Der Klimaschutz ist ein wesentlicher Treiber für Veränderungen in jeglichen Branchen - dies betrifft auch den Energiesektor. EU-Richtlinien zu CO2-Emissionen sorgen dafür, dass Anpassungen erforderlich und alternative Antriebsformen entwickelt werden. Diese stark subventionierte Entwicklung beinhaltet jedoch aktuelle Herausforderungen wie die Rohstoffbeschaffung, den Ausbau der Ladeinfrastruktur sowie Recycling - erweist sich die eingeschlagene Richtung im Nachhinein als falsch, wären enorme Investitionen und Ressourcen fehlallokiert.

Die neue Publikation des Handelsblatt Research Institute (HRI) und BearingPoint zum Energiemix im Mobilitätsbereich befasst sich mit dieser Thematik, gibt Einblicke in die unterschiedlichen Energieformen sowie die Elektromobilität und stellt Handlungsempfehlungen für die Energiebranche vor. 

Zunahme der Elektromobilität in Deutschland

Aktuelle staatliche Förderungsprogramme forcieren die Entwicklung in Deutschland hin zur Elektromobilität. Dies verdeutlichen auch die Zahlen: in den vergangenen drei Jahren halbierten sich die monatlichen Neuzulassungen bei Benzin- und Dieselfahrzeugen, während sich auf dem Markt für Elektrofahrzeuge hingegen ein regelrechter Boom zeigte. Elektromobilität stellt bei den Neuzulassungen die dominierende alternative Antriebsform dar. Diese Entwicklung bezieht sich jedoch in erster Linie auf den Pkw-Bereich, so waren zu Beginn des Jahres 2021 weiterhin etwa 94 Prozent der Lkw in Deutschland mit einem Diesel-Antrieb ausgestattet. Der Ausbau der dazugehörigen Infrastruktur dabei allerdings nicht mit, hier wird eine Diskrepanz zwischen den Plänen der Bundesregierung und dem aktuellen Stand des Ausbaus sichtbar, jedoch mit einem positiven Trend.

Strom als dominante Energieform

Elektrischer Strom zählt Deutschland und bei den meisten Ländern als die dominante Energieform in Wirtschaft und Gesellschaft. Die dazugehörige Infrastruktur ist bereits vorhanden sowie engmaschig vernetzt. Demzufolge wäre das bestehende Stromnetz in Deutschland ebenfalls grundsätzlich vorhanden sowie für die Elektromobilität gerüstet. Im aktuellen Energiemix im Mobilitätsbereich bilden Verbrennungsmotoren auf Basis fossiler Kraftstoffe aktuell noch die dominierende Antriebsform, was sich jedoch künftig ändern könnte. Daraus resultiert die Frage, ob es künftig eine neue dominante Antriebsform gibt oder der Mobilitätsbereich ein Mix verschiedener Antriebsformen auszeichnen wird.

Marion Schulte, Partner bei BearingPoint

Angesichts der unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse sei daher ein Nebeneinander verschiedener Antriebsformen wahrscheinlicher als die Dominanz einer Technologie, was in Zukunft automatisch unterschiedliche Infrastrukturen notwendig mache.

Marion Schulte, Partner bei BearingPoint

Die Folgen bei der Festlegung auf eine dominante alternative Energieform beinhalten eine umfangreiche Ladeinfrastruktur sowie eine Anpassung der Forschung und Produktion in Unternehmen. Nichtsdestotrotz geht dies mit einer Konzentration auf die dafür notwendigen Ressourcen einher und birgt absehbare Herausforderungen einer ausreichenden Beschaffung.

Unsere Empfehlungen für die Energiewirtschaft

Unterstützung bei der Entwicklung und Umsetzung

einer markt- und systemförderlichen Regulierung

Berücksichtigung von Erfahrungswerten

Erfahrungswerte aus dem Hochlauf von erneuerbaren Energien und Elektromobilität für einen beschleunigten Hochlauf von Wasserstoff berücksichtigen. Insbesondere mit Fokus auf die sektorübergreifende Betrachtung (Prozesse, Standardisierungsfelder, Regulierung und Markt)

Aktive fortlaufende Markt- und Technologiebeobachtung

und darauf basierend notwendige Adjustierung der Strategie und Umsetzungsprozesse schnell und flexibel umsetzen

Aktive Teilnahme an Forschungs- und Pilotprojekten

für alternative Antriebsformen, um frühzeitig Erfahrungen mit Planung, Errichtung und Betrieb der entsprechenden Lade- und Tankinfrastruktur zu generieren 

Aufbau von Ladeinfrastruktur

Weiterhin proaktiver flächendeckender Aufbau von leistungsfähiger, kundenfreundlicher und einfach erweiterbarer Ladeinfrastruktur

Netzausbau besser auf den Bedarf der Anschlussnehmer ausrichten

beispielsweise durch Steuerungssoftware in den Netzen

Weitere Vereinfachung und Komfortsteigerung

bei Lade- und Bezahlvorgängen

Übersicht und Transparenz

von Ladesäulen (zuverlässige Informationen über Verfügbarkeit und Zustand) 

Es müssen weiterhin finanzielle sowie nicht-finanzielle politische Anreize und privatwirtschaftliche Investitionen in Technologie und Ladeinfrastruktur getätigt werden, um langfristig Emissionen zu senken und alternative Antriebsformen zu fördern.

Die vollständige Publikation des Handelsblatt Research Institut (HRI) und BearingPoint mit Hintergrundmaterial, Statistiken und vielen weiteren Informationen steht Ihnen im Downloadbereich zur Verfügung.

Viel Freude bei der Lektüre.


Das Handelsblatt Research Institute (HRI) ist ein unabhängiges Forschungsinstitut unter dem Dach der Handelsblatt Media Group. Es schreibt im Auftrag von Kund*innen, wie Unternehmen, Finanzinvestoren, Verbänden, Stiftungen und staatlichen Stellen wissenschaftliche Studien. Dabei verbindet es die wissen­schaftliche Kompetenz des 30-köpfigen Teams aus Ökonomen, Sozial- und Naturwissenschaftlern sowie Historikern mit journalistischer Kompetenz in der Aufbereitung der Ergebnisse. Es arbeitet mit einem Netzwerk von Partnern und Spezialisten zusammen. Daneben bietet das Handelsblatt Research Institute Desk-Research, Wettbewerbsanalysen und Marktforschung an.

 

  • Fehlallokation durch einseitige Förderung von Elektromobilität - Einblicke und Handlungsempfehlungen 3.27 MB Download

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