Neue Publikation des Handelsblatt Research Institute (HRI) und BearingPoint zur temporären Umsatzsteuersenkung, als eine der Fördermaßnahmen des Konjunkturprogramms der Bundesregierung.

Die Corona-Pandemie hat eine globa­le Konjunkturkrise ausgelöst, auch die deutsche Wirtschaftsleistung brach massiv ein. Die Bundesregierung hat ein mehr als 130 Milliarden schweres Konjunkturprogramm auf den Weg gebracht, um die Krise zu überwinden.
Gemeinsam mit dem Handelsblatt Research Institute (HRI) hat BearingPoint die Auswirkungen der einzelnen Fördermaßnahmen analysiert und konkrete Handlungsempfehlungen entsprechend zu bestimmten Themen ausgesprochen.

Maßnahme: Temporäre Umsatzsteuersenkung

Eine der Maßnahmen des Bundes ist die temporäre Umsatzsteuersenkung, die am 01. Juli 2020 für die nächsten sechs Monate in Kraft trat. Der Normal­satz solle für diesen Zeitraum 16 anstatt 19 Prozent und der re­duzierte Satz fünf anstatt sieben Prozent betragen. Laut Gesetzesbegründung sollen mit der Steuersenkung und den weiteren, im „Zweiten Corona-Steuerge­setz“ zeitgleich beschlossenen Maßnahmen die Folgen der Pan­demie bekämpft und die Binnennachfrage gestärkt werden. Die daraus resultierenden Steuerausfälle schätzt die Bundesregierung auf 19,6 Milliarden Euro, wovon allerdings 6,6 Milliarden erst im kommenden Jahr kassenwirksam werden sollen.

Doch ob der Konsum in Folge der Maßnahme wirklich zunimmt, hängt entscheidend davon ab, in welchem Umfang die Unter­nehmen die Steuerentlastung in Form geringerer Preise an die Konsumenten weitergeben.

Hintergrund

Hintergrund der jetzigen temporären Steuersenkung sind die Erfahrungen, die bei der letzten Erhöhung der Umsatzsteuer in Deutschland zum Jahresbeginn 2007 gemacht wurden, als der Regelsatz um drei Prozentpunkte stieg. Von damals ist bekannt, dass die Ankündigung einer solchen Steuererhöhung Vorziehef­fekte auslösen kann, insbesondere bei langlebigen Konsumgü­tern wie Autos, Möbeln und Elektrogroßgeräten sowie bei der Modernisierung von Privathäusern.

Ähnliche Verzögerungen sind auch bei der aktuellen Steuersen­kung zu beobachten: Zum 1. Juli 2020 senkten offenbar die meis­ten Gastronomen ihre Preise nicht und auch viele Dienstleister und Onlinehändler geben die Steuersenkung ebenfalls nicht (voll) an die Verbraucher weiter. Dagegen löste die Steuersenkung im Lebensmitteleinzelhandel einen neuen Preiskampf aus.  

Fokusbranche

Um die Auswirkungen der Umsatzsteuersenkung genauer analysieren zu können, wurde der Groß- und Einzelhandel als Fokusbranche der Analyse bestimmt.

Starke Unterschiede im Umgang mit den Gestaltungsmöglich­keiten der Umsatzsteuersenkung waren besonders zwischen den Bereichen Food und Non-Food zu beobachten. Während nur zögerliche Zustimmung und Kritik an der Umsatzsteuersenkung im Non-Food-Bereich ihren Weg in die Medien fand, rührten die marktbestimmenden Discounter im Lebensmittelhandel gleich die Werbetrommel. Hingegen verweigerten etliche Unternehmen beispielsweise im Mode- und Möbelhandel die Weitergabe der Umsatzsteuer­senkung an die Verbraucher. Der Grund: Die „nicht-sys­temrelevanten“ Unternehmen sind durch die Auswirkungen be­hördlicher Corona-Maßnahmen besonders negativ betroffen, da sie wochenlang ihre stationären Geschäfte schließen mussten. Die Zurückhaltung bei vielen Händlern, ihre Preise für die tempo­räre Umsatzsteuersenkung anzupassen, hängt zu einem gewissen Teil auch mit dem damit verbundenen Aufwand zusammen. Im Vergleich haben es die Onlinehändler wie Amazon jedoch viel einfacher die Änderungen im System vorzunehmen. 

Die Ankurbelung der Binnennachfrage wird deutlich niedriger ausfallen als erwartet und der Handel profitiert aufgrund der zusätzlichen operativen und finanziellen Aufwände nur bedingt.

Kay Manke

Wichtige Themen könnten an Bedeutung verlieren

In den Zeiten vor Corona hatten es der Einzelhandel und die zu­liefernde Konsumgüterindustrie gerade geschafft, Nachhaltig­keitsthemen wie soziale Verantwortung, Plastikmüllvermeidung und Verpackungsreduzierung medial etwas stärker zu verankern und deutsche Verbraucher thematisch vom ewigen Preiskrieg wegzuführen. Diese Entwick­lung steht aber noch ganz am Anfang. Und in der aktuellen Si­tuation könnten diese Bemühungen durch ein Aufflammen von neuen Rabattschlachten zumindest in der Wahrnehmung der Verbraucher wieder zunichte gemacht werden. Doch gerade Themen wie Nachhaltigkeit und Ökologie können laut Kay Manke, Partner bei BearingPoint, neben dem Preis weitere Differenzierungsmerkmale für einen langfristigen Erfolg darstellen.

Laut unserem Experten müsse das Ladengeschäft dringend zu einer „Filiale 2.0“ revolutioniert werden, um der Erfüllung der Kundenbedürfnisse besser gerecht werden zu können. Auch habe die fortschreitende Digitalisierung und Automatisierung an Bedeutung gewonnen, die in einer wachsenden Nachfrage an modernen Prognosesystemen und der Nutzung von Big Data und KI resultiere.

Lesen Sie mehr zu den zu den einzelnen Fördermaßnahmen des Bundes im Downloadbereich.

 

 

Das Handelsblatt Research Institute (HRI) ist ein unabhängiges Forschungsinstitut unter dem Dach der Handelsblatt Media Group. Es schreibt im Auftrag von Kund*innen, wie Unternehmen, Finanzinvestoren, Verbänden, Stiftungen und staatlichen Stellen wissenschaftliche Studien. Dabei verbindet es die wissen­schaftliche Kompetenz des 30-köpfigen Teams aus Ökonomen, Sozial- und Naturwissenschaftlern sowie Historikern mit journalistischer Kompetenz in der Aufbereitung der Ergebnisse. Es arbeitet mit einem Netzwerk von Partnern und Spezialisten zusammen. Daneben bietet das Handelsblatt Research Institute Desk-Research, Wettbewerbsanalysen und Marktforschung an.

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