Der im Jahr 2014 in Kraft getretenen EMIR-Meldung1 steht nach der ersten Reform im Jahr 2017 eine weitere grundlegende Novelle bevor. Per 3. Juli 2020 wird die ESMA-Konsultation zur Umsetzungsdetaillierung beendet, die so genannten „Technical Standards on Trade Repositories under EMIR REFIT“ und zeigt wesentliche Veränderungen für die Transaktionsregister und insbesondere die betroffenen und meldenden Institute auf.

Neben der Pflichtdelegation für kleine nichtfinanzielle Gegenparteien (NFC-), welche bereits zum 18.06.2020 umzusetzen war, werden nach Abschluss dieser ESMA-Konsultation die Meldungsdetaillierung der EMIR REFIT-Anforderungen die Marktteilnehmer auch in Zukunft beschäftigen. Insbesondere die Ergebnisse der so genannten „Harmonisation Group“, bestehend aus CPMI2 and IOSCO3, welche mit der Erarbeitung von einheitlichen Standards für die Derivatemeldung mandatiert wurde, fließen in die Umsetzung ein.

Anzahl der Meldefelder steigt deutlich, ISO Standard wird eingeführt

So erhöht sich die Anzahl der relevanten Meldefelder unter EMIR REFIT auf 203 gegenüber 129 Feldern in der bestehenden EMIR Meldung. Zusätzlich werden Formate bzw. Wertelisten von 67 bestehenden Feldern überarbeitet.

 

 

 

 

 

 

 

Für die betroffenen Institute herausfordernd ist neben der Erhebung weiterer Feldinhalte vor allem die korrekte Abbildung von Post Trade Events so genannte Lifecycle Events:

  • Zusätzlich zu dem bereits existierenden Feld „Action Type“, gilt gemäß ESMA-Konsultation die Einführung des „Event Type“, welches den Hintergrund entsprechender Lifecycle Events näher spezifiziert. Erfahrungsgemäß liegt diese Information bei vielen Instituten an der Schnittstelle zur Meldeabgabe in entsprechender Granularität nicht mehr vor.
  • Des Weiteren sollen in diesem Zusammenhang jene Kontrakte in der Meldung zusätzlich spezifiziert werden, welche geschlossen und anschließend geöffnet wurden (z.B. Clearing oder Compression), d.h. sie sind mit einer verknüpfenden Kennung zu versehen.
  • Teil der Harmonisierung ist ebenfalls die Umstellung auf den bereits in MiFIR und SFTR umgesetzten ISO 20022 XML Standard. Somit ist die Exportschnittstelle der meldenden Institute entsprechend neu aufzusetzen.

Verstärkter Fokus auf übereinstimmende Meldeinhalte des bilateralen Reportings

Die unter EMIR REFIT getroffene Spezifikation der Meldeinhalte soll zu einer Standardisierung des Reportings beitragen und sich positiv auf die „Reconciliation Rates“ des beidseitigen Reportings auswirken:

  • Durch die meldenden Institute sind Prozesse zur Abstimmung von abweichenden Meldeinhalten oder nicht zueinanderfindenden Geschäften mit den Kontrahenten aufzusetzen und schriftlich zu fixieren.
  • Abweichungen in den Meldeinhalten sind in einem entsprechenden Log zu protokolieren.
  • Weitere prozessuale Anforderungen beziehen sich auf die Mitteilungspflicht einer Nicht-Meldung, z.B. ausgelöst durch ein technisches Problem, an die nationale Aufsicht (unter MiFIR ist diese Anforderung bereits unter Artikel 15 (2) geregelt).

ESMA verlängert Umsetzungsfrist

Das Ende der Konsultationsphase wurde von der ESMA um zwei Wochen von 19. Juni auf 3. Juli 2020 verlängert. Die Veröffentlichung der Konsultationsergebnisse und somit der finalen „Technical Standards“ wird in Q4 2020 erwartet. Gemäß der in der Konsultation avisierten verlängerten Umsetzungsfrist von 18 Monaten ist mit einem Meldestart in Q3/Q4 2022 zu rechnen.

Die betroffenen Institute und auch die Transaktionsregister haben aus Umsetzungsprojekten der Vergangenheit zum transaktionsbasierten Reporting gelernt (EMIR, MMSR, MiFIR, SFTR). Insbesondere zur Einschätzung des Anpassungsaufwandes, die erforderlichen Datenströme aus den Vorsystemen und Datenhaushalte mit erforderlicher Qualität zu spezifizieren, ist eine frühzeitig Analyse zu empfehlen.

Wir haben langjährige Projekterfahrungen in Analyse, Spezifikation, Umsetzung und Implementierung bzw. Go-Live-Begleitung von transaktionsbasierten Reporting-Anforderungen. Unsere Experten stehen für Ihre Anfragen gern zur Verfügung. 

 1EMIR = European Market Infrastructure Regulation; 2 CPMI = Committee on Payments and Market Infrastructures (Vgl.);  3 IOSCO = International Organization of Securities Commissions (Vgl.)

 

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