erheblich abgemildert. Im weiteren Verlauf der Krise ist davon auszugehen, dass eine Verschärfung der Probleme in der Realwirtschaft zu einer weiteren erheblichen Belastung der Profitabilität und Stabilität der Banken führen wird.

Auch in der diesjährigen Studie wird deutlich, dass die europäischen Banken sich insgesamt noch stabil in dem sehr herausfordernden Marktumfeld bewegen. Jedoch müssen die Banken ihr Ziel einer effizienten Ausrichtung mit höchster Priorität verfolgen. Abwarten als Option existiert nicht, ein konsequentes Handeln ist erforderlich.

Die Auswirkungen der Covid-19-Krise sind in den Bilanzen der europäischen Banken deutlich erkennbar. Insgesamt hat sich die aggregierte Bilanzsumme in den letzten sechs Monaten um 10,8 Prozent erhöht. Vor allem in Frankreich und Deutschland konnte ein kräftiger Zuwachs von 19,3 Prozent beziehungsweise knapp 10 Prozent festgestellt werden.

Neben dem Blick auf das Bilanzwachstum ist auch die Risikoperspektive von zentraler Bedeutung. In Anbetracht des Konjunktureinbruchs durch die Covid-19-Krise und der dadurch beeinflussten Bonität der Kunden hilft ein Blick auf die Qualität der Portfolios der europäischen Banken, um die Folgen für die Zukunft einschätzen zu können. Das Gesamtbild zeigt, dass in den Jahren vor dem Krisenjahr 2020 die europäischen Kreditinstitute mit einem durchschnittlichen Wachstum der Bilanzsumme von 1,4 Prozent und einem Rückgang der RWAs um 0,2 Prozent das Risikoprofil ihrer Portfolios qualitativ verbessert haben und ihre RWA-Quote 2019 auf 32,2 Prozent senken konnten.

Da im Zuge der Covid-19-Krise Europa in eine Rezession gefallen ist, steigt die Gefahr nicht bedienter Kredite ebenfalls stark an. Zum Ende des 2. Quartals 2020 hatten bspw. 36 der größten europäischen Banken rund 317 Milliarden Euro notleidende Kredite in ihren Bilanzen. Der Vergleich zum Wert von 444 Milliarden Euro in 2009 während der Finanzkrise zeigt jedoch, dass die Situation zumindest vorerst noch nicht das Krisenniveau von damals erreicht hat. Allerdings zeigt sich durch die derzeitigen staatlichen Maßnahmen noch nicht das gesamte Ausmaß der Pandemie in den Zahlen der Banken – mit Nachholeffekten in den nächsten Quartalen ist zu rechnen.

Auch hinsichtlich der Profitabilität stand der europäische Bankensektor bereits vor der Krise deutlich unter Druck. Gemessen am Vorsteuergewinn (EBT) der europäischen Banken stagnierte die Entwicklung der Branche in den vergangenen beiden Jahren. Bereits vor der Covid-19-Krise hatten die Banken häufig Probleme, mit ihrem Geschäftsmodell nachhaltig profitabel in dem herausfordernden Marktumfeld zu agieren. So ist es kaum verwunderlich, dass die Gefahr einer potenziellen neuen Banken und Finanzkrise nach dem ersten Covid-19-Schock bei den Aufsichtsbehörden wie auch im Wirtschafts- und Politikumfeld weiterhin auf der Tagesordnung steht.

Um in diesem Spannungsfeld langfristig erfolgreich sein zu können, müssen sich die Banken auf drei zentrale Handlungsfelder fokussieren. Effizienz, Erschließung neuer Wachstumsfelder und Nachhaltigkeit bilden aus unserer Sicht den Kern der zukünftigen strategischen Ausrichtung der Banken.

Daraus leiten sich folgende Handlungsempfehlungen für Banken ab:

  • Das Produktportfolio muss gestrafft werden und Investitionsstrategien müssen für die Gesamtbank aufgesetzt sein. Eine neugeschaffene Architektur bildet das Fundament für die notwendige Wachstumsstrategie.
  • Aufbau eines Wachstumspfades auf Basis der Fit-for-Purpose IT-Architektur. 
  • Durch neue Produkte und eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie müssen die Banken ihre Chancen konsequent nutzen.

Weitere Informationen sowie Handlungsempfehlungen finden Sie in der Studie "Banking Efficiency – simplify for the future". Diese steht Ihnen im Downloadbereich zur Verfügung.

Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre und stehen für den Erfahrungsaustausch sehr gerne zur Verfügung.

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