Juli 2020

Die Bundesregierung plant eine Gesetzesänderung, um die bisher übliche Höchstlaufzeit von zwei Jahren bei Dienstleistungs- und Produktverträgen inklusive Mobilfunkverträge zu senken. Die große Mehrheit der Deutschen zeigt sich jedoch zufrieden mit der Laufzeit ihres Mobilfunkvertrages. Das zeigt eine von uns beauftragte neue YouGov-Umfrage. 

Marcel Tietjen, Partner mit Schwerpunkt im CTO Bereich bei BearingPoint

Unsere Umfrageergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der Mobilfunkkunden mit einer Vertragslaufzeit von zwei Jahren zufrieden ist und sich keine Verkürzung wünscht. Eine Verkürzung von Laufzeiten bei Mobilfunkverträgen würde zwei Resultate mit sich ziehen: Vertragsabschlüsse ohne Mobiltelefone oder erhebliche Zuzahlungen für Smartphones durch die Endkunden. Unsere Umfrage zeigt deutlich, dass Mobilfunkkunden sich beides nicht wünschen. Es scheint als gehe der Verbraucherschutz in diesem Fall an den Wünschen der Verbraucher vorbei. An dieser Stelle sollte der Verbraucherschutz nochmal nachjustieren und in den Diskurs mit Verbrauchern und Telekommunikationsanbietern gehen.

Marcel Tietjen, Partner mit Schwerpunkt im CTO Bereich bei BearingPoint

Zufriedenheit mit der Mobilfunkvertragslaufzeit

Mehr als jeder zweite Deutsche (68 Prozent) ist mit der Laufzeit seines Mobilfunkvertrages zufrieden. Das belegt eine aktuelle, repräsentative YouGov-Umfrage, die im Auftrag von uns durchgeführt wurde. Wie die Umfrage zeigt, besitzt die Mehrheit der Befragten (55 Prozent) einen Mobilfunkvertrag mit Laufzeit. Am häufigsten vertreten sind dabei Verträge mit einer Laufzeit von zwei Jahren (40 Prozent). Kürzere Laufzeiten spielen nur eine geringe Rolle (15 Prozent der Befragten) und 20 Prozent der Umfrageteilnehmer nutzt einen Prepaid-Vertrag ohne Vertragslaufzeit.

Bereitschaft gegenüber einer Verkürzung der Mobilfunkvertragslaufzeit

46 Prozent der Befragten stehen einer möglichen Verkürzung der Laufzeit von Mobilfunkverträgen, die Auswirkungen wie höhere Servicegebühren, einen Preisanstieg oder geringerwertigere Endgeräte mit sich zieht, negativ gegenüber. Einer Verkürzung gegenüber am negativsten eingestellt sind die jüngeren Befragten zwischen 18 bis 24 Jahren. Ein Grund hierfür könnte sein, dass diese Altersgruppe Schüler, Stundenden, Auszubildende und Berufseinsteiger umfasst, welche aufgrund ihres Einkommens preissensibler
sind. Zudem legen jüngere Verbraucher mehr Wert auf ein modernes Endgerät mit der neuesten technischen Ausstattung und modernem Design und nehmen eine Einbuße an der Qualität des Endgeräts weniger in Kauf. 43 Prozent der Befragten würden einen zusätzlichen Betrag von ein bis fünf Euro pro Monat für eine verkürzte Vertragslaufzeit in Kauf nehmen. Jegliche höhere Ausgabe verzeichnet schwindende Akzeptanz. Dies gibt Telekommunikationsunternehmen keinen großen Spielraum bei der Preisgestaltung im Rahmen der Verkürzung der Vertragslaufzeiten. Verbraucher werden auch in Zukunft eher eine Laufzeit von zwei Jahren oder mehr akzeptieren, um ihr aktuelles Kostenspektrum nicht zu überschreiten.

Bereitschaft, zu einem anderen Mobilfunkanbieter zu wechseln

46 Prozent der Befragten würden ihren jetzigen Mobilfunkanbieter nicht wechseln, auch wenn ihnen ein anderer Mobilfunkanbieter unter denselben Rahmenbedingungen einen Mobilfunktarif mit einer kürzeren Laufzeit anbietet. 43 Prozent der Befragten würden ihren jetzigen Mobilfunkanbieter wechseln, wenn ihnen ein anderer Mobilfunkanbieter unter denselben Rahmenbedingungen einen Mobilfunktarif mit einer kürzeren Laufzeit anbietet. Bei Männern ist die Bereitschaft zu einem anderen Anbieter zu wechseln geringer als bei Frauen. In der Kundengewinnung brechen hier für Anbieter, die bereits kürzere Laufzeiten anbieten, Chancen weg. Wechselhürden sollten analysiert und beseitigt werden.

Thomas Heiss, Partner mit Schwerpunkt Telekommunikation und Medien bei BearingPoint

Zudem würde eine solche Entscheidung Telekommunikationsanbietern weniger Planungssicherheit geben, was sich unter Umständen auch negativ auf Investitionen in den Netzausbau auswirken kann. Eine Fokussierung der Politik auf alternative Vergabeverfahren von Mobilfunklizenzen wäre daher wesentlich zielführender und könnte sich mittel- bis langfristig auch positiv auf Vertragslaufzeiten, Preise und Netzqualität auswirken.

Thomas Heiss, Partner mit Schwerpunkt Telekommunikation und Medien bei BearingPoint

Hintergrund: eine geplante Gesetzesänderung

Hintergrund der Studie ist eine geplante Gesetzesänderung des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz hinsichtlich der Laufzeit von Dienstleistungs- und Produktverträgen inklusive Mobilfunkverträgen. Die aktuell gängige Vertragslaufzeit für abgeschlossene Mobilfunkverträge soll demnach von zwei Jahren auf maximal ein Jahr gesenkt werden. Automatische Vertragsverlängerungen sollen zudem statt der üblichen zwölf Monate nur noch um drei Monate erfolgen. Die Kündigungsfrist soll sich ebenfalls von drei Monaten auf einen Monat verkürzen.

Über die Umfrage

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2063 Personen in Deutschland teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

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